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Potsdam-Mittelmark Kormorane fressen in Werder den Festtagsfisch
Lokales Potsdam-Mittelmark Kormorane fressen in Werder den Festtagsfisch
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00:24 25.12.2014
Wolfgang Kühn fischt seit Jahrzehnten im Plessower See.
Wolfgang Kühn fischt seit Jahrzehnten im Plessower See. Quelle: Regine Greiner
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Werder

Der große Kescher und auch das Karpfenbecken auf dem Hof von Fischer Kühn am Plessower See sind mit prächtigen Exemplaren gut gefüllt. Für die meisten sind gerade jetzt in der Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel die Tage und Stunden gezählt, denn sie landen in Werder, Berlin und Umgebung auf dem Festtagstisch.

"Die Kunden freuen sich, dass sie sich ihren Fisch selbst aussuchen können und wir ihn für die Pfanne vorbereiten", sagt Alexander Kühn. Er hat den Betrieb seines Vaters vor vier Jahren übernommen und führt ihn jetzt mit seiner Frau Sabine in vierter Generation. Die einstige Sekretärin sorgt dafür, dass im Hofladen der Fisch nie ausgeht, geräuchert verschickt wird, wenn Kunden in Duisburg es sich so wünschen.

"Wie schwer uns die Kormorane das Leben machen, davon ahnen die meisten Kunden nichts. Aber für uns sind die Fressmaschinen von Jahr zu Jahr mehr ein ernsthaftes Problem", sagt der Senior, der seit Jahrzehnten im Plessower See fischt. Bis zu 600 Kormorane haben sich laut Junior auf und am Plessower See angesiedelt. Sie verschlingen im Jahr tonnenweise Fisch. Wo sie sich am Ufer niederlassen, ist jeder Baum nur noch grau, vom Kot der Vögel zerfressen. "Zwar wurde der Schutzstatus der Tiere gelockert, sie können von Jägern geschossen werden, aber ich habe keinen Jagdschein und andere Jäger schießen keine Kormorane auf dem See", sagt Alexander Kühn. Dadurch können sich die Vögel ungestört vermehren und fühlen sich auf dem geschützten See mit reichlich Nahrung ausgesprochen wohl.

Trotz der Schäden und Verluste für den Familienbetrieb war es für den einstigen Fliesenleger nur eine Frage der Zeit, bis er den Betrieb seines Vaters, Großvaters und Urgroßvaters übernahm. "Schließlich bin ich mit der Fischerei groß geworden, saß schon als Kind mit dem Vater im Kahn, so wie jetzt meine Kinder Mia und Artur", sagt Alexander Kühn. Zwar hätte es früher nicht so viele Kormorane gegeben, aber einige schon. "Einer davon steht sogar präpariert noch im Betrieb, ein Erinnerungsstück an alte Zeiten", sagt Wolfgang Kühn. "Ich kann ihn nicht einfach verabschieden, nur weil seine Nachfahren jetzt in ganzen Siedlungen den See und die Fischer belasten. Dennoch sind die Fischbestände zum Glück nicht existenzbedrohend zurückgegangen." Er fängt vor allem Hechte, Karpfen, Aal, Zander und Plötzen aus dem See, der sich auf 365 Hektar ausdehnt. In diesen Tagen ist der Hofladen am Plessower See 84 fast täglich geöffnet. "Die Auswahl für die Kunden ist groß, denn unser Fang in den letzten Tagen war gut, obwohl die Fische durch die relativ warmen Temperaturen im See regelrecht umherschwirren. Wir wissen nie genau, wo sie sind", sagt der Senior schmunzelnd.

Einen 16 Kilogramm schweren Hecht haben die Kühns schon aus dem Gewässer gefischt. Das Fahren mit motorisierten Sportbooten ist auf dem See verboten. Alexander Kühn aber kann regelmäßig mit seinem Fischereiboot mit Motor rausfahren, um die Netze und annähernd 15 Reusen zu kontrollieren und den Fang zu sichern. "Die Netze fertigen wir mit Ober- und Unterleine sowie Garn immer noch selbst, dann wissen wir, was wir haben", sagt der Junior.

Vater und Sohn ist aber auch aufgefallen, dass der über Jahrzehnte gewachsene Schilfgürtel des Plessower Sees in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist. "Dabei ist er für die Fortpflanzung der Fische und als Rückzugsgebiet für die Tiere im und auf dem Gewässer sehr wichtig." Beide zeigen sich besorgt über diese Entwicklung, zumal keine Änderung in Sicht ist. Im Gegenteil, durch die touristische Erschließung der Region und des Erholungsortes Werder ist das Gewässer mit Resten des Schilfgürtels und sein Uferbereich erheblichen Belastungen ausgesetzt.

Viele Vögel geschossen

  • Kormorane, die bis zu 20 Jahre alt werden können, sind zu allen Jahreszeiten gesellig. Die Brutkolonien liegen an Küsten oder größeren Gewässern.
  • Im mitteleuropäischen Binnenland war die Art zeitweise fast ausgerottet. In den letzten Jahrzehnten sind die Bestände deutlich gestiegen.
  • Wie in Europa werden aktuell jedes Jahr auch in Deutschland viele Tausende Kormorane geschossen. Vor vier Jahren war der Kormoran in Deutschland und Österreich noch Vogel des Jahres 2010.
  • Die Vögel brüten in Kolonien. Die Nester werden auch auf hohen Bäumen an Gewässern wie dem Plessower See angelegt.

Von Regine Greiner

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