So will der Rädeler Ortsvorsteher Horst Juchert den Wasserverlust des Gohlitzsees stoppen
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So will der Rädeler Ortsvorsteher Horst Juchert den Wasserverlust des Gohlitzsees stoppen

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15:07 03.10.2020
Rädels Ortsvorsteher Horst Juchert vor einem Haus, das sein Abwasser über eine Schilfkläranlage entsorgt und auf dem Grundstück versickern lässt. So könnte der Gohlitzsee vor einem weiteren Austrocknen verhindert werden, sagt Juchert. Quelle: Marion von Imhoff
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Rädel

Horst Juchert ist ein Umweltaktivist und sorgt sich um den Zustand des Gohlitzsee bei Rädel, wo er Ortsvorsteher ist. „Der Gohlitzsee wird immer kleiner, der Wasserspiegel ist in den vergangenen acht Jahren um einen halben Meter gefallen.“ Um diese Entwicklung aufzuhalten, hat der Kommunalpolitiker ein einfaches Rezept: „Ich rate allen, die nach Rädel ziehen, ein Schilfklärwerk oder eine Kleinkläranlage zu schaffen. Dadurch bleibt das Wasser bei uns im Dorf oder in der Region.“

In Rädel gibt es keine zentrale Abwasserentsorgung über Leitungen. Viele haben Gruben, deren Inhalt abgefahren wird. „Das Wasser muss in der Region bleiben. Wenn es abgefahren wird, kommt es in Kläranlagen und fließt über Flüsse weiter nach Norden und ist für die Region hier verloren.“

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In Rädel haben die Bewohner zwei Mal abgestimmt und zwei Mal gegen eine zentrale Entsorgung gestimmt. „Heute hätte ich auch für ein Schilfklärwerk für das ganze Dorf votiert.“

Der vor acht Jahren errichtete Badesteg am Gohlitzsee ragt merkwürdig hoch aus dem Wasser. Der Wasserspiegel ist rund einen halben Meter gesunken, sagt Rädels Ortsvorsteher Horst Juchert. Quelle: Marion von Imhoff

Abwassergruben weit verbreitet

Die meisten Rädeler haben eine Grube. Das Wasser wird abgefahren und kommt in das Lehniner Klärwerk. Juchert zeigt ein Wohnhaus, in dem die Besitzer eine solche Schilfkläranlage gebaut haben. Über drei Gruben wird das Abwasser schließlich in ein Schilffeld geleitet. Dort versickert das Wasser. „Kein Tropfen Wasser geht verloren. Es geht in den Kreislauf zurück und bleibt in Rädel. Es ist simpel und es riecht auch nicht.“

Auch Horst Juchert lässt das Abwasser seines Hauses auf dem Grundstück versickern, nachdem es in Klärgruben biologisch aufbereitet wurde. Quelle: Marion von Imhoff

Seine eigene Kleinkläranlage hat 5000 Euro gekostet, sagt Horst Juchert. Bei ihm werde etwa jedes Jahr, manchmal auch nach anderthalb Jahren das abgefahren, was in der Kläranlage zurückbleibt, der Klärschlamm. Wer eine solche Anlage baue, brauche daher einen Berater, der das Wasser regelmäßig teste und die Abfuhrtermine festlege.

Kostenersparnis kein Argument

Bei einem Vierpersonenhaushalt müsse dagegen bei einer Grube etwa monatlich das Abwasser abgefahren werden. Doch Kostenersparnis ist nicht Jucherts Grund für seine Empfehlung, „eine solche Verrieselungsanlage amortisiert sich erst nach Jahren, weil ja auch der Betreuer bezahlt werden muss.

Horst Juchert zeigt seine Hebeanlage, ein simpler weißer Kasten an einem Außengebäude, dessen Technik das gereinigte Wasser im Erdreich versickern lässt. Quelle: Marion von Imhoff

Die Kleinkläranlage von Horst Juchert arbeitet über eine Hebeanlage. „Der Kompressor führt über vier Schläuche Luft in die Anlage. Die Klärung funktioniert über Bakterien und Sauerstoff. Das saubere Wasser geht unterirdisch wieder weg.“

Der Blick in seinen Brunnen zeigt dem Rädeler Ortsvorsteher, wie weit das Schichtenwasser bereits abgesunken ist. Quelle: Marion von Imhoff

Wie der Wasserstand im Laufe der Jahre abgesunken ist, sieht der Kommunalpolitiker auch an seinem Gartenbrunnen. Der Schacht zeigt an seinen Betonwänden Verfärbungen durch den ehemals üppigen Wasserstand. Das Wasser steht mittlerweile einen Meter tiefer.

Steg ragt weit aus dem Wasser

Genauso abgesackt ist der Gohlitzsee. Der vor acht Jahren errichtete Badesteg ragt heute merkwürdig hoch aus dem Wasser. Juchert warnt mittlerweile Badende davor, von dort in den See zu springen. Das Wasser ist dafür nicht mehr tief genug. Der Ortsvorsteher zeigt in der Nähe auf ein trocken gefallenes Schilfgebiet.

Diese Balken einer alten Steganlage waren früher unter der Wasseroberfläche und nicht zu sehen. Heute ragen sie, weithin sichtbar, aus dem Gohlitzsee. Quelle: Marion von Imhoff

Weithin sichtbar sind im See zwei Holzpfähle eines früheren Steges, die immer unter der Wasseroberfläche und daher nicht zu sehen waren. Heute ragen sie weit aus dem Gohlitzsee heraus.

Baugrund wird instabil

Dass der das Grundwasser immer mehr absinkt, zeigen Juchert zufolge auch Risse an einigen Gebäuden. Die Erde wird instabil, Rädel habe ein Torfaufkommen im Untergrund, „wenn das Wasser abgesogen wird, sackt der Torf zusammen und in der Folge, fängt das Gebäude an zu reißen.“

Juchert sagt, so weit wie mit dem Seddiner See dürfe es nicht kommen, dessen Wasserspiegel so dramatisch abgesunken ist, dass es nun Rettungsversuche für ihn gibt. Auch da lassen die Gemeindevertreter nun klären, ob das Wasser aus dem Klärwerk in den See geleitet werden kann. Ganz nach dem Ansatz, den auch Horst Juchert favorisiert, der Region das Wasser zu erhalten.

Von Marion von Imhoff