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Kleinmachnow Wildschweinjagd: Expertin verteidigt Einsatz von Schalldämpfern
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Wildschweinjagd: Expertin verteidigt Einsatz von Schalldämpfern
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21:16 24.06.2019
Jäger mit Gewehr und Schalldämpfer Quelle: Jagdverband Brandenburg
Stahnsdorf/Kleinmachnow

Auf der Suche nach Alternativen bei der Wildschweinjagd in den Siedlungsgebieten von Stahnsdorf und Kleinmachnow wird nun über modifizierte Munition und Schalldämpfer nachgedacht. „Das wird zu überlegen sein“, bestätigte Jagdreferentin Julia Götze vom brandenburgischen Landwirtschaftsministerium gestern gegenüber der MAZ. „Der bisherige Ansatz war ja die Jagd mit Pfeil und Bogen, da haben wir unsere ganze Energie reingesteckt. Jetzt müssen wir einen neuen Anfang machen.“

Jagd nur in den Randgebieten

Selbst mit modifizierter Munition könne man in Stahnsdorf und Kleinmachnow aber wahrscheinlich nur in den nördlichen und südlichen Randgebieten jagen. „In einer ein bis zwei Hektar großen Anlage in Berlin zu schießen, ist etwas ganz anderes als in einem kleinen Park in Kleinmachnow, wo man in 20 bis 30 Meter Entfernung rundherum überall Häuser stehen hat.“ Es müsse immer die Um- und Hinterlandgefährdung berücksichtigt werden.

Unklar ist, welche Munition verwendet werden soll

Bei dem Thema der Munition stehe man zudem noch ganz am Anfang, erst müsse recherchiert werden, was möglich sei – so gibt es etwa Geschosse, die kürzer als herkömmliche Jagdmunition fliegt, oder solche, die im Tierkörper zerfallen –, und dann müsse man diese eventuell anfertigen lassen. „Oder vielleicht auch Munition nutzen, die es schon für andere Einsätze gibt.“

Demonstration einer Jagdwaffe mit Schalldämpfer. Gehen die Jäger künftig mit dieser Technik auf Wildschweinjagd in Stahnsdorf und Kleinmachnow? Quelle: dpa

Auf jeden Fall seien dafür personengebundene Sondergenehmigungen nötig – wie im Übrigen auch für die Verwendung von Schalldämpfern. Letztere hätten den Vorteil, dass nicht nur die Bewohner sich weniger erschrecken würden, sondern auch die Wildschweine, sodass diese nicht panikartig etwa auf die nächste Straße laufen würden. Die notwendigen Genehmigungen sollten jedoch auf jeden Fall noch in diesem Jahr ausgestellt werden, sagt Götze bestimmt, „es muss ja etwas passieren! Jedes Schwein, das einen Garten mehr umgräbt, ist eines zu viel.“

21. Februar: Die Gemeindevertreter von Stahnsdorf stimmen dafür, einen Gemeindejäger einzustellen.

1. März: Fachleute beraten in Kleinmachnow über die Jagd auf Wildschweine in Siedlungsgebieten – mit Fallen oder mit Pfeil und Bogen. Stahnsdorfs Jagdpächter Peter Hemmerden beantragt beim Land eine Ausnahmegenehmigung für die Bogenjagd.

11. März: Das Bundeslandwirtschaftsministerium spricht sich gegen die Bogenjagd aus.

12. März: Beim MAZ-Talk in Kleinmachnow diskutieren Einwohner über die Wildschweinplage und mögliche Jagdmethoden.

13. März: Das Agrarministerium kündigt an, eine Ausnahmegenehmigung für die Bogenjagd zu erteilen.

30. Mai: Der Landestierschutzverband kündigt an, Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) anzuzeigen, wenn die Bogenjagd zugelassen würde.

1. Juni: Der Bundesjagdverband tagt in Berlin und sieht die Bogenjagd sehr kritisch.

5. Juni: Das Agrarministerium lehnt den Stahnsdorfer Antrag auf Bogenjagd ab. Grund: Es fehlt eine wissenschaftliche Begleitung.

24. Juni: Das Agrarministerium bringt die Jagd mit Spezialmunition und Schalldämpfer als ernsthafte Alternative ins Spiel.

Es gelte nun einfach, mit der neuen Situation möglichst gut klar zu kommen, so der Jagdpächter Peter Hemmerden, der bereits mit Schalldämpfer jagt: „Mit neuer Situation meine ich: Die Bogenjagd ist vom Tisch. Das ist schade, aber ich akzeptiere es. Jetzt müssen wir sehen, wie wir mit den bisherigen Methoden klarkommen.“ Hemmerden spricht von einem guten Gespräch, das mit der Jagdbehörde geführt wurde. Dabei sei auch erneut über die Bogenjagd gesprochen worden.

Bogenjagd nicht ohne wissenschaftliche Begleitung

Es sei glaubwürdig versichert worden, dass das Ministerium nicht negativ eingestellt gewesen wäre und es auch keine politische Einflussnahme gegeben hätte, sondern dass die Ablehnung tatsächlich daran gelegen habe, dass sich keine wissenschaftliche Begleitung gefunden habe. Diese wäre aber unbedingt nötig gewesen, auch aus seiner Sicht. Nun wird sich Hemmerden demnächst mit Egbert Gleich von der Wildökologischen Forschungsstelle Eberswalde treffen, um weitere Schritte zu besprechen. Götze bestätigt, dass die beiden gemeinsam die Ortslagen besichtigen und diskutieren sollen, wo die Tiere sich aufhalten und wie man sie dort am besten jagen kann.

Bürger dürfen Wildschweine nicht anlocken

Hemmerden verweist auf einen weiteren Aspekt: „Wir reden immer über die Jagd – es muss aber auch an den Ursachen gearbeitet werden. Auch auf die einzelnen Bürger und die Gemeinden kommt Verantwortung zu.“ Es ginge darum, den Wildschweinen das Leben in den Ortslagen möglichst unangenehm zu machen, ihnen dort die Lebensgrundlagen zu entziehen. „Und dann müssen sie auch draußen bleiben.“

Gegend für Wildschweine unattraktiv machen

Auch Götze betont, dass es etwa eine Möglichkeit sei, die Kompartimente, in denen die Tiere leben können, immer kleiner zu machen. „Man muss die Leute sensibilisieren, dass diese Tiere und besiedelter Raum sich auf lange Zeit nicht konfliktfrei vertragen.“ So könnte man etwa die Lieblingsstellen der Wildschweine so umgestalten, dass sie nicht mehr attraktiv wären, etwa einfrieden, auch Bebauung wäre eine Möglichkeit. „Wenn das Tier kein Habitat mehr hat, wo es fressen, schlafen oder sich suhlen kann, ist der Ort nicht mehr interessant.“

Götze hofft, dass man damit der Lösung näherkommt. „Das ist ganz, ganz wichtig.“ Wildschweine im urbanen Raum seien ein eigenes Thema – bei dem man auch unbedingt die Menschen mitnehmen müsse.

Von Konstanze Kobel-Höller

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