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Potsdam-Mittelmark Installation mit Mauersegmenten in Teltow
Lokales Potsdam-Mittelmark Installation mit Mauersegmenten in Teltow
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18:11 25.11.2018
Mauerkunst in Teltow.
Mauerkunst in Teltow. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
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Teltow

Darauf, dass auch heute in Europa noch neue Grenzen oder sogar Mauern errichtet und damit Familien auseinandergerissen werden, möchte der georgische Künstler Besik Maziashvilis (43) mit seiner Installation „65 Degrees“ im ehemaligen Teltower Betonwerk Klösters aufmerksam machen. Er hat zehn Mauersegmente bewegt und ihnen neue Standorte gegeben. Ebenfalls miteingebaut hat er einen Spiegelkasten sowie ein Grenzschild der Trennlinie zu Südossetien, dem von Russland besetzten Teil Georgiens. Der Spiegel soll es dem Betrachter ermöglichen, sich selbst im Umfeld der Mauerreste zu sehen, die für den Künstler auch Hoffnung bedeuten, wie er erklärte.

Als Emigrant – Maziashvilis lebt in Berlin – versuche man immer, etwas zu finden, was zur eigenen Heimat und Kultur ähnlich sei, so der Georgier. Die Mauer sei dabei das Auffälligste. Auch sein Land sei geteilt, und viele Familien seien getrennt; alle Georgier seien davon betroffen, erzählte er.

Auch Elguja Khokrishvili, Botschafter und ehemaliger Minister Georgiens, der in Potsdam Volkswirtschaftslehre studiert hat, sieht das ähnlich: Die Berliner Mauer habe fast drei Jahrzehnte lang die Besatzung und Feindseligkeit von Völkern symbolisiert, erklärte er bei der Eröffnung des Kunst-Events, und sie habe auch viele Leben gekostet. Heute sei sie aber ein Symbol für den Frieden. Vor den zahlreichen Gästen – eine große Gruppe in Deutschland stationierter georgischer Soldaten war mit Bussen nach Teltow gekommen – erinnerte er daran, dass zehn Jahre nach dem russisch-georgischen Krieg noch immer ein Fünftel des georgischen Gebietes besetzt sei.

Als Gastgeber der Veranstaltung erzählte Klösters-Chef Elmar Prost von der Geschichte der Mauerteile, die von seinem Unternehmen in den 1990er-Jahren für Schüttgutboxen genutzt worden waren. „Keiner wollte sie damals haben, wir konnten sie gebrauchten.“ Später, als erkannt worden war, dass es sich dabei um Originalteile der Berliner Mauer handelt, seien sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden; Teile davon wurden auch Künstlern zur Verfügung gestellt. Nach der East Side Gallery handle es sich bei der Ansammlung in Teltow um die größte Ausstellung von Mauerteilen, so Prost. „Heute findet man sie auf der ganzen Welt – als Symbol der Freiheit und der friedlichen Revolution, die wir hier erleben durften. Und als solches wollen wir sie auch verstanden wissen.“ Er hoffe, dass auch in Georgien die Mauern und Grenzen hoffentlich bald fallen.

Von Konstanze Kobel-Höller