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Kloster Lehnin 40-Stunden-Woche – 300 Euro: Warum eine 18-Jährige sich für ein FSJ entscheidet
Lokales Potsdam-Mittelmark Kloster Lehnin 40-Stunden-Woche – 300 Euro: Warum eine 18-Jährige sich für ein FSJ entscheidet
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22:05 24.11.2019
Sina-Marie Günsel ist noch bis August 2020 im Freiwilligendienst in den Evangelischen Kliniken in Lehnin. Quelle: Marion von Imhoff
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Lehnin

Sina-Marie Günsel absolviert ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in den Evangelischen Kliniken Lehnin. Sie ist damit eine von 59 Männern und Frauen, die im Freiwilligendienst Berufspraxis im Evangelischen Diakonissenhaus Berlin-Teltow-Lehnin sammeln, in Lehnin sind es vier. Drei offene Stellen dieser Art hat der diakonische Träger noch, auch in den Lehniner Kliniken. „Für uns ist es ein Instrument der Personalgewinnung und Unterstützung im Berufsalltag“, sagt die zuständige Referentin Birgit Mathissen. Doch ausgenutzt werden sollen die Freiwilligen nicht: Sie dürfen nicht allein auf Station arbeiten, sondern nur mit dabei sein.

Die 18-jährige Sina-Marie Günsel hat im Sommer ihr Abitur in Werder gemacht. Seit September ist sie nun im FSJ.

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Rein in den Berufsalltag

„Ich habe mich dafür entschieden, weil ich nicht wusste, welche Ausbildung ich machen möchte“, sagt Sina-Marie Günsel. Klar war ihr nur, dass sie in Richtung Medizin gehen wollte, aber ein Medizinstudium kommt für sie nicht in Frage. „Hier kann ich schon ein Jahr ins Krankenhaus reinschnuppern und Erfahrungen sammeln.“ Verfestigt hat sich ihr Wunsch, Operationstechnische Assistentin zu werden.

„Das Tolle am FSJ ist, wir werden da reingeschmissen und können alles genau kennenlernen.“ Weniger toll sei die finanzielle Seite: „Ich habe eine 40-Stunden-Woche.“ Mit einem Minijob nebenbei verdiene man mehr als mit einer langen Arbeitswoche im Freiwilligendienst. 300 Euro Taschengeld im Monat erhält die junge Frau.

Birgit Mathissen ist als Referentin zuständig für die Freiwilligendienste des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin-Teltow-Lehnin. Quelle: Marion von Imhoff

Würde ein halbes Jahr für das Sammeln von Erfahrungen nicht ausreichen? „Ich finde ein Jahr absolut nicht lang“, sagt Sina-Marie Günsel. „Gefühlt bin ich einen Monat hier, aber es sind tatsächlich schon drei.“

Fieberthermometer und Speisepläne

Eingesetzt ist die Lehninerin auf der Geriatrischen Reha-Station. Dort verteilt sie die Fieberthermometer, fragt nach Essenswünschen. Dass ein Absolvent seine Station in dem Jahr wechselt, ist selten. „Es ist meist der Wunsch, dort zu bleiben, wo man das Team kennt und eingearbeitet ist“, sagt die Referentin.

Wo genau arbeiten die jungen Leute? Zunächst: Nicht alle sind im FSJ. Es gibt auch den Bundesfreiwilligendienst (Bufdi), dort ist auch Teilzeit möglich, finanziert wird er vom Bund. Eingesetzt sind die Absolventen in Altenpflegeheimen, Wohn- und Werkstätten für Behinderte, Kliniken, aber auch in Kindergärten und im Hospiz. Zudem gibt es einen Anspruch auf Fortbildungen. Dafür kommen die Freiwilligen auch in Lehnin zu Seminaren zusammen.

Auch ein 55-Jähriger könnte als Bufdi arbeiten, im FSJ liegt die Grenze hingegen bei 27 Jahren. In diesem Jahr hat das Diakonissenhaus viele minderjährige Freiwillige. „Das stellt uns vor Herausforderungen“, so Mathissen. Manchmal sei die Zustimmung der Eltern einzuholen. „Minderjährige sind oft zu jung für die Ausbildung, deswegen ist das freiwillige Jahr sinnvoll“, sagt Birgit Mathissen. „Dann schnuppern sie Berufspraxis und lernen, dass Mama keinen Entschuldigungszettel mehr schreibt.“

Von Marion von Imhoff