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Kloster Lehnin Eine Heißzeit für die Kornkammern Mittelmarks steht bevor
Lokales Potsdam-Mittelmark Kloster Lehnin Eine Heißzeit für die Kornkammern Mittelmarks steht bevor
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14:36 27.11.2019
Klimaforscher Wolfgang Lucht (l.) und Pfarrer Matthias Blume, Theologischer Vorstand vom Evangelischen Diakonissenhaus Berlin-Teltow-Lehnin am Dienstagabend im Elisabethhaus. Quelle: Alexander Schulz
Lehnin

Der Friedenssaal in Elisabethhaus des Lehniner Klosters war am Dienstagabend voll besetzt, als Pfarrer Matthias Blume, Theologischer Vorstand des Evangelischen Diakonissenhauses, seinen Gesprächspartner Wolfgang Lucht vorstellte. Lucht ist Geografie-Professor, wurde 1964 in Sindelfingen geboren, hat in Kiel Physik studiert und war einige Jahre am Geografischen Institut der Universität Boston tätig. Seine Bereiche umfassen Klimaforschung, Erdsystemanalyse und Nachhaltigkeitswissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin und am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Lucht hat Science for Future mitbegründet und ist einer der Berater der Bundesregierung für Umweltfragen.

Zum früheren Zisterzienser-Kloster Lehnin hat er eine besondere persönliche Beziehung. Er liebe diese Region und sagt, dass er sich bei einem Aufenthalt hier „wieder erden kann“.

Lehniner Gespräch for Future

Die Lehniner Gespräche finden seit 2015 mehrmals im Jahr zu aktuellen Themen, die den ländlichen Raum betreffen, statt. Mit dem Thema „Lehniner Gespräch for Future“ wurde die existenzielle Problematik unserer Erde aufgegriffen, die natürlich auch den ländlichen Raum betrifft. Die Frage lautete aus Sicht von Pfarrer Blume, „wie steht es um die uns anvertraute Schöpfung, vor dem Hintergrund des menschen-gemachten Klimawandels und welche Folgen hat unser heutiges Handeln für unsere Kinder und Kindeskinder“.

Lucht gab in einem kurzen Einführungsvortrag wichtige Impulse für die anschließende Diskussion. Er machte deutlich, dass die Erde auf eine „Heißzeit zusteuert“, wenn nicht endlich wirksame Maßnahmen zur Reduzierung der CO2-Emissionen umgesetzt werden. Der Klimawandel hat bereits begonnen und die Hitzewellen werden besonders die Kornkammern der Welt treffen.

Gift für die Artenvielfalt

Die sofortige Umsetzung der Pariser Klimaziele kann weitere Veränderungen noch verhindern. Luch meint dazu, „je länger wir warten, desto wärmer wird es. Es geht nicht nur um das Klima, sondern auch um Vernichtung und Vergiftung der Artenvielfalt auf der Erde“. Die Menschheit stehe an einer Weggabelung. Durch konsequenten Umweltschutz kann der derzeitige Zustand der Erde stabilisiert werden, eine zunehmende Krise könne zu einer neuen erdgeschichtlichen Epoche, dem Verwüstungsanthropozän, führen. Mit diesem Wort umschreibt der Klimaforscher die kommenden Szenarien.

Im aktuellen Klimapaket der Bundesregierung sind kaum Hinweise der wissenschaftlichen Berater aufgenommen worden, weil sie politisch nicht umsetzbar seien. Deshalb stellte Matthias Blume anschließend die Frage, „was können wir für eine Reduzierung der CO2-Emission tun?“ Das gesamte „Unternehmen“ Diakonissenhaus, so Blume, habe den CO2-Ausstoß von 2015 bis 2018 um zehn Prozent reduziert und wird weiter daran arbeiten.

Damit jeder seinen persönlichen Beitrag leistet, ist wohl ein Umdenken notwendig. Das war ein Fazit des Gespräches. Dabei geht es auch um ethische Werte. Was ist ein gutes Leben? Welche positiven Visionen gibt es? Da sind besonders die Politiker gefragt. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen umgesetzt werden. Die Realität darf nicht weiter geleugnet werden, war eine Quintessenz des Lehniner Gespräches. Klar sei: Die Gesellschaft müsse den Dingen ins Auge blicken und die Entwicklung mache Sorgen.

Kernkraft als Idee aus dem Publikum

In der anschließenden Diskussion konnte leider nicht jede Wortmeldung berücksichtigt werden. Die Zuhörer, die aus Potsdam und dem gesamten Landkreis nach Lehnin gekommen waren, hatten – das wurde in der Aussprache deutlich – ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie die Klimapolitik in Zukunft aussehen solle. Weniger Fleisch, weniger Flugreisen, mehr erneuerbare Energie, aber auch moderne Kernkraftwerke, könnten Wege zum Erreichen der Klimaziele sein, schlugen Zuschauer vor.

Hans-Georg Waaske aus Caputh meint dazu: „Ich erwarte von den Politikern, dass sie sich für den Klimaschutz einsetzen.“ Er ruft dazu auf, sich politisch einzumischen und auf die gewählten Abgeordneten in den Wahlkreisen zuzugehen und Forderungen deutlich zu machen.

Eine Dame zog ein persönliches Fazit und meinte: „Klimaschutz fängt im Einkaufskorb an.“

Bevor zum Abschluss alle gemeinsam „Der Mond ist aufgegangen“ sangen, appellierte Lucht an die Zuhörer, „die Natur hat keine Stimme, die Menschen müssen ihre Stimme sein.“

Das nächste Lehniner Gespräch wird am 25.02.2020 stattfinden. Das Thema ist noch offen.

Von Petra Müller

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