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Kleinmachnow Zäune gegen Wildschweine
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Zäune gegen Wildschweine
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19:05 20.11.2018
Mit Zäunen kann man die Wildschweine in die Schranken weisen. Doch sie allein werden laut Experten als Schutz nicht reichen. Quelle: Gregor Fischer/DPA
Kleinmachnow

„Sobald es dunkel wird, suhlen sich des öfteren bis zu 20 Wildschweine auf dem Dorfplatz in Stahnsdorf und fühlen sich sauwohl“, berichtet eine Anwohnerin am Montagabend im Bürgersaal des Rathauses Kleinmachnow. Rund um den Stahnsdorfer Dorfteich sehe es schlimm aus. Die Hundebesitzerin geht den Schwarzkitteln dann lieber aus dem Weg, bevor Schlimmeres passiert. Auf Hunde reagieren die Wildtiere nämlich aggressiv, weiß die Stahnsdorferin.

Kleinmachnows SPD hatte den bekannten Biologen Professor Hans-Dieter Pfannenstiel von der Freien Universität in Berlin ins Kleinmachnower Rathaus eingeladen, um mit ihm und interessierten Einwohnern der Region Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf die Frage zu erörtern, wie sich die Grundstücksbesitzer am wirksamsten gegen einen Wildschweinangriff schützen können. Der volle Rathaussaal zeigte, wie wichtig offenkundig nicht nur den Kleinmachnowern dieses Thema war.

Für eine Einfriedungspflicht

„Wenn alle Grundstücke eingezäunt sind und alles Fressbare von öffentlichen Grünflächen beseitigt wird, könnte man den Ort vielleicht von der Wildschweinplage befreien“, lautet die Botschaft des Zoologen. Kleinmachnows SPD und die Wählervereinigung PRO Kleinmachnow fordern deswegen grundsätzlich eine Einfriedungspflicht für die Grundstücke und die Erhöhung der Abschussprämie. „Wir können das Problem nicht ignorieren oder mit Tierliebe verniedlichen und bagatellisieren“, sagen SPD-Fraktionsvorsitzender Bernd Bültermann und Gemeindevertreter Matthias Schubert. Zäune allein werden das Problem nicht lösen, ist ihnen ebenso klar.

Sie wollen sich auch dafür einsetzen, dass die Gemeindesatzung für die Siedlung Stolper Weg in Kleinmachnow geändert wird. Die Menschen müssten sich überall absichern können, auch in diesem Viertel, in dem Vorgärten nicht eingezäunt werden dürfen. Tagsüber sehe man die Tiere nicht, sie verstecken sich in der Nachbarschaft auf nicht eingezäunten Grundstücken oder auf öffentlichen Grünflächen.

Kleinmachnows Gemeindevertreter Matthias Schubert (SPD) und Biologe Hans-Dieter Pfannenstiel (v. l.) nach der Informationsveranstaltung bei einem Gespräch mit Kleinmachnowerinnen über den Schutz vor den Wildschweinen. Quelle: Gesine Michalsky

Die milden Winter der vergangenen Jahre und die stark gestiegenen Mais-Anbauflächen seien Schuld an der Zunahme der Wildschweine, erklärt Pfannenstiel. Der Nachwuchs wird im Winter nicht mehr dezimiert. Das Nahrungsangebot reiche für immer mehr Tiere. Die schlauen Schweine erobern sich mit ihren mehr als sechs Millionen Riechrezeptoren im Rüssel Habitate, in denen es Wasser, Wald und Gebüsch gibt – wie beispielsweise in Stahnsdorf und Kleinmachnow. „Das ist ein Paradies für die sehr standorttreuen Tiere, die sich bestens anpassen können.“ Bei einer Vermehrung um bis zu 300 Prozent im Jahr werden aus zehn Sauen schnell mal 40 Tiere.

„Frischlinge schießen ist das Gebot der Stunde“, proklamiert der passionierte Jäger Pfannenstiel. Doch Schießen im Ort sei meist ein Problem und auch der Tierschutz würde schnelle Lösungen erschweren, räumt Pfannenstiel ein.

Abschusszahlen sind gestiegen

Bundesweit haben die Jäger in der Saison 2016/2017 einen neuen Rekord beim Abschuss von Wildschweinen aufgestellt. Sie erlegten in dieser Zeit 836 885 Tiere. In der Saison 1957/1958 brachten sie dagegen nur 26 665 Schwarzkittel zur Strecke.

In Brandenburg erlegten die Jäger in der vergangenen Saison in ihren Jagdrevieren landesweit insgesamt 89 819 Wildschweine.

In Kleinmachnow und in Stahnsdorf erlegten die Jagdpächter Jörg Fenske und Peter Hemmerden in der Vorsaison 100 Wildschweine.

Zäune seien nicht die endgültige Lösung, meinen auch die meisten Besucher der Veranstaltung. Sie bezweifeln, dass die Gemeinde ernsthaft die herumziehenden Rotten daran hindern wolle, sich im Ort heimisch zu fühlen. Angst vor den 70 bis 80 Kilogramm schweren Tieren habe man immer, sagen sie. Kleinmachnows Ordnungsamtsleiterin Soi Leissner widerspricht: „Wir haben stark mit Tierschützern zu kämpfen.“

Die Hochsitze würden angesägt, sodass sie unter den Jägern zusammenbrechen. Tierschützer boykottieren die Sammeljagd auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof, indem sie die Zäune aufschneiden, um die Tiere zu befreien. Nachtbildkameras haben Vermummte dabei sogar gefilmt. Mit Tierliebe habe das nichts zu tun. Auch auf dem Dorfplatz in Stahnsdorf könne durchaus gejagt werden, wenn die Anwohner rechtzeitig informiert sind, ist Pfannenstiel überzeugt. Die Stahnsdorfer Hundehalterin nahm es dankbar zur Kenntnis.

Von Gesine Michalsky

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