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Kloster Lehnin Windpark würde tausende Quadratmeter Wald vernichten
Lokales Potsdam-Mittelmark Kloster Lehnin Windpark würde tausende Quadratmeter Wald vernichten
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13:54 06.03.2019
Tausenden Bäumen droht die Rodung. (Beispielfoto). Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Kloster Lehnin

Der geplante Windpark bei Göhlsdorf, Bliesendorf und Ferch mit derzeit 18 geplanten Anlagen wird knapp 30.000 Quadratmeter Wald dauerhaft zerstören. Das geht aus einer Auflistung des Landesumweltamtes hervor, die der MAZ auf Anfrage vorliegt. Die Rede ist darin von „dauerhafter Waldumwandlung“, was aber nichts anderes als Rodung ohne Aufforstung bedeutet.

Auf weiteren rund 211.000 Quadratmetern Fläche wird für den Windpark Wald zunächst gerodet und nach Fertigstellung des Windparks wieder aufgeforstet. Auf diesen Flächen entstehen Zufahrten für Lastwagen zu den Windrad-Standorten während der Bauphase.

Fördermittel: 10 Millionen Euro für Naturschutzprojekte

Derzeit befindet sich der Antrag der Firma Notus Energy Plan GmbH im Genehmigungsverfahren. Federführend ist das Landesumweltamt. „Der Antrag wird zur Zeit noch überarbeitet und vervollständigt“, sagt der Sprecher der Behörde Thomas Frey. „Es ist daher noch unklar, wann die Beteiligung der Öffentlichkeit durch Auslegung der Antragsunterlagen erfolgen wird.“ Es seien daher noch Veränderungen der Rodungsflächen möglich.

Besonders wegen der massenhaften Rodung von Bäumen sind Windräder in Wäldern in die Kritik geraten.

Im Land Brandenburg stehen 10 Millionen Euro bereit für Naturschutzprojekte als Ausgleich für diese Eingriffe zur Verfügung. Das Geld stammt von Betreibern von Windkraftparks als gesetzlich vorgeschriebene Wiedergutmachung für die Eingriffe in die Natur.

Betroffen sind Göhlsdorf, Ferch und Bliesendorf

Das Geld wird aber kaum abgerufen. Es gebe zu wenige Anträge, sagte kürzlich Bernhard Schmidt-Ruhe. Er ist der Geschäftsführer des Naturschutzfonds Brandenburg, der die Millionen verwaltet und offenbar nicht mehr weiß, wohin damit. „Wir freuen uns über jeden Antrag“, so Schmidt-Ruhe.

In Kloster Lehnin bei Göhlsdorf müssen für die geplanten Anlagen des Windparks Dachsberg, so sein Name, knapp 10.000 Quadratmeter Wald dauerhaft weichen. Weitere knapp 90.000 Quadratmeter Forst werden in Kloster Lehnin für den Park gerodet und später wieder aufgeforstet.

Bei Ferch müssten für acht Windkraftanlagen gut 13.000 Quadratmeter Wald weichen, 80.000 Quadratmeter werden gerodet und wieder aufgeforstet. Bis daraus wieder ein Wald entsteht, dauert es Jahrzehnte. In Bliesendorf sind vier Anlagen geplant. 6300 Quadratmeter Wald fallen dafür, sollte das Bauprojekt so kommen. 42.000 Quadratmeter Forst müssen für Zufahrten weichen, auf denen später wieder Baumsetzlinge gepflanzt werden.

Bürgermeister kritisiert Antragsverfahren für Fördergelder

Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner wird von der Bürgerinitiative Baumfreunde heftig kritisiert, weil er vorigen Sommer bereits einen städtebaulichen Vertrag mit den Betreibern des Windparks geschlossen hat. Die Gemeindevertreter Kloster Lehnins indes haben im Herbst dagegen gestimmt. Dennoch kündigt die Gemeinde den Vertrag nicht.

Brückner kritisiert im Zusammenhang mit den nicht abgerufenen 10 Millionen Euro des Naturschutzfonds das Antragsverfahren. Zwar könnten Gemeinden, in denen Windkraftanlagen errichtet werden, Geld für Naturschutzprojekte abrufen, so Brückner. Dafür aber müssten Gemeinden zunächst solche Projekte entwerfen und entwickeln und über entsprechende Flächen verfügen. „Das kann eine Gemeinde jedoch regelmäßig nicht tragen.“ Sinnvoller sei es, wenn Windparkbetreibern solche Projekte als Auflagen des Bauantrages erteilt würden.

Brückner fordert, dass das Geld in den Naturschutz der betroffenen Gemeinden fließen müsse und dass das Verfahren zu vereinfachen sei. „Ein möglicher Ansatz wäre, der Stiftung eine Projektidee zu nennen, und diese müsste dann die Projekte entwickeln.“

Von Marion von Imhoff

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