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Kloster Lehnin Diakonissenhaus schließt Innere Klinik in Lehnin
Lokales Potsdam-Mittelmark Kloster Lehnin Diakonissenhaus schließt Innere Klinik in Lehnin
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17:29 12.12.2019
Lutz Ausserfeld, Kaufmännischer Vorstand, Geschäftsführerin Christiane Neumann und der Theologische Vorstand Matthias Blume (v.l.) am Donnerstag nach der Mitarbeiterversammlung am Lehniner Klinikstandort. Quelle: Marion von Imhoff
Lehnin

Das Evangelische Diakonissenhaus Berlin-Teltow-Lehnin schließt eigenen Angaben nach am Standort Lehnin die Klinik für Innere Medizin mit 55 Betten. Davon betroffen ist auch die Rettungsstelle. Damit verliert Lehnin ein Krankenhaus für akute Krankheitsfälle. Das Krankenhaus der Grundversorgung wird nicht mehr betrieben. Künftig wird es nur noch die Klinik für Geriatrische Rehabilitation geben, deren Kapazität von jetzt 70 auf 100 Betten angehoben wird. Auch die Palliativmedizin mit zehn bis 15 Betten soll als besondere Einrichtung erhalten bleiben.

In einer Mitarbeiterversammlung am Donnerstagmittag in Lehnin teilte das die Unternehmensspitze den 190 Klinik-Mitarbeitern mit. Alle Beschäftigten sollen ihren Arbeitsplatz behalten, teilte der Kaufmännische Vorstand Lutz Ausserfeld in einem Gespräch mit der MAZ mit. Nun seien mit dem Land und den Krankenkassen entsprechende Gespräche zu führen, um den Schritt im Jahr 2020 zu vollziehen. Nötig sei ein neuer Versorgungsvertrag für die Geriatrische Reha. Die Fläche der Kliniken sei zweckgebunden, daher sei die Zustimmung des Landes für eine Ausweitung der Reha nötig.

Krankenhaus seit 2009 in roten Zahlen

Der Krankenhausbereich sei seit zehn Jahren defizitär und das in einer durchgehend sechsstelligen Summe, so Ausserfeld. Das Krankenhaus sei zwar für die Grundversorgung vorgesehen nach dem Landeskrankenhausplan. Erfülle aber wegen der fehlenden Chirurgie nicht mehr die besonderen Fördervoraussetzungen für Kliniken im ländlichen Bereich.

Wandel von Krankenhaus zu Reha-Klinik

Das Evangelische Diakonissenhaus betreibt mehrere Krankenhäuser, darunter den Klinikstandort Lehnin. Dort gibt es eine Klinik für Innere Medizin, Palliativmedizin und Akutgeriatrie und als zweite die Klinik für Geriatrische Rehablilitation.

Am Klinikstandort arbeiten 190 Mitarbeiter. Entstehen soll dort eine Fachklinik. Wer akut erkrankt, findet dort nach den neuen Plänen keine Aufnahme mehr, sondern muss nach Brandenburg, Potsdam oder Bad Belzig in die dortigen Krankenhäuser. „Die Zahlen, wie oft unsere Rettungsstelle tatsächlich genutzt wird, sind sehr, sehr niedrig und rückläufig“, so der Kaufmännische Vorstand Lutz Ausserfeld. Konkrete Zahlen konnte er nicht nennen.

„In dem Augenblick, wo ein Skalpell gebraucht wird, fährt der Rettungswagen schon jetzt andere Kliniken an“, so Unternehmenssprecher Alexander Schulz. Gleiches gelte bei Schlaganfällen und Herzinfarkten.

Der Klinikstandort solle erhalten bleiben, sagte Pfarrer Matthias Blume, Theologischer Vorstand und Vorstandsvorsitzender des Diakonissenhauses. Auf die Frage, ob das Unternehmen das als Rettungsplan für den Klinikstandort sehe, sagte die Geschäftsführerin im Unternehmensbereich Gesundheit, Christiane Neumann: „Es ist ein Zukunftsplan, um das Unternehmen in sicheres Fahrwasser zu bringen.“

Ohne Chirurgie keine Förderung

Ausserfeld führt aus, dass die Nachfrage nach der Geriatrischen Klinik seit Jahren steigend sei. „Die Geriatrische Rehablitiation ist im Rahmen neuer Finanzierungsverabredungen auch künftig voraussichtlich ausgeglichen finanziert. Dies trifft so für den Krankenhausbereich leider nicht zu. Die Nachfrage nach Leistungen aus der Inneren Klinik ist seit Jahren kontinuierlich rückläufig“, sagte der Kaufmännische Vorstand.

Gründe dafür seien auch die verschiedenen Einzugsbereiche. Die Geriatrische Reha sei eine hochspezialisierte Fachklinik, die Patienten aus Berlin und Brandenburg aufnehme. Nur in Wandlitz gebe es eine vergleichbare Einrichtung. Das Krankenhaus jedoch in einem Einzugsbereich von 10.000 Einwohnern erlaube es nicht, die hohen Vorhaltekosten zu refinanzieren.

Chirurgie-Nachrüstung zu teuer

Das Land bezuschusse kleine Krankenhäuser in ländlichen Regionen ab 2020 jährlich mit 400.000 Euro. Lehnin profitiere davon nicht, weil es keine Chirurgie dort gebe. Kleine Krankenhäuser seien bundesweit benachteiligt. Als einzige Abteilung verfügt das „Krankenhaus für Grundversorgung“ über eine Innere Station. Eine Chirurgie nachzurüsten sei wegen der dafür erforderlichen Kosten in Millionenhöhe nicht rentierlich, so Ausserfeld.

Auch für eine Rettungsstelle erfülle die Klinik nicht die formalen Voraussetzungen für die „Teilnahme an einer Basisnotfallversorgung eines Krankenhauses“.

Genauer Zeitpunkt noch offen

Wann genau die Grundversorgung eingestellt werde, ließ Ausserfeld offen: „Dann, wenn die entsprechenden Rahmenvereinbarungen beschlossen sind.“

Die Palliativmedizin solle als „besondere Einrichtung“ finanziert werden. Das ist eine „Sonderkonstruktion in der Krankenhausfinanzierung für solche Einrichtungen, in denen die Abrechnung über diagnosebezogene Fallgruppen nicht auskömmlich ist“. Besser sei die Bezahlung über Tagessätze. Auch darüber müsse mit den Krankenkassen zu verhandeln.

Blume betonte, ein Verkauf des Standortes Lehnin stehe nicht zur Debatte. Ob das Konzept aufgehe, würde sich in ein bis drei Jahren abzeichnen. Wenn das nicht der Fall sei, „müssen wir neue Antworten finden“, so Ausserfeld. Christiane Neumann zeigte sich zuversichtlich, dass der Weg die Klinik aus den roten Zahlen führen wird: „Wir sind optimistisch.“

Von Marion von Imhoff

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