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Kleinmachnow Kommunalwahl verschiebt das Machtgefüge in der TKS-Region
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19:11 27.05.2019
Kommunalwahl 2019, Stahnsdorf, letzter Wahlzettel Quelle: Konstanze Kobel-Hoeller
Region Teltow

Die letzte gezählte Stimme der Wahl im Mai 2019 im Landkreis Potsdam-Mittelmark ging an Ines Schröder-Blohm von der CDU. Gezählt wurde sie am Montag um 8.23 Uhr im Briefwahlbüro II im Gemeindehaus Stahnsdorf, nachdem die Wahlhelfer bereits seit 18 Stunden über den Wahlzetteln gesessen hatten.

Die letzte ausgezählte Stimme der Kommunalwahl in der Region ging an. Ines Schröder-Blohm, CDU-Vorsitzende in Stahnsdorf. Quelle: Konstanze Kobel-Höller

Am Ende gab es schließlich noch eine kleine Sensation: Die Grünen mussten ihren fünften Sitz in der Stahnsdorfer Gemeindevertretung an die FDP abgeben. Die neuen Stimmen setzten Christian Kümpel an die Spitze, der bis dahin davon ausgehen musste, keine Chance mehr auf aktive Politik zu haben – hatte er doch auch seinen Kreistagssitz verloren. So verwies er jedoch Ortsverbandschef Hans-Jürgen Klein auf Platz zwei. Kümpel hatte vorige Woche angekündigt, wegen Differenzen den Ortsverband verlassen und dem Kreisverband beitreten zu wollen, Klein hatte ebenfalls keine Arbeitsbasis mehr gesehen. Nun ist Kümpel versöhnlich: „Wir haben die Chance, eine Fraktion zu bilden, die müssen wir wahrnehmen. Das darf ich nicht versauen, dazu habe ich nicht das Recht.“

Klein wollte sich gestern nicht dazu äußern, sondern verwies auf den Vorstand, der über die künftige Ausrichtung der FDP beraten will. Kümpel hat jedenfalls schon Ziele, er möchte eine Rathausmehrheit finden. „Wir brauchen eine zuverlässige Politik, die auch berücksichtigt, wo wir finanziell stehen. Die unabhängig ist von Zufallsmehrheiten.“

Mehrheit für Feuerwache in der Stahnsdorfer Annastraße

Eine Rathausmehrheit möchte auch Gerold Maelzer von Bürger für Bürger erreichen. Seine Wählergemeinschaft konnte nicht nur einen Sitz zulegen, sondern auch in allen Wahllokalen, außer in den Ortsteilen, den Sieg davontragen. Das sieht er als klaren Auftrag: „Auf jeden Fall kommt die Feuerwache in der Annastraße“, stellt er klar, „und die Wahlverlierer, die ja deutlich zu definieren sind, sollten das Ergebnis endlich akzeptieren und den Bürgerwillen umsetzen.“ Er ist sich einer klaren Mehrheit für den umstrittenen Standort neben dem Gemeindezentrum sicher – auch ohne Unterstützung der AfD, die erstmals mit zwei Sitzen in Stahnsdorf vertreten sein wird und sich ebenfalls für die Annastraße ausgesprochen hat.

Thomas Michel, dessen Bündnisgrünen sich in Stahnsdorf immerhin verdoppeln konnten, hat schon einen klaren Plan: Die benötigte Bebauungsplan-Änderung, die im Mai beschlossen wurde, werde ohnehin bereits im Juni öffentlich ausgelegt. Im September gehe die Feuerwehr dann durch die Ausschüsse, im November steht dann der Satzungsbeschluss auf dem Programm und im Dezember ist dann der erste Bauantrag möglich.

Piratenpartei verliert Mandate in Teltow und Kleinmachnow

Nirgends war die Wahl so weichenstellend wie in Stahnsdorf – geändert hat sich aber in allen Kommunen der Region einiges. So haben etwa die Parteipiraten sowohl in Teltow als auch in Kleinmachnow den Einzug in die kommunale Vertretung nicht wieder geschafft – Jeannette Paech (Teltow) darf sich aber über einen Platz im Kreistag freuen. Ebenfalls nicht wiedergewählt wurde unter anderem Viktoria Brammer (parteilos) in Kleinmachnow: „Das finde ich schade, schon ein bisschen traurig. Aber dann muss ich mich auf meine anderen Sachen stürzen.“

Auch Rosemarie Kaersten (Linke) aus Stahnsdorf hat die Wiederwahl nicht geschafft. Sie verspricht: „Ich werde immer ehrenamtlich tätig sein. Es gibt viele Dinge, die ich tun kann.“ Um Marc Bomhoff (SPD) in Teltow tut es SPD-Mann Sebastian Rüter sehr leid. „Er war sehr engagiert, das ist auch für die Fraktion sehr schade.“ In Kleinmachnow hat es Thomas Singer (Linke) nicht wieder in den Kreistag geschafft, auch sein Parteikollege Harald Mushack aus Stahnsdorf muss darauf erst einmal verzichten.

Kleinmachnower Gemeindevertretung mit weiblicher Mehrheit

Die Wählergemeinschaft GUT für Teltow, die sich erst kürzlich von den Teltower Bündnis’90/Grünen abgespaltet hat und seitdem mit zwei Vertretern in der Stadtverordnetenversammlung war, konnte einen Sitz halten – Eberhard Adenstedt. Die Bündnisgrünen zogen mit fünf Mitgliedern quasi neu in das Stadtparlament ein, darunter nur ein Mann. Mit Meike Emmendörfer und der 23-jährigem Anna Sophie Emmendörfer findet sich dort ein Mutter-Tochter-Gespann, Meike Emmendörfer hat es außerdem auf Anhieb in den Kreistag geschafft. Ehemann und Vater Martin Emmendörfer hofft auf eine Beteiligung als sachkundiger Einwohner.

Teltow ist mit zwölf Frauen bei 31 Stadtverordneten schon recht weiblich – doch Kleinmachnow kann das noch überbieten: Hier wurden 14 Bewerberinnen in die Gemeindevertretung gewählt – damit bilden sie bei 27 Sitzen die Mehrheit. Die Stahnsdorfer haben dagegen nur sechs Frauen in ihr Rathaus gewählt, bei 28 Plätzen.

AfD kann nicht alle Mandate besetzen

In allen drei Kommunen wurden die Grünen gestärkt. In Kleinmachnow gingen sie mit 24,6 Prozent als klare Sieger aus der Kommunalwahl hervor. „Ich bin überrascht und freue mich“, kommentiert Andrea Schwarzkopf die Ergebnisse. „Ich glaube, die Europawahl hat sich positiv auf die Kreistags- und die Kommunalwahl ausgewirkt. Es war eine Klimawahl und alle Parteien sind aufgesprungen, aber die Wähler sehen diese Kompetenz vor allem bei den Grünen.“ In Teltow konnten die Bündnisgrünen 16,8 Prozent und GUT für Teltow 3,5 Prozent erreichen, in Stahnsdorf kamen die Grünen auf 15,7 Prozent. Hier gibt sich Michel selbstkritisch: „Besser geht immer.“ Er hatte die 20-Prozent-Marke im Blick.

Ebenfalls in allen drei Kommunen wurde die AfD mit mindestens zwei Sitzen gewählt. Hier tritt jedoch eine kuriose Situation auf: Sowohl in Teltow als auch in Kleinmachnow ist die AfD nicht mit genügend Kandidaten angetreten, um die Sitze zu belegen – in beiden Kommunen bleibt jetzt je ein Platz frei.

Von Konstanze Kobel-Höller

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