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Kleinmachnow Schüler simulieren Weltpolitik
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Schüler simulieren Weltpolitik
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01:16 26.01.2019
Im Plenarsaal im UNO-Gebäude  in Wien gestalteten die Delegationen aus den Schulen eine Konferenz nach.
Im Plenarsaal im UNO-Gebäude in Wien gestalteten die Delegationen aus den Schulen eine Konferenz nach. Quelle: MUNoV Presse Team
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Kleinmachnow

Während ihre Klassenkollegen über den letzten Semesterarbeiten brüteten, saßen sie in der UNO und übten sich in Weltpolitik: Sieben Schüler der Berlin Brandenburg International School (BBIS) aus Kleinmachnow waren kürzlich eingeladen, an der ersten Wiener „Model United Nations Office Vienna (MUNOV)“ teilzunehmen. Elf Schulen mit rund 150 Jugendlichen aus der ganzen Welt hatten sich eingefunden, um hier über Menschenrechte, Atomenergie oder Abrüstung zu debattieren, Resolutionen einzubringen und darüber abzustimmen.

Als erfolgreichste Abordnung stachen dabei die Kleinmachnower heraus, die in sechs von neun möglichen Komitees vertreten waren: Mit Fionula, Lucas, Linus (alle 17), Stella und Soheyla (beide 16) brachten sie gleich fünf Mal die Auszeichnung für den besten Delegierten oder die beste Delegierte nach Hause.

Die erfolgreichste Abordnung stellten die Kleinmachnower, die gleich fünf Mal die Auszeichnung als bester Delegierter beziehungsweise beste Delegierte mit nach Hause nehmen konnten. Quelle: LH

Cem (16) diskutierte im Menschenrechtskomitee über die verfolgten Rohingya, illegale Immigranten in den USA und die Todesstrafe. Da er Indonesien vertrat, musste er dafür eintreten – und da die Mehrheit der Länder in diesem Komitee konservativ war, wurde eine harte Resolution beschlossen: Allen Staaten wurde die Todesstrafe nicht nur empfohlen, sondern sogar, dass auch die Verwandten eines Täters mitbestraft werden dürfen. Das fand er kurios, erzählt der Türke, der dennoch begeistert ist, dass er sein politisches Englisch verbessern konnte.

Lucas, Deutscher und Brite, diskutierte für Kroatien über die Erhaltung der Donau. „Es gab keine große Uneinigkeit darüber, dass der Fluss gerettet werden muss“, sagt er, aber die Spannungen zwischen den Anrainerstaaten Slowenien und Kroatien seien deutlich geworden. Nächstes Jahr wird er in England Politik und Wirtschaft studieren und möchte dort nach Möglichkeit mit MUN weitermachen.

Simulation hatte auch humorvolle Momente

Linus konnte dagegen in der Atomenergiebehörde punkten, als er seine Resolution zum Iran-Deal ohne Änderung durchbekam. „Nur Indien hat dagegen gestimmt.“ Der Österreicher, der International Relations studieren möchte, ist der Routinierteste der Gruppe, hat sogar in Kanada und in New York an solchen Kongressen teilgenommen. Wie Stella vertrat er die Position Frankreichs. Die US-Österreicherin war jedoch mit sozialen Themen beschäftigt, musste detailliert erklären, wie sich Kinder bereits im Mutterleib an HIV anstecken können, als es um die Ausbreitung von sexuell übertragbaren Krankheiten in Afrika ging.

Wiener Schulen initiieren Simulation

Im Model United Nations (MUN) stellen Schüler oder Studenten die Arbeit der Vereinten Nationen nach. Das kann als AG an Schulen oder als Konferenz erfolgen. Daran nehmen Abordnungen mehrerer Schulen teil.

In Wien wurde die „Model United Nations Office Vienna“ (MUNoV) erstmals von der Vienna International School und der Danube International School in der UNO abgehalten. Die BBIS war eingeladen.

Zu den Gastrednern dieser Konferenz gehörten auch Jean-Luc Lemahieu von der United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC), die Botschafter von Malaysia, Kanada, Norwegen und Ägypten, eine Vertretung der nigerianischen Botschaft sowie der Chef des Protokolls aus Österreich, Enno Drofenik.

Im MUN werden dann auch die Strukturen der UNO nachempfunden. In Komitees diskutieren die Teilnehmer als Diplomaten eines meist fremden Landes weltpolitische Themen, verfassen und beschließen Resolutionen.

Doch nicht alles lief so todernst ab. So wurde etwa auch debattiert, ob Australien überhaupt existiert, abgestimmt, ob die Erde flach sei, und bewiesen, dass Barack Obama in Wirklichkeit eine Eidechse ist. Auszeichnungen gab es nicht nur für die besten Delegierten, sondern auch für das beste Outfit – hier landete Lizzie (18) auf Platz zwei –, und dafür, wer am ehesten einmal im Gefängnis landen oder einen Job bei der UNO ergattern wird. Letztere Urkunde durfte Fionula mit nach Kleinmachnow bringen. Gern erinnert sich die Gruppe auch an das Schnitzeldinner, bei dem sich im Laufe des Abends alle um ihren Tisch versammelten, erzählen sie – die BBIS-Schüler seien einfach die lustigste Gruppe gewesen.

Kleinmachnower kamen nicht unvorbereitet

Vorbereitet haben sich die Jugendlichen, indem sie schon Recherchen und Resolutionen in der Tasche hatten, als sie in Wien ankamen. Sie alle sind in der MUN-Schul-AG, die sich wöchentlich zu Mittag trifft und auch dort im Kleinen debattiert, was in der UNO im Großen gemacht wird: Weltpolitik. Auch wenn der Club von der Mathe-Lehrerin Jacqueline Jones Heinz betreut wird, so wird er doch rein von den Schülern betrieben, wie sie betont. Die Jugendlichen streben nicht nur nach weiteren Ausflügen – bisher waren nur MUNs in Berlin besucht worden –, sondern überlegen sogar, in näherer Zukunft selbst einen Kongress auszurichten.

Von Konstanze Kobel-Höller