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Potsdam-Mittelmark Knochenharter Job gegen Waldschädlinge
Lokales Potsdam-Mittelmark Knochenharter Job gegen Waldschädlinge
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11:04 13.01.2017
Revierförster Ralf Bärthel (l.) und Oberförster Jörg Dechow (r.) kontrollieren mit den Forstwirten Vera Lehmbeck und Günter Krüger die gefundenen Larven. Quelle: Marion von Imhoff
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Riewend

Von saurem Regen ist in den 80er Jahren die Rede gewesen, wenn es um Gefahren für den Wald ging. Die Angst vor dem Waldsterben durch Luftverschmutzung mobilisierte Zehntausende Menschen. Es ist die Zeit, in denen sich die Grünen als Partei gründeten. Der Spiegel titelte „Saurer Regen über Deutschland, der Wald stirbt.“ Doch der Wald, er ist glücklicherweise nicht gestorben. Gleichwohl aber gibt es Gefahren, die ihm zusetzen. Die Bedrohung wird notfalls nicht politisch, sondern aus der Luft mit Hubschraubern und Pestizid-Einsatz bekämpft.

In dieser frostigen Jahreszeit schlummern die Forstschädlinge noch harmlos im Boden; doch sobald es wärmer wird im Frühjahr, finden sie ihren Weg zu den Stämmen und Kronen der Bäume. „Sie fressen die Nadeln und Knospen, das kann bis hin zu Totalverlust von Beständen führen“, sagt Jörg Dechow, Leiter der Oberförsterei Lehnin.

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Forstschädlinge und die Folgen

Schadinsekten für Wälder sind Kiefernspinner, Kiefernspanner, Forleule und Kiefernbusch-Hornblattwespen.

Der Kieferspinner gefährdet besonders ältere Kiefern. Er ist einer der am weitesten verbreiteten Kieferngroßschädlinge in Norddeutschland. Besonders gefährdet sind Monokulturen auf warm-trockenen und grundwasserfernen Sandstandorten. Es drohen bis zu 90 Prozent Nadelverluste. Das führt zum Absterben des Baumes. Der Kahlfraß der Kiefernspinner geht dann an Nachbarbeständen weiter.

Finden sich mehr als zehn Raupen pro Quadratmeter bei der Winterbodensuche, könnte das für den Bestand kritisch werden.

Um die von Kiefernspinnern, Kiefernspannern, Forleule und Blattwespen in 2017 drohende Gefahren einschätzen zu können, sind vier Forstwirte der Oberförsterei Lehnin zwischen November und Mitte Januar unterwegs, jeden Tag, stundenlang. In den neun Revieren müssen sie die Böden von 97 Suchgebieten nach den Insekten durchforsten.

Die Experten für Forstschädlinge sind Vera Lehmbeck, Günter Krüger, Frank Neumann und Günther Egide, langjährige und erfahrene Mitarbeiter der Oberförsterei. Es ist ein knochenharter Job. Selbst bei strengem Frost und leichtem Schnee hocken sie auf speziell auswählten Stellen am Waldboden und harken die Humusschichten durch. Sie suchen die verpuppten Forstschädlinge und bugsieren jedes gefundene Insekt in einen Pappkarton, kaum größer als eine Streichholzschachtel.

1600 Hektar bei Ziesar waren 2013 betroffen

Wie wichtig die Aufgabe der Forstwirte ist, zeigt die Statistik: Dechow erinnert an das Jahr 2013. Damals mussten bei Ziesar 1600 Hektar, eine Fläche also so groß wie 2285 Fußballfelder, vom Hubschrauber aus vor den fresswütigen Schädlingen geschützt werden. Die Folgejahre verliefen für die Schädlinge schlechter und für den Wald in der Oberförsterei besser. Im vorigen Jahr war sogar gänzlich Ruhe, die Forstverwaltung musste keinen Kampf aus der Luft gegen die Tierchen führen. wie Dechow sagt. Doch ob es 2017 ähnlich wird, diese Erkenntnis bringt nur die Bodenabsuche nach verpuppten Schädlingen im Winter.

An diesem Tag haben die Forstwirte zwischen 30- bis 70-jährigen Kiefern einige verpuppte Larven gefunden. Revierförster Ralf Bärthel sichtet die Funde später mit der Lupe. Anschließend gehen die kleinen Tierchen in ihren Pappschachteln an die Landesforstanstalt Eberswalde. Dort werten Behördenmitarbeiter die Bodenfunde im Land aus und geben schließlich Prognosen für die Schädlingssituation heraus.

Kraftzehrende und arbeitsintensive Arbeit

Ralf Bärthel ist schon jetzt relativ sicher, dass zumindest in seinem Revier keine große Population an Schädlingen zu erwarten ist. Der Boden dort ist schwerer, weist mehr sogenannte Bodenpunkte auf – anders als in der Region Ziesar. Sollte es dennoch eine kritische Zahl an Larvenfunden geben, wird eine Nachsuche angeschlossen. „Dann wird auf Landesebene entschieden, ob eine Bekämpfung nötig ist.“

Jörg Dechow verweist auf die hohe Arbeitskraft, die diese Art der Arbeit mit sich bringt: „Das macht sich niemand klar, dass da pro Waldarbeiter 300 Stunden im Jahr und 2000 Stunden insgesamt zusammenkommen.“ Das sind die Zahlen für Forstschutz im vorigen Jahr. „Das ist eine gewaltige Zahl an Arbeitsstunden.“ Das koste viel Zeit, Kraft und Geld.

Jede Schädlingsart kann große Zerstörungen an den Bäumen anrichten. Hocherfreut sind die Forstwirte daher, wenn sie Larven finden, in denen sich etwa die Schlupfwespe zu schaffen gemacht hat. Forstwirtin Vera Lehmbeck: „Ein Schädling, der von Parasiten befallen worden ist, stirbt ab.“ In diesem Fall also sind Parasiten hochwillkommen.

Von Marion von Imhoff

12.01.2017
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