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Kloster Lehnin Internierungslager für Bürgerrechtler: Andreas Kuhnert stand ’89 auf der Liste
Lokales Potsdam-Mittelmark Kloster Lehnin Internierungslager für Bürgerrechtler: Andreas Kuhnert stand ’89 auf der Liste
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08:41 20.10.2019
Andreas Kuhnert nach einem Jugendtag 1988. Quelle: privat
Netzen

Für den langjährigen früheren Brandenburger Landtagsabgeordneten und damaligen Bürgerrechtler Andreas Kuhnert aus Lehnin bringt dieser Herbst 2019 Erinnerungen an das Wendejahr vor 30 Jahren. Kuhnert war zu DDR-Zeiten streng von der Stasi bewacht. Sein Name stand auf der Internierungsliste mit all jenen, die bei Unruhen während der letzten Atemzüge der DDR in Gewahrsam genommen werden sollten. Knapp 90.000 Menschen sollten dort an dem von den Machthabern gefürchteten Tag X in streng bewachten Lagern isoliert werden von der Bevölkerung.

Der SPD-Politiker und frühere Bürgerrechtler Andreas Kuhnert sollte in der Zeit vor der Wende mit Tausenden verhaftet werden. Sein Name stand auf der Internierungsliste. Für die MAZ hat Kuhnert seine Erinnerungen an damals notiert.

Im Schaukasten der Evangelischen Kirchengemeinde Netzen, deren Pfarrer Kuhnert damals war, hingen öfter Zettel mit Texten aus dem Neuen Forum. Die Sicherheitsbehörden werteten das als „verleumderischen Inhalt gegen die sozialistische Gesellschaftsordnung“. Kuhnert wurde in die Abteilung Inneres zitiert. Das geht aus der zehn Jahre alten Chronik zur Wendezeit von Ralf-Stephan Rabe.

Aktiv im Neuen Forum

Andreas Kuhnert war aktiv in der Bürgerrechtsbewegung Neues Forum und bei Demokratie Jetzt. Er beschreibt sich im Rückblick als „aufrechten Oppositionellen“, als solcher sei er in der Region bekannt gewesen. Der gebürtige Chemnitzer saß mit am Runden Tisch des Kreises Brandenburg und zählt zu den Mitbegründern der SPD im Altkreis Brandenburg. 25 Jahre lang saß Andreas Kuhnert später für die Sozialdemokraten im Brandenburger Landtag. Viele Jahre bis zu den jüngsten Kommunalwahlen leitete Kuhnert auch die Gemeindevertreterversammlung von Kloster Lehnin. Heute ist er dort weiterhin Mitglied.

Für die MAZ hat der heute 68-Jährige seine Gedanken an die Wendezeit notiert.

„Am 8. Oktober 1989 saß ich spät abends noch an meinem Schreibtisch, um Dinge zu ordnen. Da klopfte es heftig an die Haustür. Ich ging nach vorn und fragte durch die geschlossene Tür, wer da sei, und welches Anliegen man habe. Bausoldaten aus Rädel, war die etwas keuchende Antwort“, erinnert sich Kuhnert. Die Bausoldaten hätten eine wichtige Nachricht für ihn gehabt. „Den morgigen Tag in Leipzig betreffend.“ Der folgende Tag, das war der 9. Oktober 1989. Es war die Montagsdemonstration, die einen Monat vor dem Mauerfall der Wende den Weg bereitete.

Bausoldaten appellieren an den Pfarrer

Bausoldaten – das war ein Dienst für die Nationale Volksarmee für jene Männer, die den Kriegsdienst an der Waffe ablehnten. Wer Bausoldat war, musste für seinen Berufsweg später mit Repressalien rechnen.

Diese Männer nun standen vor Kuhnert mit einer Nachricht. „Die Fallschirmjäger seien nach Leipzig befohlen worden, um am 9. Oktober dort eingesetzt zu werden.“ Die beiden Bausoldaten appellierten an Kuhnert, dieser möge die Leipzig anrufen, vor der Gefahr warnen und die Bürgerrechtler zur absoluten Gewaltlosigkeit ermahnen.

„Ich setzte mich ans Telefon und rief einen Kollegen an, den ich kannte, und trug ihm das Berichtete vor.“ Der Mann versicherte Kuhnert, die Nachricht der Bausoldaten sofort an die führenden Köpfe der Montags-Demo weiterzuleiten.

Signal zur Friedlichen Revolution

„Gegen die 70.000 Demonstranten am 9. Oktober war wohl die Staatsmacht machtlos. Oder sie hatte ein Einsehen, dass ein Blutbad keine Lösung sein konnte“, schreibt Kuhnert in seinen Erinnerungen. „Vielleicht wussten die durch die Stasi gut informierten Staatsdiener ohnehin, dass die marode DDR nicht mehr zu halten sein würde. Schon gar nicht ohne die Unterstützung der Sowjetunion. Der 9. Oktober in Leipzig verlief friedlich und wurde zu dem Signal der Friedlichen Revolution.“

Auf Kuhnert waren zwei KGB-Spitzel angesetzt. Auch das berichtet er.

Kuhnert geht heute an Schulen, um von damals zu berichten. „DDR-Geschichte“ unterrichten, nennt das der Theologe. „Dann hänge ich an die Tafel einen russisch beschrifteten Grundriss meiner damaligen Pfarrhaus-Wohnung. Den habe ich bei der Einsicht meiner Stasi-Akten gefunden. Das macht’s im Unterricht besonders anschaulich.“

Spitzel im Netzener Pfarrhaus

Den Grundriss haben KGB-Spitzel gezeichnet. Wann, das sei aus den Akten nicht hervorgegangen, so Kuhnert. Ein Mitarbeiter der Stasiunterlagenbehörde habe ihn angerufen. „Sie standen im Landkreis Brandenburg an der Spitze derer, die im Krisenfall ins Isolierungslager eingewiesen werden sollten“, soll der Mann gesagt haben. Auf der Liste standen Bürgerrechtler, Künstler, Theologen, Nichtwähler, all jene, vor denen sich die DDR-Oberen fürchteten. Sie sollten dort streng bewacht aus dem Verkehr gezogen werden.

Bei Bad Belzig in Verlorenwasser gab es einen Barackenkomplex, der offenbar als ein solches Internierungslager gedacht war.

Grundriss für den Tag X

Für diesen Tag X, davon ist Kuhnert überzeugt, war der Grundriss gezeichnet worden. Doch wann war es den Spitzeln gelungen, dafür heimlich ins Pfarrhaus einzudringen? Er vermutet, dass es eine Geburtstagseinladung war durch einen der Spitzel. „Nun gut, wir fanden das ,nett’ und haben zugesagt. Und da wussten sie ja, wir sind nicht zu Hause, und zwar so lange nicht, bis der andere bei dem Ersten anrief und sagte: ,Wir sind fertig, du kannst sie wieder nach Hause schicken’.“

Der Politiker vermutet, dass der Grundriss bei einer nächtlichen Festnahme notwendig gewesen wäre, „damit die Häscher nicht im Kinderzimmer, sondern im Elternzimmer landeten. Ich weiß es nicht“.

„Aber immerhin, keiner von uns – 1.983 Personen allein im Bezirk Potsdam, knapp 86.000 in der gesamten DDR – ist inhaftiert worden. Man muss den damals Machthabenden gegenüber auch dankbar sein. Andere Diktatoren haben sich ganz anders aus der Geschichte verabschiedet.“

Von Marion von Imhoff

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