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Kleinmachnow Update: Vermisster Stahnsdorfer Rentner tot geborgen
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow

Stahnsdorf: Vermisster Rentner Andreas S. tot aus Teltowkanal geborgen

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09:27 22.02.2021
Die Suche nach dem Stahnsdorfer Rentner wurde beendet.
Die Suche nach dem Stahnsdorfer Rentner wurde beendet. Quelle: Smileus - Fotolia
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Stahnsdorf

Seit Montagabend wurde der Stahnsdorfer Rentner Andreas S. (68) vermisst. Am Samstag wurde er nun gefunden, sein lebloser Körper wurde er aus dem Teltowkanal geborgen. Nun könne die Familie von ihm Abschied nehmen, so seine Schwiegertochter Maria Laule.

Montag, gegen 20 Uhr sei Andreas S. nach einem Streit aus dem Haus gegangen, hatte sie zuvor der MAZ erzählt. Seine Frau habe nachts bemerkt, dass seine Gartenjacke nicht an ihrem Platz war, die er sich immer überzieht, wenn er eine Zigarette im Freien raucht. Als ihr morgens auffiel, dass er nicht zurückgekehrt war, versuchte sie, ihn an seinem Handy anzurufen – doch es klingelte in einer anderen Jackentasche, im Haus. Auch Schlüssel, Papiere und Krankenkassenkarte hatte der Rentner zurückgelassen.

Der Gesuchte hatte dreimal Krebs

Renate S. schlug Alarm, kontaktiere ihren Sohn und ihre Schwiegertochter. Bei der Polizei gab es zunächst die Auskunft, sie müsse mit einer Meldung noch bis zum Abend warten, weil es sich ja um einen Erwachsenen handle, erzählte Laule. Gemeinsam ging die Familie nach Ablauf der Frist zur Wache, wo dann aufgrund von Corona nur die Ehefrau eingelassen wurde. „Vielleicht hat sie es nicht dramatisch genug geschildert“, so die Schwiegertochter, „aber sie wurde nur angehört, nicht einmal ein Vorgang wurde angelegt.“

Am nächsten Tag habe sie in Berlin die Auskunft bekommen, dass ihr Schwiegervater eigentlich sofort zur Fahndung ausgerufen werden hätte sollen – schon alleine, weil bei ihm die Gefahr eines Suizids bestanden habe. Andreas S. hatte schon mehrere Schicksalsschläge hinter sich, er habe drei verschiedene Krebsarten überstanden, erzählte Laule, darunter auch Zungenkrebs. Während der Chemotherapien habe er schon Selbstmordgedanken geäußert. Freitag sei ein Arzttermin gewesen, derzeit sei er krebsfrei gewesen, es gebe keine akute Diagnose. Das Thema sei also vom Tisch gewesen. Durch die damit zusammenhängende Operation habe er aber nicht mehr deutlich sprechen können, er würde verwaschen reden und sei deswegen auch schon „blöd angesprochen“ worden.

Andreas S. bastelte – Feenlandschaften und Spielzeugställe

Ansonsten sei er der Typ „harte Schale, weicher Kern“ gewesen. Der Garten, in dem er gerne arbeitete, würde aussehen, wie bei „Schöner Wohnen“. Und Andreas S. bastelte gerne. Früher habe er eine große elektrische Eisenbahn gehabt, dann Feenlandschaften oder Ställe für die Spielzeugpferde seiner Enkelin gebaut. Er ging viel spazieren und sammelte dabei auch Pilze, eine „große“ und eine „kleine“ Runde gab es dabei in der Gegend seines Zuhauses nahe des Südwestkirchhofes und des Wilmersdorfer Waldfriedhofes, wobei er nie in die Friedhöfe gegangen wäre, so Laule. Dafür sei er einfach nicht der Typ gewesen.

„Mittwoch Vormittag ging dann die Maschinerie los“, erzählte sie weiter. Die Polizei sei bei Renate S. und bei ihnen gewesen, mit einem Hubschrauber und Hunden wurde gesucht. Diese fanden auch Spuren, doch es war nicht klar, ob sie nicht alt waren. Ein Zeuge meldete sich schließlich, er habe Andreas S. Montagabend gegen halb neun Uhr an der Bahnhofstraße, Ecke Alte Potsdamer Landstraße gesehen – das würde auch zeitlich passen. Die Familie suchte tagelang die Gegend ab. Am Samstag wurde es dann traurige Gewissheit.

Von Konstanze Kobel-Höller