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Potsdam-Mittelmark Wölfe statt Windräder
Lokales Potsdam-Mittelmark Wölfe statt Windräder
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11:26 04.08.2014
15 Windräder sind aktuell geplant.
15 Windräder sind aktuell geplant. Quelle: dpa (Archiv)
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Bad Belzig

Die Reesdorfer Heide sollte unter Schutz gestellt werden. Das ist zumindest der Wille der großen Koalition im Kreistag Potsdam-Mittelmark. Ihre Aufforderung an die Untere Naturschutzbehörde, entsprechende Möglichkeiten zu prüfen, ist dennoch in der letzten Sitzung der zu Ende gegangenen Legislaturperiode nicht mehr abgestimmt, sondern zurückgezogen worden.

„Der Beschlussvorschlag war handwerklich einfach schlecht vorbereitet und somit sachlich nicht durchsetzbar“, hieß es aus Abgeordnetenkreisen durchaus selbstkritisch. Sie zeigten sich allerdings durchaus zuversichtlich, dass er nach der Sommerpause wieder ins Parlament kommt und dort weiterhin mehrheitsfähig bleibt.

Pläne für 15 Windräder

Konkret soll die Fläche zwischen dem militärischen Truppenübungsplatz Brück/Lehnin im Westen und Landstraße 88 (Busendorf – Beelitz) im Norden und Osten sowie B 246 (Beelitz – Brück) im Süden betrachtet und möglichst als schützenswertes Biotop ausgewiesen werden. Insbesondere wird auf die Bedeutung des ausgedehnten Forstes als Korridor zwischen Naturpark Nuthe-Nieplitz und Truppenübungsplatz Brück/Lehnin hingewiesen, wo jeweils seit einiger Zeit die unter Schutz stehenden Wölfe siedeln. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass der Regionalplanentwurf Havelland-Fläming dort aber geeignete Flächen zur Nutzung von Windenergie reserviert hat. Konkret ist die Juwi-GmbH bestrebt, dort 15 Windräder aufzustellen, wofür Rodungen in Kauf genommen werden müssten. Vor Ort gibt es unter anderem deshalb massiven Protest von Anwohnern.

Ob die Behörde allerdings wirklich eine Schutzwürdigkeit feststellt und damit tatsächlich die Investition stoppen kann, ist allemal offen. Bestenfalls wird das Verfahren zur Genehmigung der Investition verzögert.

Prominente Mahner

  • „Ein Feuer am Windrad löscht keiner“, erklärte Wolfgang Blasig (SPD) im Rahmen eines Vor-Ort-Termins im Feuerwehrtechnischen Zentrum Beelitz-Heilstätten. Solche Anlagen lasse man allenfalls kontrolliert herunterbrennen. „In einem trockenen Kieferbestand funktioniert das aber nicht“, sagt der Landrat.
  • Er meint zudem, dass dieses komplexe Problem ministeriumsübergreifend gelöst werden müsse. „Die Mindestfreifläche um solche Anlagen regelt das Umweltministerium, die Brandschutzauflagen dagegen das Innenministerium.“
  • Mike Schubert, Beauftragter für Zivil-Militärische Zusammenarbeit des Innenministeriums, findet, dass für Windräder bereits hohe Brandschutzbestimmungen gelten. „In der Gondel der Windräder müssen Brandschutzanlagen installiert sein und sie müssen sich im Falle eines Feuers automatisch und unverzüglich abschalten.“

50.000 Euro für ein Artenschutz-Gutachten

Derweil hat der Kreistag Potsdam-Mittelmark schon – dem Anliegen der Stadtväter von Werder/Havel folgend – den Prüfauftrag für Flugsand- und Jungdünengebiete an der A 10 sowie der „zwei dicken Eichen“ in der Plessower Heide formuliert und befürwortet. Die Kommune selbst hat schon Ende 2012 beschlossen, 50.000 Euro für ein Artenschutz-Gutachten auszugeben. Mit dem Nachweis von Fischadler oder Rotem Milan hofft sie die Errichtung der bis zu 200 Meter hohen Windräder verhindern zu können.

„Eigentlich könnten wir mit der Unterschutzstellung des gesamten Kreises Potsdam-Mittelmark gut leben“, sagte Elke Seidel. Doch die Energiewende-Aktivistin aus Beelitz kritisierte, dass es fast ein Jahr lang gedauert habe, seit der Landrat von der Bliesendorfer Bürgerinitiative mit der Problematik konfrontiert worden ist, bis zur Beschlussreife ihres Anliegens. Dabei gab es zum Antrag weder eine Karte noch Diskussionen in den Fachausschüssen, bedauerte die bündnisgrüne Politikerin schließlich. „Es gehe lediglich darum, eine fachliche Prüfung in Gang zu bringen“, rechtfertigte sich der Verwaltungschef. Deren Ergebnis müsse erst einmal abgewartet werden, findet Wolfgang Blasig (SPD).

Von René Gaffron

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