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Kleinmachnow Kleinmachnower Musiklehrerin spielt in Kinofilm „Crescendo“ mit
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19:42 06.02.2020
Noa Niv, Posaunenlehrerin in Kleinmachnow und Darstellerin im Film "Crescendo". Quelle: Konstanze Kobel-Höller
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Kleinmachnow

Wenn Noa Niv, die neue Posaunenlehrerin der Kleinmachnower Kreismusikschule, von dem Kinofilm „Crescendo“ spricht, in dem es um die Dynamiken in einem israelisch-palästinensischen Jugendorchester geht, wird sie leidenschaftlich. Es ist ihr wichtig, ganz genau zu vermitteln, was die Aussage der Geschichte ist, und sie achtet auf jedes Wort, das sie wählt. Das liegt nicht nur daran, dass sie eine Rolle als Posaunistin in dem dargestellten Orchester hatte, sondern auch daran, dass Niv in Israel geboren und aufgewachsen ist. Der Konflikt zwischen den beiden Völkern begleitet sie schon ein Leben lang und hat auch ihre berufliche Laufbahn beeinflusst.

Mit vier Jahren hat sie am isrealischen Konservatorium in Tel Aviv mit Musikunterricht begonnen, mit sieben Jahren startete der Blockflöten-Unterricht. „Obwohl ich schon mit sieben Jahren Trompete lernen wollte, aber da hieß es, ich sei zu jung.“ Mit zehn durfte sie dann endlich auf das verwandte Euphonium umsteigen, später kam die Bassposaune dazu, ein Orchesterinstrument. Gute Lehrer förderten sie und so wurde sie 2003 für das West-Eastern Divan Orchestra von Daniel Barenboim, Edward Said und Kauffmann in Berlin ausgewählt. Das Orchester besteht jeweils zur Hälfte aus israelischen und arabischen Musikern und setzt sich für friedliche Lösungen des Nahost-Konfliktes ein.

Drehbuchstudium im Bus

Niv hielt es länger in Berlin, machte ihr Diplom, spielt noch heute mit den Berliner Symphonikern, war an der Deutschen Oper engagiert, auch solistische Auftritte macht sie. „Mein musikalisches Profil ist sehr breit“, sagt sie. „Theater, moderne Musik, Jazz, Musical.“ Auf der Volksbühne macht sie auch erste schauspielerischen Erfahrungen. „Im Crescendo kam das dann alles zusammen.“

Musik gegen den Hass

Der Film CRESCENDO #makemusicnotwar handelt von einem Jugendorchester, in dem junge Israelis und Palästinenser gemeinsam musizieren.

Sie sollen bei Friedensverhandlungen zwischen beiden Ländern auftreten und so ein Zeichen gegen den Hass setzen.

Peter Simonischek spielt in dem Film den weltbekannten Dirigenten Eduard Sporck, der das bedeutende Konzert vorbereiten soll. Doch als Sohn zweiter NS-Ärzte ist sein ganzes Leben von den Taten seiner Eltern geprägt.

Mit den Proben machen sich auch Vorurteile und Misstrauen zwischen den beiden Gruppen breit. Die Situation eskaliert und es stellt sich die Frage, ob das Friedenskonzert zum Scheitern verurteilt ist.

Der Film wurde beim 25. Jüdischen Filmfestival Berlin & Brandenburg im September 2019 Gewinner der Auszeichnung „Bester Film mit jüdischer Thematik“. Zudem war er der Eröffnungsfilm des Festivals.

Über einen Bekannten wurde sie für den Film empfohlen, in dem Peter Simonischek die Hauptrolle spielt, doch als nach dem Casting wochenlang keine Antwort kam, hatte sie sich für die Zeit der Dreharbeiten schon andere Pläne gemacht. Ein Musikfestival in Österreich stand auf dem Programm. Schließlich kam die Zusage doch noch – während einer Japan-Tournee mit den Berliner Symphonikern. „Da hatte ich das schon abgeschrieben“, erinnert sie sich. Aufgrund der Überschwemmungen hatte das Team eine ungeplante 18-stündige Busfahrt auf sich zu nehmen. „Alle waren sauer – nur ich war froh, weil ich so Zeit hatte, das ganze Drehbuch zu lesen.“ Rückblickend ist Niv glücklich, sich doch für den Film und gegen das Festival entschieden zu haben: „Es war eine andere und erstmalige Erfahrung für mich. Ich bin sehr froh, dass ich es gemacht habe.“

Gleiche Voraussetzungen für alle

Die Konflikte zwischen den Jugendlichen, die in dem Film gezeigt werden, findet sie realistisch dargestellt. „Ich finde es interessant und wichtig, dass sie das zeigen“, betont sie. Der 39-Jährigen ist es wichtig, dass aufgezeigt wird, welche Hürden Menschen manchmal nehmen müssen, um an ihr Ziel zu gelangen und wie unterschiedlich Voraussetzungen sein können. Das bezieht Niv zum einen etwa auf arabische Musiker, die erst einmal durch Checkpoints müssen, um überhaupt zum Vorspiel zu gelangen, aber auch auf Frauen, die gerade bei den tiefen Blechbläsern noch immer ungerne genommen werden. „Das ist noch immer sehr männlich gestaltet.“ Immerhin hat sie selbst es geschafft, derzeit mit einem Zeitvertrag im Landespolizeiorchester Brandenburg beschäftigt zu sein.

Schlussszene des Films „Crescendo“ am Flughafen. Quelle: CCC Filmkunst /Christian Luedeke

In dem einen Monat Dreharbeiten für „Crescendo“ habe man sich sehr gut kennengelernt. Alle seien den ganzen Monat zusammen gewesen – Crew, Musiker und Schauspieler. „Und es stimmt, was im Film beschrieben wird: Dass man durch das Kennenlernen auch ganz neue Ideen hat.“ Die einzige Chance im Krisengebiet Naher Osten sei, miteinander zu leben – davon ist auch Niv überzeugt. Sie hält es wie Barenboim: „Knowledge ist he beginning“ – Wissen ist der Anfang: „Allen Menschen müssten die gleichen Möglichkeiten gegeben werden, in Freiheit zu leben, Kunst zu machen und sich zu bilden. Dieser Kampf ist jedenfalls keine Lösung.“ Wichtig sei auch, den Zusammenhang zwischen Kunst, Politik und dem Rest der Lebenswelt zu sehen. „Da muss ein Extrawert dahinter stehen.“

Einmal durch die Mauer

Sie selbst ist mit dem West-Eastern Divan Orchestra erstmals in ein palästinensisches Autonomiegebiet „durch die Mauer“ gefahren, um dort ein Konzert zu geben. „Das hat mich wirklich erschrocken. Ich glaube, dass viele gar nicht wissen, wie die Menschen in den besetzten Gebieten leben. Ich kann es mir gar nicht vorstellen, geboren zu werden und nicht die Möglichkeit zu haben, sich frei zu bewegen.“ Sie selbst liebt die arabische Mentalität, während der Drehpausen war sie besonders gerne mit arabischen Israelis unterwegs, erzählt sie.

Die Erfahrung am Set war spannend, doch das „echte“ Erlebnis sei das West-Eastern Divan Orchestra gewesen. „Das hat mir unglaublich viel gebracht.“ Musikmachen sei eine tolle Sache, die einen weiterbringt. „Das soll man allen Menschen zugänglich machen.“ Nun stehe sie jedenfalls aufgrund ihrer Erfahrungen an einem Punkt in ihrem Leben, wo sie mit vollem Herzen unterrichten könne.

Sehen Sie hier den Trailer zu dem Kinofilm „Crescendo“:

Von Konstanze Kobel-Höller

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