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Kloster Lehnin Von Fleischbrühe und schnellem Internet
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17:04 28.03.2019
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke war am Mittwoch bei den Lehniner Gesprächen zu Gast und gab am Anschluss auch Antworten auf Fragen der Gäste. Quelle: Rüdiger Böhme
Lehnin

Von seiner Kindheit an der Neiße in einem Dorf mit 127 Einwohnern hat am Mittwochabend Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in Lehnin farbenprächtig erzählt. Selbst welche Aufgabe er als kleiner Junge hatte, wenn ein Schwein auf dem Hof seiner Familie geschlachtet wurde, erfuhren die Zuhörer. Woidke, der damals in den 60er und 70er Jahren Fleischbrühe und frische Würste an die Nachbarn verteilen durfte, war zu Gast bei den Lehniner Gesprächen des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin-Teltow-Lehnin.

„Stadt und Land“ war das Thema. Da passte die Schilderung von der Fleischbrühe in einem schlenkernden Eimer am Lenker eines Kinderfahrrads ganz gut. Doch nicht nur das: Der Theologische Vorstand Pfarrer Matthias Blume sprach mit dem Ministerpräsidenten über die „Zukunft Brandenburgs“.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke mit Pfarrer Matthias Blume (v. li.) vom Diakonissenhaus Berlin-Teltow-Lehnin. Quelle: Rüdiger Böhme

In dem zweistündigen Gespräch im Lothar-Kreyssig-Haus am Klosterkirchplatz ging es daher vor allem um den Strukturwandel durch Kohleausstieg, schnelles Internet und G 5-Ausschreibung und die Bedeutung Europas für Brandenburg und natürlich um Bildung.

Der schönste Satz, den Woidke sagte, war der Verweis auf die Ausbildung seiner Tochter zur Erzieherin: „Ich leiste also als Vater persönlich meinen Beitrag zur Verbesserung der Kita-Situation.“ Blume konterte: „Wenn Ihre Tochter einen Job sucht, kann sie sich sehr gerne an uns wenden.“ Das Diakonissenhaus betreibt als Sozialträger neben Kliniken, Altenhilfeeinrichtungen und Hospizen unter anderem auch sechs Kindergärten in Lehnin, Teltow und Luckau.Zu G 5 sagte Woidke, dass diese Entwicklung besonders auch für die Agrarwirtschaft von höchster Bedeutung sei. Da war zuvor die Frage aufgekommen, ob an jeder Milchkanne auf dem Dorf schnelles Internet nötig sei.

Die Industrie in Stadt Forst 1989 und 1991

Der Abend war auch eine teils bittere Reise in die Nachwendezeit mit dem Verweis Woidkes auf die Stadt Forst in der Lausitz mit 12.000 Beschäftigten in der Textilindustrie im Jahr 1989 bei 24.000 Einwohnern. Zwei Jahre später waren es nur noch 200 Arbeiter. Strukturwandel in den 90er Jahren bedeutete Massenarbeitslosigkeit und ABM. Der jetzt dem Klimawandel geschuldete Strukturwandel solle dagegen neue Jobs schaffen und Vorbild sein auch für osteuropäische Länder, verspricht Woidke. Möglich werde das auch dadurch, „dass der Bund wieder in die Infrastruktur mit einsteigt“. Es müsse ein Rahmen geschaffen werden, der Industrie anlocke. Es fiel der Name BASF Schwarzheide, die 100 neue Jobs schaffen und die Mitarbeiterzahl in der Lausitz auf rund 2000 hochschrauben will.

Wenige Stunden vor dem 29. März, an dem ein harter Brexit droht, lenkte Matthias Blume das Gespräch auf die EU. „Es ist ein Drama, was sich dort abspielt, was wäre Brandenburg ohne die EU?“, fragte er. „Was sich in Großbritannien abspielt, ist besorgniserregend. Wenn Populisten Entscheidungen herbeiführen, die für die Masse der Menschen Nachteile bringen“, sagte Woidke. Was die EU für Brandenburg bedeute, dazu lieferte der Ministerpräsident eine Zahl: 12 Milliarden Euro. So viel floss bisher von der EU ins Land.

Die Fragen aus dem Publikum

Viele Stuhlreihen sind am Mittwochabend leer geblieben. Gut 60 Gäste verfolgten das Lehniner Gespräch. Neben Landrat Wolfgang Blasig (SPD) war das auch Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner. Er war der Erste, der an Dietmar Woidke am Ende eine Frage aus dem Publikum stellte: Wie dieser denn einen Zusammenschluss von Berlin und Brandenburg zu einem Bundesland sehe. „Ich sehe keine Chancen und kein Bedürfnis.“ Eine Umfrage würde heute noch weniger Zustimmung finden als damals vor 23 Jahren.

Waltraud Plarre vom Verein Baumfreunde Kloster Lehnin, der gegen Windkraft mobil macht, forderte angesichts von rund 3800 Windrädern ein Moratorium für weitere Anlagen im Land, sprich einen Aufschub. Dagegen sprach sich Woidke aus. Er forderte aber, „Paragraf 35 Baugesetzbuch muss weg“. Windkraftanlagen sind danach prinzipiell erst einmal zulässig im Außenbereich. Wo Windkraftanlagen errichtet werden sollen, sollten vor allem die Gemeinden entscheiden, so Woidke.

Als „wichtigsten Rohstoff des Landes“ bezeichnete Woidke die Kinder. In den 90er Jahre habe es die Diskussion gegeben, entweder Wirtschaft oder Bildung zu fördern. Das habe sich gedreht: „Bildung ist die beste Wirtschaftsförderung.“ Keine Schule dürfe mehr geschlossen werden.

Der Ministerpräsident erinnerte auch an die Leistungen der Feuerwehr, an das Gemeinschaftsgefühl der Brandenburger, das sich bei der Anteilnahme um die beiden getöteten Lehniner Feuerwehrmänner und beim Waldbrand bei Treuenbrietzen gezeigt habe. Damals kämpften 4000 Feuerwehrmänner gegen die Flammen. Den Populismus ansprechend, wollte Blume wissen, „ob wir uns abfinden müssen, einen Teil der Menschen nicht mehr zu erreichen“. Auf keinen Fall, so Woidke. „Wir haben hier in der Region anderes erlebt.“ Die Menschen im Land hielten zusammen. Dieses Miteinander ist ein Wert in der Gesellschaft gegen Hetze und Ausgrenzung. Gegen Populismus müsse das Wort erhoben werden.

5000 Flüchtlinge in Arbeitsverhältnissen

Von den Flüchtlingen im Land sind Woidke zufolge „mehr als 5000“ in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen, ein Teil davon in Ausbildung. Bei Rolls Royce in Dahlewitz arbeiten 3000 Menschen aus 52 Nationen, sagte Woidke. Da kann das Diakonissenhaus fast mithalten: Aus 32 Nationen kommen dort die Beschäftigten.

Von Marion von Imhoff

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