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Kloster Lehnin Weil keine Busse fahren, müssen Krahner und Reckahner Omas Taxi spielen
Lokales Potsdam-Mittelmark Kloster Lehnin Weil keine Busse fahren, müssen Krahner und Reckahner Omas Taxi spielen
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17:06 08.01.2020
Für ein bessere Busanbindung ihrer Dörfer in den Schulferien gehen kleine und große Krahner und Reckahner auf die Straße. Fast 300 Unterschriften wurden in den vergangenen Wochen gesammelt und an den Landkreis übergeben. Potsdam-Mittelmark überarbeitet gerade seinen Nahverkehrsplan. Quelle: Frank Bürstenbinder
Reckahn

Sie fühlen sich tatsächlich abgehängt. Junge Familien mit Kindern, alte Menschen und alle, die kein Auto fahren. In Reckahn und Krahne haben 283 Einwohner mit ihrer Unterschrift eine bessere Anbindung ihrer Dörfer an das Busnetz gefordert. Zu den Unterzeichnern gehören auch Golzower und Bürger von außerhalb des Gemeindegebiets. Mitinitiatorin Aileen Steinhoff hat die Listen in dieser Woche der Gemeinde Kloster Lehnin und dem Landkreis Potsdam-Mittelmark als Träger des öffentlichen Personennahverkehrs übergeben.

In Krahne ist Schluss

Auslöser für die Aktion ist insbesondere die Situation in den Schulferien. Den ganzen Tag über gibt es keinen Busverkehr nach Golzow, wo sich die Grundschule mit dem Hort befindet. Die in dieser Zeit fahrenden drei Busse der Linie 551 enden in Krahne. „Unsere Kinder sind praktisch von den Hortspielen ausgeschlossen“, kritisiert Steinhoff den Ferienfahrplan. Ihre Tochter Palina (6) wird in diesem Jahr eingeschult. Für die berufstätige Mutter sind künftig 44 Mehrkilometer am Tag mit dem privaten Auto fällig. Ein Unding, wie die Reckahnerin findet.

Familien müssen sich helfen

Ähnlich geht es Bettina von der Weydbrink aus Krahne. Ihr Sohn Ludwig wird ebenfalls ab August als Erstklässler mit dem Bus zur Golzower Grundschule fahren. Doch was passiert in den Ferien? „Wohl oder übel muss Oma Taxi spielen. Richtig finde ich das nicht“, meint von der Weydbrink. Eine Lösung innerhalb der Familie muss Friedrich Kroop erst noch finden. Der Vater von Lara (6) hat ebenso wie Reckahns Ortsvorsteher Klaus Perle und Familienvater Jens Schmidt für eine bessere Busanbindung unterschrieben.

Gerke Pachali aus Krahne: „Auch an die Alten denken.“ Quelle: Frank Bürstenbinder

Für den ehemaligen Krahner Pfarrer Gerke Pachali, der stets mit Bus, Bahn und Fahrrad unterwegs ist, macht die Unterteilung des Fahrplans in Schultage und Ferien keinen Sinn. „Auch wir Alten müssen mal zum Arzt oder wollen einkaufen. Das darf doch nicht vom Unterricht abhängen.“ Betroffen vom dünnen Busangebot in den beiden Kloster Lehniner Ortsteilen sind auch junge Leute auf dem Weg zu ihren Ausbildungsstätten.Wenigstens bedienen die Verkehrsbetriebe Brandenburg über die Stadtgrenze hinaus Reckahn jeden Morgen um 6.44 Uhr – auch in der Ferienzeit.

Neuer Nahverkehrsbeirat

Alle Hoffnungen der Petitionsteilnehmer sind jetzt auf die Fortschreibung des Nahverkehrsplans für Potsdam-Mittelmark gerichtet. An diesem Donnerstag kommt erstmals der neue aus sieben Kreistagsabgeordneten bestehende Nahverkehrsbeirat zusammen. Das Gremium wird sein Votum über das Papier als Beschlussgrundlage für den Kreistag abgeben. Darunter ist auch der SPD-Kreistagsabgeordnete Berthold Satzky aus dem Kloster Lehniner Ortsteil Emstal. „Selbst an normalen Tagen fährt ab 17 Uhr kein Bus mehr. Das ist keine optimale Bedienung. Ich werde das Thema auf alle Fälle anbringen“, so Satzky. Denkbar für ihn wäre zum Beispiel den Ferienbus von Krahne wenigstens bis Rotscherlinde mit Anbindung an den Plusbus weiterzuführen. Das hatte Krahnes Ortsvorsteher Reinhard Siegel schon vor Jahren gefordert.

Museumsleiterin Silke Siebrecht-Grabig. Quelle: Christine Lummert

Eine Variante, mit der sich auch Silke Siebrecht-Grabig anfreunden könnte. Die Leiterin des Rochow-Museums in Reckahn bekommt immer wieder von Besuchern Klagen über die schlechte Busanbindung zu hören. „Die Wochenendfahrten alle zwei Stunden von Brandenburg nach Reckahn sind ein guter Anfang. Insgesamt jedoch ist die Taktung unzureichend, insbesondere wenn es um den Besuch von Veranstaltungen geht“, so die Museumsleiterin.

Kreis will prüfen

Laut Planentwurf will der Landkreis die Entwicklung in Krahne und Reckahn zwar prüfen lassen, nach mehr Bussen in den Ferien sieht es derzeit aber nicht aus. „Der Nahverkehrsplan ist nicht für alle Zeit in Stein gemeißelt. Wir werden uns den Bedarf an Hortverbindungen anschauen. Das Thema beschäftigt uns ja schon seit 2015“, sagte Vize-Landrat Christian Stein der MAZ. Stein erinnerte allerdings auch daran, dass eine schon mal im Interesse der Hortkinder eingerichtete Verbindung mangels Nachfrage eingestellt wurde. Für Aileen Steinhoff ist da kein Grund zum Aufgeben: „Die Situation hat sich inzwischen verändert. Wir haben viel mehr Kinder in den Dörfern. Wenigstens über einen Rufbus in den Ferien sollte der Landkreis unbedingt nachdenken.“

Von Frank Bürstenbinder

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