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Kloster Lehnin Stefan Tietz ist jetzt Meister – dank seines Chefs
Lokales Potsdam-Mittelmark Kloster Lehnin

Stefan Tietz übernimmt die Pulvermacher Hochbau GmbH

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10:26 04.09.2021
Der Maurer Stefan Tietz hat den Meister mit einem klaren Ziel gemacht: Betriebsübernahme.
Der Maurer Stefan Tietz hat den Meister mit einem klaren Ziel gemacht: Betriebsübernahme. Quelle: Jacqueline Steiner
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Kloster Lehnin

Diese Szene wird Stefan Tietz so schnell nicht vergessen. Es war im Frühjahr 2018. Auf der Rückfahrt von einer Baustelle fragt ihn sein Chef ganz unvermittelt, ob er nicht seinen Meister machen möchte. Dann nämlich wäre für ihn der Weg frei, später die Firma – die Pulvermacher Hochbau GmbH in Brandenburg an der Havel – zu übernehmen.

Stefan Tietz soll der Geschäftsführer werden

„Ich hatte schon immer die Idee, mich selbstständig zu machen“, erzählt der gelernte Maurer Stefan Tietz. Um einen Betrieb im Bauhauptgewerbe leiten zu können, ist der Meisterbrief nötig. Und der heute 37-Jährige hatte eigentlich schon vor einiger Zeit für sich entschieden: „In meinem Alter nicht mehr.“ Er wusste, dass die Meisterausbildung nicht ohne ist. Und plötzlich stand dieses Angebot im Raum. Sein Chef Jürgen Pulvermacher hatte ihm Bedenkzeit angeboten. Doch die Entscheidung viel prompt: „Jo, machen wir!“ Schmunzelnd erzählt Stefan Tietz, dass das Alter plötzlich keine Rolle mehr gespielt habe. Das Ziel stand. Der Aufstieg zum Geschäftsführer eines Unternehmens, in dem er schon seit 17 Jahren arbeitet.

Drei Lehrjahre – drei Firmeninsolvenzen

Stefan Tietz, der aus Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark) stammt, hatte als 14-Jähriger beim Ferienjob in einer Baufirma sein Interesse für den Beruf eines Maurers entdeckt. Völlig überraschend war das nicht. Auch sein Onkel ist Maurer. Sein Cousin ebenfalls. Anfang der 2000er Jahre machte Stefan Tietz seine Lehre: drei Jahre, in denen er drei Firmeninsolvenzen mitmachen musste. Als Geselle kam er zur Pulvermacher Hochbau GmbH. „Ich konnte nichts“, meint der Maurer rückblickend. Im Betrieb hatte er Zeit zum Lernen. Ihm wurden Vertrauen und auch Verantwortung gegeben. Mit 30 wollte er gern etwas anderes machen als die normale Baustellentätigkeit. Sein Chef gab ihm eine eigene Baustelle, um sich beweisen zu können. Letztlich gab er ihm sogar die Chance der Betriebsübernahme.

Meisterausbildung war „turbulent und anstrengend“

„Ich bin als Nichts in die Firma gekommen und gehe als Chef in die nächsten Berufsjahre“, sagt Stefan Tietz. Er ist dankbar für diese Chance, die er sich allerdings auch hart erkämpft hat. „Turbulent und anstrengend“ war die Zeit der Meisterkurse, erzählt er. Vor allem für den 3. Teil der Meisterausbildung, bei dem unter anderem Buchführung und Rechnungswesen auf dem Plan stehen, musste er kräftig büffeln. Die Kurse hat er neben der Arbeit belegt – freitags und sonnabends ging es auf die Schulbank.

Der Maurer- und Betonbauermeister aus Kloster Lehnin berichtet, dass er Glück hatte. Zweifach. Sein Chef hat ihm nach Möglichkeit auch schon den Freitagvormittag freigegeben. Und seine Frau hat ihn immer wieder zum Lernen animiert. Zur „Generation Glück“, wie es der Meister schmunzelnd sagt, gehört auch, dass die Kurse in Götz trotz Corona über die Bühne gingen. Mit dem letzten Kurs war er noch vor Beginn der zweiten Corona-Welle fertig. Die Meisterausbildung hat Stefan Tietz aus eigener Tasche bezahlt. Das war sein ausdrücklicher Wunsch. Mit dem Aufstiegs-BAföG und dem Meisterbonus für den erfolgreichen Abschluss habe er den Großteil der Kurse finanzieren können. Zur Meisterfeier in Potsdam hat er die beiden Menschen eingeladen, „die in den vergangenen zweieinhalb Jahren immer an meiner Seite waren“. Damit meint der 37-Jährige seine Frau und seine Tochter.

Der Name Pulvermacher bleibt

Jetzt ist er bereit für den nächsten Abschnitt in seinem Berufsleben. Wegen der Betriebsübernahme war er schon zur Gründerberatung. Er habe eine „super Beratung“ durch die Handwerkskammer erfahren, sagt er. Eines ist für den Maurer- und Betonbauermeister und künftigen Firmenchef jetzt schon klar: Der Name der Firma wird nicht geändert. Sein Chef lasse ihm da freie Hand, erzählt Stefan Tietz. Doch er hat erlebt, wie die Leute auf der Straße sich nach den Firmenautos mit der Aufschrift „Pulvermacher“ umdrehen. Der Name ist bekannt. Die Firma habe sich in der Stadt Brandenburg an der Havel und im näheren Umkreis einen guten Ruf aufgebaut, weiß Stefan Tietz. Daran sei er ja auch selbst beteiligt gewesen – die vergangenen acht Jahre schon in leitender Position im Betrieb. 15 Beschäftigte hat die Pulvermacher Hochbau GmbH. Der künftige Firmenchef kennt die Kollegen in- und auswendig. „Ich weiß, dass sie gut arbeiten“, sagt er. Und er weiß, dass er demnächst viel Verantwortung tragen wird. Trotz alledem: „Ich freue mich auf das, was kommt.“

Von Ute Sommer