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Kleinmachnow Nächste Wildtier-Plage: Jetzt kommen die Waschbären
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Nächste Wildtier-Plage: Jetzt kommen die Waschbären
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11:03 06.08.2019
Waschbären sehen putzig aus, richten aber großen Schaden an. Die eingewanderten Tiere haben in Deutschland keine natürlichen Feinde. Quelle: Peter Steffen/DPA
Kleinmachnow

Drei Waschbären, die über eine Dachluke in ein Haus einsteigen – das Foto, das Jagdpächter Peter Hemmerden von einem Kleinmachnower zugeschickt bekommen hat, zeigt etwas auf, was derzeit noch unterschätzt wird: Die Waschbären erobern Brandenburg. Putzige Tierchen, die aber laut Hemmerden bereits ein großes Problem sind.

„Sie leben überall – vom Wald bis in Ihrem Schuppen.“ Auch Kaminschächte werden als Schlaf- oder Wurfplätze zweckentfremdet, was hohe Schäden verursachen kann. Sie zerstören Dämmmaterialien, räumen Mülleimer leer und verursachen durch ihre Vorliebe für Obst und Getreide auch durch Fraßschäden und Ernteverluste.

Vor mehr als 70 Jahren ins Land gebracht

Eine viel größere Gefahr sind sie aber für andere Tiere: Sie fressen Nester von Vögeln oder auch der in Brandenburg noch vorkommenden Europäischen Sumpfschildkröte leer, fangen Fische aus Teichen und verursachen Verluste bei Fledermäusen und gefährdeten Amphibienarten wie etwa der Gelbbauchunke. Sogar als Fressfeind von Greifvögeln und des Graureihers wurde er ausgemacht.

Der Grund, weshalb Waschbären so großen Schaden anrichten können: Sie gehören zu den eingewanderten Tierarten und haben daher keinen natürlichen Feind. Waschbären wurden vor mehr als 70 Jahren als wertvoller Pelzträger aus Nordamerika nach Deutschland gebracht.

Durch Aussetzungen und Ausbrüche gelangten sie in Freiheit und konnten so stabile Populationen vor allem in Hessen und Brandenburg aufbauen. Die brandenburgische Population hatte ihren Ursprung vermutlich auf einer Pelztierfarm in Wolfshagen bei Strausberg, wo in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs rund 25 Waschbären entkamen.

Zahl der erlegten Waschbären steigt

Heute leben Tausende von ihnen in Brandenburg, und einmal öfter ist man sich nicht einig, wie man die Population kontrollieren soll. Die von Tierschützern aufgebrachte Idee, die Tiere zu kastrieren, hält Hemmerden jedenfalls nicht für nachhaltig. Nur eine intensive Bejagung könne helfen – das ist ganzjährig mittels Lebendfallen oder mit der Schusswaffe erlaubt. „Vor 15 Jahren haben wir nicht einen Waschbären erlegt, mittlerweile sind es mehr als Füchse. Voriges Jahr waren es sechs oder sieben.“

Für Jagdpächter Peter Hemmerden (r.) kann nur eine intensive Bejagung der Tiere das Problem lösen. Quelle: Gesine Michalsky

Doch Hemmerdens Zahlen sind nur der Gipfel des Eisberges, die Statistik des brandenburgischen Landwirtschaftsministeriums (MLUL) lassen das Problem erahnen: Seit Mitte der 1990er Jahre steigt die Zahl der erlegten Waschbären, also die Jagdstrecke. Allein im Jagdjahr 2017/18 wurden in Brandenburg 35 785 dieser Tiere erlegt.

Nur sechs Jahre davor waren es noch unter 15 000, im Jagdjahr 2006/07 nur etwa 5000 Waschbären. Innerhalb von nur elf Jahren stieg die Zahl der erlegten Tiere damit um mehr als das Siebenfache. Im Landkreis Potsdam-Mittelmark sind die Zahlen ähnlich eindrucksvoll: 2013/14 waren es noch 431 Waschbären, 2018/19 schon 1982 dieser Tiere, die erfolgreich gejagt wurden – also die 4,5-fache Menge nach fünf Jahren.

Jagdpächter bekommt viele Anfragen

In Gesprächen Hemmerdens mit der Bevölkerung spiegelt sich die Plage wider: „Es gibt viele Anfragen, ob wir Fallen aufstellen könnten – so viele haben wir gar nicht, nur vier oder fünf.“ In ihrer Verzweiflung greifen Betroffene dann schon einmal zu eigenen Maßnahmen. Zu „Straftatbeständen“, wie Hemmerden sagt, wenn er erzählt, dass an einem Stahnsdorfer Feldrand zwei Waschbären-Babys ausgesetzt wurden. „Die können ohne ihre Mutter nicht überleben und wären elendig zugrunde gegangen.“

Die beiden wurden vom Potsdamer Tierschutz übernommen. „Da sieht man, dass die Leute nach Lösungen suchen. Sie wissen sich nicht anders zu helfen.“ Es würde ihn nicht wundern, wen jemand zum Luft- oder Kleinkalibergewehr greift, um sich die Wildtiere vom Hals zu halten, sagt er – und liegt mit seiner Befürchtung wohl nahe an der Realität. Denn Hemmerden hat bereits im Fell eines selbst erlegten Wildschweines ein Diabolo entdeckt – ein Projektil eines Luftgewehrs.

Wölfe bedrohen den „Speckgürtel“ nicht

Keine Gefahr stellen unterdessen Wölfe im Berliner „Speckgürtel“ dar. „Der Wolf wurde nach unserer Kenntnis bislang nur außerhalb des Berliner Autobahnrings gesichtet. Das ist gut so, auch wenn er der einzige natürliche Feind des Wildschweins ist“, so Stephan Reitzig, Stahnsdorfs Pressesprecher.

Thomas Frey vom Landesamt für Umwelt macht die Ringautobahn dafür verantwortlich, die praktisch unüberwindbar für die Wölfe sei. Das wäre immer wieder an überfahrenen Tieren zu erkennen. Jeder Verdacht werde außerdem mittels eines umfangreichen Fragebogens genau überprüft, die bisherigen Sichtungen hätten sich üblicherweise als Hunde entpuppt.

Der Wolf wurde bislang nur außerhalb des Berliner Autobahnrings gesichtet. Der sei für die Tiere praktisch unüberwindbar, heißt es aus dem Landesumweltamt. Quelle: Partrick Pleul/DPA

Derzeit sei der Wolf rund 25 bis 30 Kilometer von Stahnsdorf entfernt, sagt auch Hemmerden. „Es ist aber nicht auszuschließen, dass er umsiedelt, denn er folgt dem Nahrungsangebot.“ Rund ein Fünftel der Wolfsnahrung sind nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2014 Wildschwein-Frischlinge, so das genannte Landwirtschaftsministerium.

Wolf und Waschbär

Waschbären gehören zu den invasiven Tierarten. Das bedeutet, dass sie eigentlich nicht heimisch sind. Aus diesem Grund haben sie keinen natürlichen Feind in Deutschland, unterliegen aber auch nicht dem Jagdschutz. Sie können ganzjährig unter Beachtung der gesetzlichen Regelungen gejagt werden.

Wegen ihres Pelzes wurden sie vor mehr als 70 Jahren aus Nordamerika eingeführt. Durch bewusste Freisetzungen, aber auch durch Ausbrüche aus Pelzfarmen konnten sich die Waschbären in der freien Natur vermehren.

In Deutschland kommen sie besonders in Hessen und in Brandenburg vor.

Wie das Schwarzwild werden sie unter anderem durch unbewusste Fütterung angelockt.

Im Land Brandenburg wird in diesem Jagdjahr von 38 Wolfsrudeln ausgegangen, die alle außerhalb der Ringautobahn zu finden sind. In diesem Kalenderjahr sind schon 15 Wölfe im Verkehr gestorben – hauptsächlich im Abschnitt vom Autobahnkreuz Potsdam bis zur Abfahrt Ferch auf der A 10.

Wölfe unterliegen dem Naturschutzrecht, sie dürfen daher nicht gejagt werden. Dennoch wurden 2019 schon drei Wölfe erschossen.

Begegnet man einem Wolf, soll man Respekt zeigen. Man soll sich ruhig verhalten, nicht hastig davonlaufen, Abstand halten, ihn nicht anlocken, sich ihm nicht nähern und ihn nicht bedrängen.

Dennoch setzt sich Hemmerden schon einmal mit der Frage auseinander: „Wie viel Wolf verträgt Deutschland und wie viele gewisse Gebiete?“ Auch wenn er selbst keine Wölfe schießen möchte, weil sie ihm Hunden zu ähnlich sind, sieht er ihre Aufnahme ins Jagdrecht als alternativlos. Wer Weidewirtschaft haben wolle, müsse die Wolfspopulation regulieren, ist der Jagdpächter überzeugt.

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Von Konstanze Kobel-Höller

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