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Kleinmachnow Papa Binnes Jazz Band sagt Tschüss
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08:21 23.05.2019
Bandgründer Lutz Binneboese tourt mit seinen Musikern noch einmal durch fast sämtliche Locations, die den Erfolgsweg seiner Jazzband säumten. Quelle: H. Helwig
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Kleinmachnow

Es ist keine Ente – die Papa Binnes Jazz Band geht in Rente. Ostdeutschlands dienstälteste Jazzformation verabschiedet sich nach 60 Bühnenjahren mit einer Rundreise von den Spielstätten, die ihren erfolgreichen Weg säumten. Nach dem Eröffnungskonzert am 15.  März dieses Jahres im Werderaner Kulturhaus „Scala“ stehen rund zehn weitere Locations auf dem Tourneeplan, bevor am 15. Dezember das endgültig letzte Konzert in der Gaststätte Neu Helgoland in Müggelheim stattfindet. In Kleinmachnow wird die Band noch einmal am 16. November im Bürgersaal des Rathauses auftreten. „Nur der Innenhof des Rathauses Köpenick und das Kino Delphi in Berlin-Weißensee stehen uns als ehemalige Originalschauplätze nicht mehr zur Verfügung“, bedauert Bandgründer Lutz Binneboese aus Kleinmachnow. Dafür geben die Jazzer allerdings zwei Konzerte am 8. und 9. November im Steinmetzhof in Weißensee. Binneboese ist auch das einzige noch lebende Gründungsmitglied der Band.

Auf ihrer Abschiedstour tritt die Papa Binnes Jazz Band am 16. November noch einmal im Bürgersaal des Rathauses Kleinmachnow auf. Quelle: Privat

Die elften Klassen der Käthe-Kollwitz-Oberschule in Berlin-Prenzlauer Berg waren um den 11.  November 1959 herum zu einem mehrtägigen Aufenthalt mit Unterricht ins Landschulheim Kleinwall bei Erkner gefahren. „Binne“, wie Binneboese von seinen Freunden gerufen wurde, hatte seine Trompete dabei und wollte sich auf sein Vorspiel nach der Klassenfahrt in der Musikschule in Berlin-Mitte vorbereiten. Als er 13 Jahre alt war, hatten ihm seine Cousins eine Trompete geschenkt.

Binneboese bekam den Auftrag, zum Schulfasching „ein bisschen Musik zu machen“. Zum Glück konnte der Mathelehrer Klavier spielen, und Landschulheimleiter Bernd Griebsch hatte noch ein altes Schlagzeug aus seiner früheren Musikerzeit im Keller. Ein Mitschüler baute es zusammen und schon stand das Trio. „Wir haben an jenem Abend Begleitmusik gespielt, jazzige Stücke, Schlager“, erinnert sich Binneboese.

Im Alter von 13 Jahren bekam Lutz Binneboese von seinen Cousins zum Weihnachtsfest eine Trompete geschenkt. Quelle: Privat

Das Spiel blieb nicht ohne Folgen. Nach der Rückkehr in die Schule musste Binneboese bei der stellvertretenden Direktorin antreten. „Setzt euch hin und studiert was für den Weihnachtsball ein. Wir brauchen Musik“, erklärte sie ihm kurz und bündig, und die Band hatte ihren nächsten Auftrag. Auch andere Schulen wurden rasch auf die Schülerband aufmerksam, sodass es Zeit wurde, einen Namen zu finden. Als die dänische Jazzband Papa Bue aus Kopenhagen im Januar 1960 in Berlin gastierte, überlegten die übrigen Bandmitglieder nicht lange und nannten sich zunächst „Papa Binnes Hot Five“. Nur ein Jahr später nahm die Band ihren heutigen Namen an.

Das erste offizielle Werbeplakat der Papa Binnes Jazz Band gestaltet der Fotograf und Grafiker Bernd Scheubert. Quelle: Privat

Während andere Jugendliche sich dem Rock ’n’ Roll hingaben, begeisterten sich die Bandmitglieder mehr für den Jazz. „Als die Grenze noch offen war, sind wir in den Sportpalast zu Chris Barber gefahren“, schwärmt Binneboese noch heute. Später standen die Musiker mit Größen wie Barber oder auch Mr. Acker Bilk gemeinsam auf einer Bühne. „Der Jazz ist musikalisch kreativer als der Rock. Der Rhythmus ist lockerer, man kann mehr improvisieren“, begründet Binneboese seine Vorliebe für diesen Musikstil. Mit ihren Swingvariationen bekannter Kinderlieder wie „Bummi“ oder „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht ...“ gehörte die Band zu den Mitinitiatoren einer Veranstaltungsreihe „Kinder-Dixieland“.

Mit Birr und Puppel auf einer Schulbank

Lutz Binneboese ist studierter Maschinenbauingenieur.

Die Papa Binnes Jazz Band gehört zu den ersten Formationen in den Anfangsjahren des Dixieland-Festivals im Dresdener Kulturpalast. Die Band ist seit 1973 in jedem Jahr dabei gewesen und tritt auch in diesem Jahr dort wieder auf. Das Dixieland-Festival feiert im nächsten Jahr seinen 50.Jahrestag.

Seinen Berufsausweis als Musiker erwarb Lutz Binneboese in einer gemeinsamen Klasse zusammen mit Dieter Birr und Peter Meyer von den Puhdys und Fritz Puppel von der Band City.

Ein Meilenstein in der musikalischen Entwicklung war die Mitarbeit am Deutschen Theater in dem Stück „Frieden“. Als das Stück im Mai 1970 zu den Ruhr-Festspielen in Recklinghausen aufgeführt werden sollte, war dies für die Musiker die Eintrittskarte zum Rest der Welt. Weitere Auftritte im westlichen Deutschland, in Europa, Kuba und Algerien folgten. Als 1989 die Mauer fiel, spielte die Papa Binnes Jazz Band zu ihrem 30-jährigen Bestehen mit der Partnerband aus Mühlheim an der Ruhr vor dem Brandenburger Tor in Berlin. „Unsere guten Kontakte ins westliche Ausland schon zu DDR-Zeiten haben uns auch nach der Wende viele Auftritte gesichert“, sagt Binneboese. Ob er je vom Jazz loskommen wird, weiß der 77-Jährige nicht. „Doch wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Jetzt ist es am schönsten“, sagt er. Lutz Binneboese will jetzt politisch neue Töne in seine Heimatgemeinde einbringen. Er ist Chef der unabhängigen Wählergruppe Pro Kleinmachnow.

Von Heinz Helwig

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