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Kleinmachnow Immer mehr Wildschweine in Vorgärten: Debatte über Bogenjagd neu entflammt
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Immer mehr Wildschweine in Vorgärten: Debatte über Bogenjagd neu entflammt
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13:52 08.10.2019
Fast schon Alltag in Kleinmachnower Vorgärten: Wildschweine suchen nach Nahrung. Quelle: Privat
Stahnsdorf/Kleinmachnow

Die sogenannte Eichel- und Bucheckernmast – die Menge der herab fallenden Früchte von Eichen und Buchen – ist in diesem Herbst nicht wesentlich größer als auch in den Jahren zuvor. Dies sagt Carsten Leßner, Leiter der obersten Forstbehörde im Umwelt- und Agrarministerium auf MAZ-Nachfrage. Leßner widerspricht damit dem öffentlichen Eindruck nicht nur in Stahnsdorf und Kleinmachnow, die angeblich vermehrte Anzahl von Eicheln und Bucheckern würde die Wildschweine in der Region zusätzlich zu einer Vermehrung anregen.

Schwarzwild zieht sich von Feldern zurück

Unbestritten würde sich das Schwarzwild jetzt von den Maisfeldern zurückziehen, die abgeerntet wurden und den Tieren keinen weiteren Schutz mehr vor den Jägern bieten. Dafür fänden sie jetzt auf dem Straßengrün sowie auf bewohnten und unbewohnten Grundstücken in der Region ausreichende Nahrung.

Die zahlreichen Eicheln und Bucheckern sieht der Forstexperte nicht als hauptsächlichen Auslöser für die ansteigende Wildschweinzahl. Die meisten Frischlinge, die in diesem Frühjahr geboren wurden, seien jetzt mit einem Gewicht von mindestens 20 Kilogramm das erste Mal in ihrem Leben geschlechtsreif. Die Tragzeit betrage bekanntlich im Durchschnitt drei Monate, drei Wochen und drei Tage. Werden die weiblichen Jungtiere vom Keiler „beschlagen“, kämen im nächsten Frühjahr die neuen Frischlinge. „Das ist aber eine ganz normale Sache“, erklärt Leßner.

Es gibt in diesem Herbst nicht mehr Eicheln als sonst, sagt die oberste Forstbehörde des Landes. Auch wenn sich die Wildschweine an den Waldfrüchten satt futtern, die Angst vor einer zusätzlichen Schwarzwild-Vermehrung ist unbegründet. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Wir hatten in den beiden zurückliegenden Jahren milde Winter ohne Frost und Schnee. Das hat die Frischlinge überleben lassen, von denen sonst bei eisigen Temperaturen sicher einige erfroren wären.“ Eine zuverlässige Prognose für den Winter 2019/2020 gäbe es noch nicht. Der tatsächliche Bestand an Wildschweinen im Land könne nicht beziffert werden.

Wie die Wildschweinplage in der Region erfolgreich gemindert werden kann, darüber habe die Forstbehörde auch mit Vertretern angrenzender Jagdgebiete gesprochen, sagt Leßner. Dabei sei die gescheiterte Bogenjagd lediglich „irgend eine Variante“. Bekanntlich will Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) beim neuen Landwirtschaftsminister erneut diese Jagdform beantragen.

Hoch emotionales Thema

„Doch solch ein hoch emotionales Thema kann nur mit einer wissenschaftlichen Begleitung weiter verfolgt werden“, verteidigt der oberste Forstmann des Landes die derzeitige Absage an diese Jagdform. Das habe Leßner schon dem gegenwärtigen Minister Jörg Vogelsänger (SPD) dringend empfohlen und werde es bei dessen Amtsnachfolger ebenso tun. „Schließlich wollen wir am Ende wissen, ob diese Maßnahme wirklich etwas gebracht hat“, meint Leßner.

Die Bogenjagd ist ein hoch emotionales Thema, sagt Carsten Leßner, Leiter der obersten Forstbehörde in Brandenburg. Ohne eine wissenschaftliche Begleitung ist diese Form der Bejagung allerdings nicht denkbar. Quelle: Deutscher Bogenjagdverband

In Kleinmachnow haben sich die betroffenen Einwohner wohl oder übel mit den Wildschweinen arrangieren müssen, die nach wie vor in die Grundstücke und Schrebergärten eindringen und Grünflächen oder Vorgärten umpflügen, berichten Kleinmachnower auf MAZ-Nachfrage. Mehrere Jogger berichten immer wieder von Begegnungen mit den Tieren vor allem in den Abendstunden.

Einige Schüler dürfen abends nicht mehr wie bisher mit dem Fahrrad zu ihrem Freizeitsport fahren. Die Eltern befürchten einen Zusammenstoß mit den Wildschweinen. Für Notfälle hatte Kleinmachnow eine Wildschwein-Notruf-Hotline eingerichtet, die es allerdings mittlerweile nicht mehr gibt. Auf ihrem Internetportal hat die Gemeinde unter dem Suchbegriff „Wildschwein-Info“ eine Seite mit Empfehlungen zusammengestellt, wie die Kleinmachnower zur Minimierung der Plage beitragen können.

Kommunen mit Sammlung überfordert

Wiederholt waren Kleinmachnow und Stahnsdorf auch von den Jagdpächtern aufgefordert worden, die Eicheln an den Straßenrändern beziehungsweise auf kommunalen Flächen schnell einzusammeln, um damit das Nahrungsangebot für die Wildschweine zu verringern. Doch so einfach scheint das nicht zu gehen. „Der Bauhof müsste zusätzliche Touren fahren, wofür wir zusätzliches Personal bräuchten“ zählt Kleinmachnows Sprecherin Martina Bellack neben den finanziellen Mehrkosten ein zweites Problem für ihre Gemeinde auf. Stahnsdorf hatte im vergangenen Jahr seine Einwohner zu einer großen Sammelaktion aufgerufen. Ob sie in diesem Jahr wiederholt wird, ist nicht bekannt.

Von Heinz Helwig

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