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Kleinmachnow Anne Kasprik präsentiert „Ich aus dem Osten“ in der alten Heimat
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Anne Kasprik präsentiert „Ich aus dem Osten“ in der alten Heimat
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19:54 21.01.2019
Anne Kasprik hat ein Buch über sich selbst und ihr Leben im Osten geschrieben.
Anne Kasprik hat ein Buch über sich selbst und ihr Leben im Osten geschrieben. Quelle: Stephan Laude
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Kleinmachnow

„Ich könnte zu fast allen ,Du’ sagen“, meint Anne Kasprik erfreut. Zahlreiche Freunde und Bekannte sind gekommen, um die Schauspielerin bei ihrer Lesung zu erleben. In den kleinen Saal der Kleinmachnower Neuen Kammerspiele müssen zusätzliche Stühle getragen werden. Anne Kasprik ist in der Gemeinde zu Hause. Nicht wenige Erinnerungen haben die Schauspielerin und ihr Publikum an diesem Freitagabend gemeinsam. Kasprik stand schon als Teenager in den Kleinmachnower Kammerspielen auf der Bühne.

Kasprik hat Erinnerungen, die viele Menschen im Osten teilen

Ihr aktuelles Buch heißt „Ich aus dem Osten“ und ist im Verlag Neues Leben erschienen. Es ist nicht sehr verbreitet, dass Ostdeutsche ihre Herkunft so herausstellen. Auch Anne Kasprik kennt viele, die sich damit bedeckt halten. Aber wenn man die Hälfte seines Lebens in der DDR verbracht hat, das prägt natürlich. Heute sei sie weder Ost noch West, sagt Kasprik: „Eigentlich bin ich Europa.“ Sie sei angekommen im System, behauptet die Frau von sich. Die Initiative zu dem autobiografischen Buch ging nicht von ihr aus, sondern vom Verlag. Im Alter von Mitte 50 ist eigentlich kein aktueller Anlass für eine öffentliche Lebensbilanz ersichtlich. Deshalb einigten sich Verlag und Autorin auf den Anlass 30 Jahre Mauerfall.

Tatort, Polizeiruf und Troublemaker

Anne Kasprik, die unter anderem durch solche Fernsehproduktionen wie „Polizeiruf 110“, „Tatort“ und „In aller Freundschaft“ bekannt wurde, aber auch bereits mit Bud Spencer und Terence Hill („Troublemaker“) drehte, hat keine Autobiografie geschrieben, sondern anekdotische Episoden aneinandergefügt. Das ist keine große Literatur und will es wohl auch nicht sein, aber unterhaltsam und flott zu lesen.

1995 am Marterpfahl vor der „Villa Bärenfett" auf dem Gelände des Karl-May-Museums in Radebeul: Die Hauptdarsteller des Films „Troublemaker“ Anne Kasprik (2.v.l.), Terence Hill (M.) und Eva Hassmann, eingerahmt von kostümierten Indianer-Darstellern. Quelle: dpa

Es finden sich darin Erinnerungen, die viele im Osten teilen, zum Beispiel zum großen „I“ im Klassenbuch. Jeder Betreffende – und in Kleinmachnow gab es davon besonders viele – wird sich erinnern: Das „I“ in der Spalte „soziale Herkunft“ war die erste Hürde auf dem Weg zu höherer Schulbildung. „I“ stand für „Intelligenz“. Mit „A“ wie Arbeiter oder „B“ wie (Genossenschafts)bauer war man besser dran. Da nützte es auch nichts, dass Anne Kaspriks Eltern überhaupt kein Studium absolviert hatten – ihr Vater war der bekannte Regisseur Hans-Joachim Kasprzik (das „z“ im Nachnamen hat seine Tochter später entfernen lassen). Künstler gehörten per Amt zur Intelligenz.

Schwere Schulzeit in der DDR

Anne Kasprik wurde trotz des Makels zur Erweiterten Oberschule zugelassen. Allerdings durfte sie nicht nach Potsdam, wo Sprachen im Mittelpunkt standen. Sie musste an der Weinberg-Schule in Kleinmachnow büffeln, es galt das Wohnort-Prinzip. Die Weinberg-Schule war auf naturwissenschaftliche Fächer spezialisiert, also die, mit denen die spätere Schauspielerin rein gar nichts am Hut hatte, die ihr schwer fielen. Ein dickes Lob von der Mathelehrerin gab‘s dennoch – nachdem sie ihre Schülerin auf der Bühne des Arbeitertheaters der Geräte- und Reglerwerke (GRW) in Teltow gesehen hatte.

Mit Wolfgang Stumph (l.) und Bernd Stegemann drehte Anne Kasprik die MDR-Komödie „Romeo und Jutta“ (2009). Quelle: dpa

Trotz einer langen Liste von Film- und Fernsehproduktionen – der ganz große Durchbruch war Anne Kasprik bisher nicht vergönnt. Sie räumt das auch unumwunden ein, führt mögliche Gründe an: Es müsse nicht nur an den Schauspielern selbst liegen. „Wer an weniger erfolgreichen Produktionen beteiligt ist, wird Teil des Misserfolgs“, schreibt die Autorin in ihrem Buch.

Keine Rolle in Rosamunde-Pilcher-Filmen

Ob der Karrieresprung mit einer der Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen geglückt wäre, sei dahingestellt, aber sie hätte da gern mal mitgespielt, sagt Kasprik „Bei Rosamunde Pilcher muss man nicht im Dreck rumrutschen wie in den Krimis. Angenehme Drehorte, wunderbare Menschen . . .“ Aber Kaspriks Anfragen wurden abschlägig beschieden: Sie sähe zu proletarisch aus, zu bodenständig, hieß es bislang jeweils.

Viel Platz im Buch widmet Kasprik ihrem Ehemann, Oren Schmuckler. Er ist Regisseur und Kameramann, kommt aus Israel. In diesem Jahr feiert das Paar Silberhochzeit. Anne Kasprik strahlt, als sie das ihrem Publikum in Kleinmachnow erzählt. Da scheint nichts geschauspielert zu sein.

„Anne Kasprik „Ich aus dem Osten“ Verlag Neues Leben, 254 Seiten, ISBN 978-3-355-01873-9, 17,99 Euro

Von Stephan Laude

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