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Kloster Lehnin Göhlsdorfer Männer schwänzen den Gottesdienst
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14:11 11.09.2019
Die Turmbekrönung ist abgenommen und wird in enger Absprache mit der Denkmalpflege restauriert oder erneuert. Bis zum Jahresende soll die Göhlsdorfer Kirche wieder gut bedacht sein. Quelle: Frank Bürstenbinder
Göhlsdorf

Um Geld müssen sich die Göhlsdorfer Kirchenältesten eigentlich keine Sorgen mehr machen. Die am Mittwoch von ihrem Gotteshaus abgenommene Turmbekrönung entpuppte sich als wohlgefüllte Sparbüchse mit Scheinen in Billionen-Höhe. Doch das bunte Papier hat nur noch Anschauungswert. 1923, in der Zeit der Hyperinflation, hätten die Göhlsdorfer allein für einen einzigen US-Dollar über vier Billionen Mark auf den Tisch legen müssen.

Bis zum Jahresende soll die Dachsanierung am Gotteshaus in Göhlsdorf abgeschlossen sein. Zahlreiche Balken mussten ausgewechselt werden. Die Turmbekrönung wurde abgenommen.

Für das einfache Volk waren dagegen die ebenfalls ans Tageslicht gebrachten Münzen aus der Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts schon deutlich mehr wert. Die von Bernd Stodolny und Roland Schrödter mit einem Winkelschleifer geöffnete Hülse enthielt zwei zu Säckchen gebundene Stofffetzen, die mit diversen Geldstücken gefüllt waren.

Die Münzen waren in zwei Stofffetzen eingeschnürt. Quelle: Frank Bürstenbinder

Wann immer auch am Kirchturm gewerkelt wurde, hinterließen die Vorfahren der heutigen Göhlsdorfer ein paar aktuelle Geldstücke. Dazu gehört ein 1776 geprägter „Guter Pfennig“ genauso wie das „goldene“ 20-Pfennig-Stück aus der DDR. Die Jahrzehnte überstanden haben auch ein Silbertaler aus der Kaiserzeit und ein Silbergroschen von 1865. „Wir werden den Euro hinzufügen“, kündigte Pfarrer Reinhard Danner bei der Sichtung des Kirchenschatzes an.

Fundstücke werden gezeigt

Das ursprüngliche Erbauungsdatum der Göhlsdorfer Kirche ist unbekannt. Ältester Teil ist der mittelalterliche Westturm aus behauenen Feldsteinen. 1856 wurde aus Resten des Vorgängerbaus und Backsteinen ein neues Kirchenschiff in seiner heutigen Form errichtet.

Immer wieder mal gab es Arbeiten am Kirchturm. Der Inhalt in der Bekrönung wurde in der Regel dokumentiert und wieder in die Hülse zurückgegeben. Die aktuellen Fundstücke sollen der Öffentlichkeit zum Erntedankgottesdienst im Oktober gezeigt werden.

Göhlsdorf gehörte einst zum Besitz von Wichard von Rochow, der das Dorf um 1420 an das Kloster in Lehnin verkaufte. Göhlsdorf war nach 1816 Teil des Kreises Zauch-Belzig, ab 1952 Potsdam-Land, ab 1993 Potsdam-Mittelmark. Seit 2002 ist Göhlsdorf ein Ortsteil von Kloster Lehnin. Die Christen sind im Pfarrsprengel Plötzin vereint.

Zum letzten Mal war die Turmbekrönung 1978 geöffnet worden, weil nach einem Blitzschlag eine Reparatur an der mit Schindeln belegten Spitze fällig war. Diese und andere Episoden geben zeitgenössische Berichte preis, die ebenfalls in der geöffneten Hülse steckten. Zum Beispiel jene über 100 Jahre alte Abschrift von Pastor Alexander Brückner, der sich darüber beklagt, dass die Teilnahme der Männer an den Gottesdiensten besser sein könnte.

Die Göhlsdorfer Kirche bekommt derzeit ein neues Dach. Quelle: Frank Bürstenbinder

Irgendwie hatte jede Generation mit Reparaturen am Dach oder am Kirchturm zu tun. 1951 verkaufte die Kirchengemeinde sogar Bauparzellen, um Schiefer und Schalung auswechseln sowie elektrisches Licht installieren zu können. Auch für derzeit laufende Sanierung im Dachbereich der Turmspitze und des Kirchenschiffes war es höchste Eisenbahn. „Weil ganze Balkenlagen durchgefault sind, war die Spitze bereits aus dem Lot geraten“, berichtete Pfarrer Danner.

Turmkugel mit Einschussloch

Wie Daniela Stodolny vom Gemeindekirchenrat ergänzte, soll gemeinsam mit der kreislichen Denkmalbehörde geprüft werden, in welchem Ausmaß die Turmbekrönung restauriert oder erneuert werden muss. Die mit einer grünen Patina überzogene Turmkugel war 1930 mit Blattgold belegt worden. Nicht fehlen darf das obligatorische Einschussloch. Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren Kirchturmspitzen beliebte Zielobjekte.

Die Schäden an der Kirchturmspitze waren nicht zu übersehen. Quelle: Privat

Vor gut 15 Jahren war bereits der Innenraum der Göhlsdorfer Kirche mit seiner neugotischen Ausmalung saniert worden. Der mittelalterliche Westturm aus behauenen Feldsteinen ist wesentlich älter als der 1856 angefügte Backsteinbau. Aktuell fließen über 400 000 Euro in die Dacharbeiten. Die neue Eindeckung übernimmt die Dachdeckerei von Uwe Barwisch aus Saalfeld. Möglich wurde der finanzielle Kraftakt nur durch eine Förderung von 50 Prozent aus dem Leader-Topf der EU für die ländliche Entwicklung. Die andere Hälfte bringt die Kirche selbst auf.

Von Frank Bürstenbinder

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