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Potsdam-Mittelmark Matthias Koeppel zeigt „Merk-Würdigkeiten“
Lokales Potsdam-Mittelmark Matthias Koeppel zeigt „Merk-Würdigkeiten“
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16:31 10.08.2017
Matthias Koeppels „Touristenmeile“ (2014, Öl). Quelle: Edith Mende
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Werder

Der Künstler Matthias ­Koeppel liebt das Reisen und malt selbst im Urlaub. So scheint es zumindest dem unbedarften Gast, der die neue Ausstellung „Koeppels Merk-Würdigkeiten“ in der Stadtgalerie unterm Dach des Werderaner Schützenhauses besucht. Die Schau mache Lust auf Urlaub, bekundete bei der Vernissage am Mittwochabend auch Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU).

Matthias Koeppel hielt dagegen, er habe noch nie in seinem Leben Urlaub gemacht. Er gehe auch nicht im eigentlichen Sinne spazieren. Es seien immer Arbeitsgänge, um Dinge zu betrachten, nie ohne Zeichenblock. Auch seine Vorliebe für kleine Formate erklärt er so. Große seien beim Malen unter freiem Himmel viel zu windanfällig. Und seit Jahrzehnten blieben stets mehrere Bilder am Ort seiner Reisen, fanden dort ihre Käufer.

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Himmel nimmt viel Platz auf Koeppels Bildern ein

In wenigen Tagen feiert Matthias Koeppel seinen 80. Geburtstag. Bis 2003 war er Professor für Freies Malen und Zeichnen an der TU Berlin. Die Hauptstadt hat in ihm auch einen Chronisten, der Veränderungen festhält. Viele öffentliche Gebäude schmücken sich mit seinen Arbeiten. Im preußischen Landtag findet man beispielsweise das Triptychon „Öffnung der Berliner Mauer“.

Nilsegler (Ägypten) (2012, Öl) Quelle: Edith Mende

„Einen Meister des Himmels“ nennt Stadtgalerie-Kurator Frank W. Weber den Maler. Und fürwahr, dem Himmel schenkt Koeppel in nahezu all seinen Bildern besonderen Raum und besondere Aufmerksamkeit. Ob Sommerblau mit feinen weißen Federchen, bedrohlich graue Wolkenberge oder Sonnenuntergänge in mannigfaltigen Rottönen, hier entsteht die Stimmung, die das Bild ausmacht. „Der Himmel ist wie eine Theaterbühne“, erläutert Matthias Koeppel. „Ein Gegenstand bekommt davor eine andere Bedeutung. Das ist ein dramaturgischer Kniff, eine Hinguck-Hilfe.“

Geschichte der Coladose

Ein kleiner roter Klecks zieht bei einigen Arbeiten den Blick auf sich, eine Coladose. Das habe sich per Zufall ergeben, schmunzelt der Maler. „Ich hatte eine Berliner Stadtlandschaft gemalt, die mir etwas zu asphaltgrau erschien. Das Rot einer solchen Dose belebte das Bild.“ Seitdem tauchte das leuchtend rote Ding häufiger in Koeppels Arbeiten auf. Eines Tages sei eine Frau in seinem Atelier erschienen, erzählte er am Mittwochabend. Sie reklamierte, dass auf ihrem drei Jahre zuvor gekauften Bild keine Coladose zu sehen sei. „Ich fand noch ein Plätzchen, wo ich das wunschgemäß nacharbeiten konnte.“ Am 9. November 1989 war Matthias Koeppel dabei, als Tausende Trabbis nach Westberlin tuckerten. Da sah er auf dem breiten weißen Grenzstreifen eine Coladose liegen. Wie ein Symbol, dass hier das Reich des Kapitalismus beginnt, erinnert er sich.

„Brückenschlag zum Brandenburgischen Dom“ (2006, Öl) – dieses Bild stiftet der Künstler dem Fundus der Stadtgalerie Werder. Quelle: Edith Mende

In welchem Land Matthias Koeppel seine Malutensilien auch auspackte, er fand immer das Ungewöhnliche oder zumindest eine ungewohnte Perspektive. Den Strand von Kokkinos Pyrgos auf Kreta hat sich eine Gänseschar erobert, in den Dünen von Spiekeroog sah er einen einsamen Bauwagen, Südtiroler Weinberge malte er unbelaubt, so dass sie irgendwie nackt wirken. Auch feinen, hintergründigen Humor findet man, etwa beim brennenden und schließlich zerflossenen Fußball. Ein Phänomen, das nicht nur Berliner Fans kennen dürften. Schaut man in die Gesichter der abends vom Strand abziehenden Urlauber auf dem Bild „Fertig gebadet“, liest man darin eher Anspannung als Entspannung.

Kubismus und Realismus

Seit etwa zehn Jahren fließen auch Elemente des Kubismus in ­Koeppels Arbeiten ein. Erstaunlich für einen Künstler, der in den 1970er Jahren gemeinsam mit Kollegen die Fahne des Realismus in der Malerei hochhielt, weil die Abstraktion sich allzu schnell verbreitete? Effekte des Neokubismus könnten den Realismus erweitern, kontert der Maler. Er zeigt in Werder einige Beispiele dafür.

Die Ausstellung „Koeppels Merk-Würdigkeiten“ ist bis 1. Oktober in der Stadtgalerie, Uferstraße 10, zu sehen. Geöffnet donnerstags, samstags und sonntags zwischen 13 und 18 Uhr.

Von Edith Mende