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Kloster Lehnin Camping unter Obstbäumen: Ehepaar baut in Kloster Lehnin ein „Plantagencamp“
Lokales Potsdam-Mittelmark Kloster Lehnin Camping unter Obstbäumen: Ehepaar baut in Kloster Lehnin ein „Plantagencamp“
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15:23 21.08.2019
Andrea und Matthias Bliß auf ihrem Grundstück bei Damsdorf. Am Plantagenweg wollen sie ihr „Plantagencamp“ verwirklichen. Die Stellplätze sind mit Spalierobst voneinander getrennt. Quelle: Frank Bürstenbinder
Damsdorf

„Rheinischer Krummstiel“ steht für eine alte deutsche Apfelsorte, die seit 1820 bekannt ist. An Züchtungen aus der DDR erinnert „Pilot“ aus dem Jahr 1988. Diese und andere Sorten wollen Andrea und Matthias Bliß vor dem Vergessen bewahren. Auf ihrem Grundstück in der Plantagenallee bei Damsdorf (Potsdam-Mittelmark) hat das Ehepaar mehr als 100 Obstbäume gepflanzt.

Mit ihren Äpfeln, Birnen und Quitten knüpfen die in Jeserig wohnenden Naturliebhaber an die lange Tradition des Havelländischen Obstanbaus an, dass sich bis zur Wende auf fast 12.000 Hektar erstreckte.

Ganz am Rande von Kloster Lehnin, fernab von Straßen- und Stadtlärm, zeigt Matthias Bliß auf die abgeernteten Rapsfelder hinter seinem Grundstückszaun. „Hier wurde früher überall Obst geerntet – bis nach der Wende das große Roden begann“, berichtet der gelernte Gärtner, dessen verstorbener Vater Eduard Bliß zum Leitungsteam der einstigen GPG Damsdorf gehörte. Er hatte Teile der Produktionsgenossenschaft nach 1990 durch Zukauf von der Treuhand gekauft und so seinen Wohnsitz erweitert.

Stellplätze für Camper

Vor acht Jahren reifte bei Sohn Matthias und Schwiegertochter Andrea die Idee, aus dem früher gärtnerisch genutzten Areal weit draußen in der Natur einen Platz der Erholung zu machen. „Der Anstoß kam 2008 bei einem beruflichen Einsatz in Amsterdam. Ein Niederländer hörte von meinem großen Grundstück, das mich viel Zeit für das Rasenmähen kostete. Wegen der Nähe zu Berlin kam er auf die Idee mit den Stellplätzen für Camper“, erinnert sich Bliß.

Bis die ersten Campingwagen hier parken, ist es noch ein weiter Weg. Quelle: Frank Bürstenbinder

Diese Vision ließ das Ehepaar nicht mehr los. Pläne für ein „Plantagencamp“ wurden geschmiedet. „Seitdem investiere ich mit meiner Frau jede freie Minute und jeden Cent in die Neugestaltung unseres Grundstücks, um Obstanbau und Tourismus in Einklang zu bringen“, berichtet Bliß, der als Fernfahrer deutschlandweit unterwegs ist.

Jedes Wochenende ist das Ehepaar vor den Toren Damsdorfs zu finden. In mühevoller Arbeit verwandelten Andrea und Matthias Bliß das rund 4000 Quadratmeter große Anwesen in eine grüne Oase.

Die Obstbaumreihen wurden als akkurate Spaliere angelegt. Die Bäume dienen als natürliche Abgrenzung der mit Rasen bepflanzten Stellplätze, auf denen eines Tages Wohnmobile Station machen sollen. Die eigentlichen Baumpflanzungen begannen vor zwei Jahren. Die Anpflanzungen haben ordentlich Holz gemacht. Erste Bäume tragen bereits Äpfel. Bald wird das Spalierobst grüne Wände zwischen den 30 Stellplätzen bilden.

Auch ein Brunnen musste her

Weil ohne Wasser kein Rasen grünt und kein Baum gedeiht, musste eine Wasserversorgung samt Brunnen her. „Die Buddelei war nur mit Leidenschaft zu bewältigen“, erinnert sich die im Einzelhandel tätige Andrea Bliß.

Bei schönem Wetter genießen die „Plantagencamp“-Macher bei einem späten Frühstück unter freiem Himmel den Blick auf ihre Obstreihen und die durch Wälder begrenzte Feldmark. Bis die ersten Camper anrollen dürfen, ist es jedoch noch ein weiter Weg.

Apfelernte in den Plantagen der GPG Damsdorf 1987. Mit ihrem „Plantagencamp“ wollen Andrea und Matthias Bliß im touristischen Sinne an die Tradition des Obstanbaus erinnern. Quelle: Bruno Wernitz

„Es ist uns bewusst, dass wir mit unseren gärtnerischen Investitionen auf eigenes Risiko in Vorleistung gegangen sind. Das Genehmigungsverfahren für die bauliche Infrastruktur steht uns noch bevor“, sagte Matthias Bliß der MAZ. Das bislang weitgehend unbebaute Grundstück braucht Sanitäranlagen und eine Rezeption.

Genehmigung steht noch aus

An der Gemeinde Kloster Lehnin würde das Projekt nicht scheitern. „Die Idee von Familie Bliß ist ein unterstützenswerter Beitrag für die Tourismusentwicklung. Die Verwaltung ist deshalb gerne zur Hilfestellung bereit. Aber ohne eine vom Landkreis genehmigte Planung wird es wohl nicht gehen“, sagte Bürgermeister Uwe Brückner.

Auf einen Eröffnungstermin für ihr „Plantagencamp“ wollen sich Andrea und Mathias Bliß deshalb noch nicht festlegen.

Von Frank Bürstenbinder

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