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Kloster Lehnin 30 Jahre: Im Eiscafé Schmidtke produziert noch die DDR
Lokales Potsdam-Mittelmark Kloster Lehnin 30 Jahre: Im Eiscafé Schmidtke produziert noch die DDR
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18:19 19.07.2019
Alexander Schmidtke an der DDR-Softeismaschine, Baujahr 1989. Schoko-Vanille ist der Klassiker am Fenster des vor 30 Jahren gegründeten Eiscafés. Das Kugeleis in der Kühltheke wird selbst produziert. Quelle: Rüdiger Böhme
Lehnin

 Es fängt harmlos an. Doch wenn der Motor nach dem ersten Klack das rumpelnde Rührwerk in Gang setzt und der Kühlkompressor zu scheppern beginnt, ist im berühmtesten Eiscafé von Lehnin wieder Hochbetrieb. Vor genau 30 Jahren hielt Roswitha Schmidtke die langersehnte Gewerbegenehmigung in den Händen. Es folgte ein Arbeitsleben in Schoko-Vanille, dass sich die Chefin mit Ilka teilt – eine Softeismaschine aus DDR-Produktion, Baujahr 1989.

Vor 30 Jahren wagte Roswitha Schmidtke mit ihrem Eiscafé den Sprung in die Selbstständigkeit. Quelle: Rüdiger Böhme

Das Typenschild verweist auf den VEB Kältetechnik Niedersachswerfen. Die Maschine aus DDR-Produktion ist schon so Kult, dass es ihr Betriebsgeräusch als Klingelton gibt. „Ilka hat uns all die Jahre die Treue gehalten. Ganz ohne Reparaturen ging es allerdings nicht ab“, erinnert sich die Gründerin der Vor-Wende-Einrichtung in der Belziger Straße.

Eismaschine schon bestellt

Damals war noch DDR. An den Fall der Mauer hat im Juli 1989 niemand gedacht. Wer sich privat machen wollte, musste der Planwirtschaft in den Kram passen, hartnäckig sein und große Überredungskünste besitzen. Schon lange hatte sich Roswitha Schmidtke dazu entschlossen ihren Job als Friseurin an den Nagel zu hängen. „Ich habe schon nicht mehr dran geglaubt, als es dann doch grünes Licht gab“, so die Lehninerin. Die Eismaschine hatte sie auf eigenes Risiko vorher bestellt – und geliefert bekommen. Für damalige Verhältnisse ein kleines Wunder.

Hier schreibt die Chefin noch selbst ihre Eisbecher an die Tafel. Quelle: Rüdiger Böhme

Eigentlich sollte es nur ein mobiler Eisstand sein, doch dann wurde eine Wohnung im elterlichen Anwesen zum Eiscafé umgebaut, wie es die Gäste heute noch am Kreisverkehr kennen. Nach der Wende investierten die Betreiber in neue Technik. Kaffeemaschine, Kühltheke und eine Eismaschine für Kugeleis aus eigener Produktion mussten her. Ehemann Ernst-Joachim, der im Zierpflanzenbau Neubochow tätig war, stieg mit ins Geschäft ein. Tochter Sybille half an vielen Wochenenden aus. Zu den unermüdlichen Helfern in den Anfangsjahren gehörten Tante Ulrike Dähne aus Trechwitz. Eine der langjährigen Perlen im Service ist Ingrid Deterling aus Prützke.

Vor dem Ansturm: Alexander Schmidtke legt Decken auf die Bänke für Softeis-Esser. Quelle: Rüdiger Böhme

Längst steht Sohn Alexander, ein gelernter Koch, an der Eismaschine. Er nahm die Stelle für den 2012 verstorbenen Vater ein. Mit Alexander ist die nächste Generation im Eiscafé Schmidtke gesichert. Gründerin Roswitha (67) hätte längst in Rente gehen können, doch so lange die Gesundheit mitspielt, serviert sie Erdbeer-Eisbecher, kümmert sich um Capuccino, schlägt die Sahne noch selbst. Täglich werden in der Eisküche vor der Öffnungszeit bis zu elf Sorten Kugeleis produziert – von Mango bis Stratiatella. Der Kuchen ist natürlich selbst gebacken.

Für Mitglieder der Sächsischen Posaunenmission ist der jährliche Besuch im Eiscafé Schmidtke obligatorisch. Quelle: Rüdiger Böhme

„Das Café ist mein täglicher Sport“, scherzt Roswitha Schmidtke. Kein Wunder, bedient wird auch draußen an die Tischen. Im Hochsommer gehen die Eiskarten durch viele Hände. Ihr Geheimnis für 30 erfolgreiche Jahre: „Klar muss das Eis schmecken. Aber Freundlichkeit im Umgang mit den Leuten gehört auch dazu. Unsere Kunden sollen gerne wieder kommen.“ Das tun sie auch. Und zwar seit vielen Jahren, wie die Mitglieder der Sächsischen Posaunenmission, die jeden Sommer Gastspiele und Proben im Rahmen einer Zeltfreizeit am Klostersee absolvieren. „Ein Softeis bei Schmidtke gehört einfach dazu“, sind sich die jungen Musiker einig. Ein schöneres Lob zum Jubiläum können sich Roswitha und Alexander Schmidtke nicht wünschen.

 

Von Frank Bürstenbinder

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