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Potsdam-Mittelmark Märkisches Kaleidoskop im Landarbeiterhaus
Lokales Potsdam-Mittelmark Märkisches Kaleidoskop im Landarbeiterhaus
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11:02 01.12.2016
„3 Baal-Monologe“ heißt das hölzerne Trio des Malers und Grafikers Rainer Ehrt in der aktuellen Ausstellung.
„3 Baal-Monologe“ heißt das hölzerne Trio des Malers und Grafikers Rainer Ehrt in der aktuellen Ausstellung. Quelle: Lothar Krone
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Kleinmachnow

Die ansteckende Kreativität von Künstlern fand bei der Eröffnung der Ausstellung bereits auf den Freiflächen rund um das Landarbeiterhaus eine würdige Entsprechung. Einige der zahlreichen Besucher der Mitgliederschau des Kunstvereins „Die Brücke“ verschachtelten ihre Blechkarossen zu einem anspruchsvollen Parkplatz-Labyrinth. Drinnen bestätigten sich dann schlimmste klaustrophobische Ahnungen: Zwischen den Plastiken, Installationen, Fotos, Grafiken und Bildern der 18 ausstellenden Künstler bewegte sich ein scheinbar nie versiegender Strom von Kunstinteressierten.

„Eigenes“ verheißt der Titel dem Besucher und ob dies ein Versprechen oder eher eine Drohung ist, können diese nun selbst entscheiden. Hängen lässt sich personale Vielfalt immer schwer, zumal wenn es keine thematische Vorgabe gibt. Das Ergebnis dieser Zusammenschau ist spannend, vielgestaltig und mitunter auch kaleidoskopisch bunt. Obwohl das qualitative Spektrum der Ausstellungsstücke groß ist, fällt das kaum ins Gewicht, da die Arbeiten der Berufskünstler die Ausstellung dominieren. Bettina Lehfeldt nennt ihre großformatige grafische Leinwandmalerei einfach „große Zeichnung“ und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Ähnlich einer Landschaft konzentrieren sich ihre klaren grafischen Strukturen unterhalb einer Art Horizontlinie und eröffnen der Fantasie einen ungestörten Blick auf ein beliebig deutbares wundervolles Etwas.

In direkter Nachbarschaft zu Lehfeldts Elegie buhlen drei sparsam bemalte, grob bearbeitete Holzskulpturen um die Aufmerksamkeit der Besucher. „3 Baal-Monologe“ heißt das Trio des Malers und Grafikers Rainer Ehrt, der sich immer mal wieder erfolgreich auf dem Gebiet der Plastik und Installation versucht. Ehrt hat das Baal-Thema bereits 2007 in einem opulenten Künstlerbuch ausgebreitet. Es bedarf keiner prophetischen Gaben, um zu vermuten, dass die wirkungsvoll in Augenhöhe platzierten drei Figuren nicht sein letzter Kommentar zu diesem Brecht-Drama sein werden. Neben solchen raumgreifenden künstlerischen Ansätzen gibt es aber auch jede Menge kleinere Arbeiten zu entdecken. Die haben den Vorzug, dass man sie auch mit kleinem Geldbeutel bezahlen und danach in das eigene Leben einbauen kann.

Auffällig ist der große Anteil von Objektkunst, wie das originale Rhabarberblatt von Sigrid Aschayeri, das die Künstlerin nicht nur zum Drucken verwendete, sondern wie ein Pflanzenpräparat rahmte und unter Glas eindrucksvoll inszenierte. Häufig drängelten sich die Besucher gefährlich nah an den Druckgrafiken, Fotografien, Plastiken und Bildern vorbei, doch keines nahm Schaden. Selbst das kleine aus Draht und Seidenpapier kreierte Segelboot von Petra Wällstedt überstand diesen Besuchertsunami unversehrt. Auch das spricht für die Ausstellung.

Petra Wällstedts „Jetzt fahr’n wir übern See, übern See“ genanntes Segelboot. Quelle: Lothar Krone

Zu sehen ist die Ausstellung am Zehlendorfer Damm 200 bis zur Finissage/Neujahrsempfang am 15. Januar 2017; geöffnet immer am Wochenende jeweils von 14- 18 Uhr

Von Lothar Krone