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Kloster Lehnin Feuerwehrleute sterben auf A 2: Unfallfahrer muss zwei Jahre in Haft
Lokales Potsdam-Mittelmark Kloster Lehnin Feuerwehrleute sterben auf A 2: Unfallfahrer muss zwei Jahre in Haft
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10:59 01.10.2019
Der Angeklagte Stefan M. während des Berufungsprozesses am Landgericht Potsdam. Er muss sich wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung verantworten. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Am Landgericht Potsdam ist am Dienstagmorgen das Urteil gegen den Lastwagenfahrer gefallen, der für den Tod zweier ehrenamtlicher Feuerwehrleute verantwortlich ist. Die 7. Kleine Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Ulrike Phieler-Morbach verurteilte Stefan M. zu zwei Jahren Haft wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs. Das Urteil ist somit milder als in der ersten Instanz, das den Unglücksfahrer zu zweieinhalb Jahren verurteilt hatte. Bei der Verkündung ging ein leises Raunen durch den Gerichtssaal. Die Anklage hatte drei Jahre und drei Monate Haft gefordert, die Verteidigung eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren. Die Nebenklage-Vertreter hatten auf eine Gefängnisstrafe zwischen zweieinhalb und vier Jahren plädiert.

Stefan M. ist mit seinem Lkw am 5. September 2017 auf der Autobahn 2 um 3.55 Uhr in eine Unfallstelle gerast, an der die beiden Feuerwehrleute mit Kameraden gerade im Einsatz war.

Die Vorsitzende Richterin Ulrike Phieler-Morbach sagte, Stefan M. sei am Steuer eingeschlafen. Darauf deute alles hin, sonst hätte er das helle Blaulichtmeer in der Nacht und er auf Warnung durch Lichtpfeile der Polizei schon einen Kilometer vor der Unfallstelle reagiert.

„Mit eingestelltem Tempomat „ist der Lkw eine Waffe“

Mit eingestelltem Tempomat und einer Geschwindigkeit von 80 bis 90 des Lastwagens, „in dem niemand sicher das Steuer bediente, ist der Lkw eine Waffe und die Waffe hat den Tod zweier Menschen und die schwere Verletzung eines weiteren Feuerwehrmannes verursacht“.

Dadurch hätten die hinterbliebenen Familien schwere Schicksalsschläge erlitten. Zugleich betonte Phieler-Morbach, dass alle auf der Unfallstelle im Einsatz befindlichen Menschen durch die Tat des Angeklagten an Leib und Leben gefährdet waren. Auch hätte Stefan M. hohen Sachschaden verursacht.

Tragödie 50 Kilometer vor dem Ziel

Dass trotz Einhalten der vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten Stefan M. übermüdet war, führte die Kammer auf die lange Strecke von Hessen aus durch die Nacht zurück: „Es war dunkel, die Strecke langweilig.“ Ludwigsfelde, das Ziel der Fahrt in einer Entfernung von 50 Kilometer lag fast vor Augen.

Hier lesen Sie weiter: Nach Tod von Feuerwehrmännern: Prozess gegen Lkw-Fahrer beginnt

Als Berufskraftfahrer hätte Stefan M. erkennen müssen, dass er zu müde für eine Weiterfahrt gewesen sei. Er ließ Gelegenheiten, auf Parkplätzen ranzufahren, verstreichen, so die Vorsitzende Richterin.

Ulrike Phieler-Morbach betonte, dass damit eine Fahrlässigkeitstat vorliege. Damit ist die Anklage mit ihrer Revision auch inhaltlich gescheitert. Zudem sah die Anklage in der ersten Instanz eine vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs als gegeben an. Dies wies die Kammer in ihrem Urteil zurück.

Enttäuschung bei Nebenklägern

Die Reaktionen auf das Urteil waren seitens der Nebenkläger durchmischt. „Die Kammer hat einen Mittelweg gewählt, aber die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt“, sagte nach der Verhandlung Alexander Dutsch, Rechtsanwalt des verletzten Feuerwehrmannes, der einer der Nebenkläger war. „Mein Mandant ist mit dem Urteil einverstanden. Er hat natürlich vor allem noch zivilrechtliche Forderungen gegen den Angeklagten“, so Dutsch.

„Die Strafe ist angemessen, es liegt seitens des Angeklagten kein Alkoholismus vor. Meine Mandantin hat natürlich eine höhere Strafe erwartet“, sagte Rechtsanwalt Lutz Körner, der eine Hinterbliebene vertritt.

Stefan M. noch nicht in Haft

Justizangestellte begleiteten Stefan M. durch einen Hinterausgang aus dem Justizgebäude, um keine Emotionen bei den Angehörigen aufkommen zu lassen. Das Urteil wird erst nach Rechtskraft vollstreckt. Strafverteidiger und Anklagevertreter haben eine Woche Zeit, gegen das Urteil Revision einzulegen. Ist diese Woche verstrichen, ist das Urteil rechtskräftig und der Berliner muss in Haft.

Hier lesen Sie weiter: Tragischer Unfall auf der A2: Nebenkläger fordern vier Jahre Haft

Staatsanwalt Christian Runde ließ nach dem Prozess offen, ob er Revision einlegen wird. Eine Haftstrafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt sei, sei eine vergleichsweise hohe Strafe für eine Fahrlässigkeitstat, sagte Runde in einer ersten Reaktion auf das Urteil. Strafverteidiger Mario Schink lehnte eine erste Stellungnahme zu dem Urteil ab.

Angeklagter fährt trotz Führerscheinentzugs mit dem Auto

Die Vorsitzende Richterin begründete das Strafmaß mit Gesichtspunkten, die für und gegen Stefan M. sprächen. Zu seinen Gunsten wertete sie die Reue und den Wunsch des Anklagten, die Tat ungeschehen zu machen, auch da ging ein Raunen durch die Reihen. Zulasten Stefan M.’s sah die Kammer vor allem seine Fahrt am 4. Dezember 2018 zur Verhandlung am Amtsgericht Brandenburg trotz Führerscheinentzugs.

Er setzte sich nach dem Prozesstag auf dem Gerichtsparkplatz in ein Auto und fuhr vor Zeugen davon. „Und das, obwohl Sie wussten, für den Tod zweier Menschen und die Verletzung eines Dritten verantwortlich zu sein. Trotzdem besaßen Sie die Unverfrorenheit, die dem Gericht den Atem stocken lässt“, so Phieler-Morbach.

Stefan M. verstieß häufig gegen Tempolimits und Ruhezeiten

Deswegen sei eine Bewährungsstrafe nicht mehr in Frage gekommen. Die Kammer wirft Stefan M. „mangelnde Empathie gegenüber den Nebenklägern und der Justiz vor“. Das sei „streng zu ahnden“.

Auch wenn der Angeklagte am Tattag die Lenk- und Ruhezeiten eingehalten habe, habe er in der Zeit davor häufig Verstöße gegen Tempolimits und Ruhezeiten verübt. Auch das spreche gegen Stefan M., so die Richterin. Auch sei der Lkw-Fahrer vorbestraft, wenn auch nicht einschlägig und gravierend, doch das sei ebenfalls zu berücksichtigen.

Deutliche Kritik äußerte die Kammer an der Polizei. Es sei in der Unglücksnacht versäumt worden, bei Stefan M. Tests auf Drogen und Alkohol zu nehmen. „Das ist ein Versäumnis, das nicht mehr gutzumachen ist.“

Im Prozess um die Feuerwehr-Tragödie auf der A 2 bei Lehnin, bei der zwei ehrenamtlichen Retter 2017 ums Leben kam, wird am Donnerstag das Urteil erwartet. Die Anklage fordert fast vier Jahre Haft.

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Von Marion von Imhoff

Das Landgericht Potsdam fällt am Dienstagmorgen das Urteil gegen den Lkw-Fahrer Stefan M., der für den Tod zweier Feuerwehrmänner bei einem Unfall am 5. September 2017 auf der A 2 bei Lehnin verantwortlich ist.

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