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Kloster Lehnin Koi-Karpfen: Beruhigende Geldanlage auf japanisch
Lokales Potsdam-Mittelmark Kloster Lehnin Koi-Karpfen: Beruhigende Geldanlage auf japanisch
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06:01 12.07.2019
Schukoi-Geschäftsführer Florian Stolpe mit einem prächtigen Koi, für den ein neuer Besitzer tief in die Tasche greifen müsste. An die 4000 Fische gehören ständig zum Bestand der Nahmitzer Anlage. Quelle: Frank Bürstenbinder
Nahmitz

Die Meister unter den Züchtern tragen Namen wie Watanabe, Marusaka und Ikarashi. Ihre rot-weißen Fische nennen sie Kohaku. Es geht aber auch komplizierter. Fragt ein Interessent nach einem Kuchibeni Kohaku, muss es beim Händler klingeln. Dieser Farbkarpfen besitzt ein Maul, das wie ein roter Kussmund aussieht. Muss man etwa japanisch können, um im Koi-Geschäft erfolgreich zu sein?

Die große Hitze machte den wertvollen Fischen aus Japan keine Probleme. Dank des ständigen Zuflusses von Frischwasser durch die gesamten Anlagen steigt die Wassertemperatur nicht über 25 Grad.

„Nein, aber die Namen der Arten sollte man auf alle Fälle drauf haben. Sonst kann es schnell passieren, dass Käufer und Verkäufer aneinander vorbeireden“, weiß Florian Stolpe. So fehlen dem Doitsu Kohaku die Schuppen – weggezüchtet. Andere Koi-Fans dagegen lieben die glitzernden Schuppen des Ginrin Kohaku.

Neuer Geschäftsführer

Für Stolpe sind die kleinen und großen Unterschiede dieser Zuchtform des Karpfens kein Problem. Der 33-jährige Thüringer ist seit diesem Jahr Geschäftsführer bei einem der führenden Koihändler Ostdeutschlands – Schukoi in Nahmitz. In den fast 30 Innen- und Außenbecken tummeln sich an die 4000 Fische in allen möglichen Größen und Farbschlägen. Firmengründer Klaus Schulten hat sich Stolpe als rechte Hand in die Firma geholt, um mehr Freiraum für andere geschäftliche Unternehmungen zu bekommen.

Mit der großzügigen Außenanlage und zahlreichen Becken im Freien gehört Schukoi zu den größten Koihändlern in Deutschland. Quelle: Frank Bürstenbinder

Kois sind ein Saisongeschäft. In sieben bis acht Monaten muss der Jahresumsatz geschafft sein. Geschäftsführer Stolpe hat sich selbst acht Jahre intensiv der privaten Zucht gewidmet. Dann wollte der gelernte Fleischer sein Hobby zum Beruf machen. Weil er in Nahmitz eine gepflegte und saubere Anlage vorfand und die Chemie mit Schulten stimmt, schlug Stolpe ein. „Mir geht es wie anderen Koi-Liebhabern. Wer den majestätisch im Wasser schwebenden Fischen zuschaut, wird geerdet“, schwärmt der neue Geschäftsführer.

Nicht an der Teichgröße sparen

In jahrelanger Arbeit hat der aus Rheinland-Pfalz stammende Klaus Schulten aus einer ehemaligen Hofstelle in Nahmitz eine der größten Koianlagen in Ostdeutschland gemacht. Der Gründer fliegt jedes Jahr selbst zum Einkaufen nach Japan.

Kois in Baumarktschalen halten zu wollen, halten die Leute von Schukoi für keine gute Idee. Ein ordentlicher Koi-Teich fängt bei 10 000 Liter an. Die Mindesttiefe sollte 1,50 Meter betragen, um ein Einfrieren zu verhindern.

Die wegen ihrer intensiven Farben begehrten Kois können bis zu einem Meter lang werden. Zu den mindestens 16 Hauptarten kommen rund 100 Unterarten. Pro 1000 Liter Wassermenge sollte nicht mehr als ein Fisch besetzt werden. Sonst steigt die Gefahr des Parasitenbefalls.

Doch zu den schönen Momenten am Teich gehört eine riesige Verantwortung. Die teuersten Exemplare sind bis zu 6000 Euro wert – eine beruhigende Geldanlage auf japanische Art. Krankheiten oder Technikausfälle können verheerende Folgen haben. Die Fischgesundheit steht obenan. Alle in Japan eingekauften Kois sind garantiert frei von Herpesviren, die die Kiemen der Fische angreifen. Die per Flieger in wassergefüllten Doppelbeuteln importierte Lebendware wird zunächst in sechs -bis achtwöchiger Quarantäne gehalten. Eine speziell ausgebildete Tierärztin aus Leipzig kontrolliert regelmäßig den Zustand der Kois. Zwei Fische jeder Charge werden sogar für Kiemenproben im Landeslabor Berlin Brandenburg geopfert.

Ein Rundteich, in dem die Fische in Ruhe abwachsen können. Quelle: Frank Bürstenbinder

Ständig Frischwasser

Groß ist auch der technische Aufwand für den Betrieb der Teiche und Becken, die zusammen rund 900 000 Liter Wasser fassen. Weil ständig Frischwasser durch die Anlage fließt, werden übers Jahr 25 Millionen Liter an Nachschub benötigt. Das ist nur über einen eigenen Brunnen realisierbar. Eine extra verstärkte Stromversorgung hält die Pumpen, Filter und Sauerstoffversorgung aufrecht. „Selbst bei der großen Hitze mit 40 Grad im Schatten wird das Wasser nicht wärmer als 25 Grad, die ideale Wachstumstemperatur für Kois“, weiß Geschäftsführer Stolpe.

Asiatische Steinartikel schmücken jeden Koi-Garten. Quelle: Frank Bürstenbinder

Von den Fischen allein könnte Schukoi keine Gehälter für die vier Festangestellten bezahlen. Zum Geschäft gehört deshalb der Handel mit allem, was die Hobby-Halter rund um den Koi brauchen. Von der Filterbürste bis zum Seerosenkorb, vom Wurmmittel bis zur hauseigenen Futtermischung. Mit Subunternehmen realisiert der Koihändler auf Wunsch den kompletten Teichbau. Ein Low-Budget-Hobby ist die Koihaltung sicher nicht. Zwar liegen die Einstiegspreise für einjährige Fische bei knapp 30 Euro, doch Futter, Medikamente und Betriebskosten können schnell ins Geld gehen.

Im Herbst wird eingekauft

Im Herbst gehen Florian Stolpe und Klaus Schulten für knapp zwei Wochen erstmals zusammen auf Reisen zu den japanischen Züchtern mit ihren wohlklingenden Namen. Dann wird wieder für die Kundschaft in Nahmitz eingekauft. Darunter sind immer mehr junge Leute, die den Koiteich als Ruhepool zu schätzen wissen. Und nebenbei ein wenig japanisch lernen, kann nicht schaden.

Von Frank Bürstenbinder

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