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Michendorf Bahnhof mit Kiosk und historischen Postkarten
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Bahnhof mit Kiosk und historischen Postkarten
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12:54 25.05.2018
Bahnhofspläne: Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU), Bahnhofseigentümer Thomas Drechsel und Architekt Hajo Mattern (v.l.) vor dem Stationsgebäude.
Bahnhofspläne: Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU), Bahnhofseigentümer Thomas Drechsel und Architekt Hajo Mattern (v.l.) vor dem Stationsgebäude. Quelle: Jens Steglich
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Michendorf

Wer genauer hinschaut, wird es bemerken: Der Michendorfer Bahnhof sieht außen frisch geputzt aus. Die Fassaden auf der Vorder- und der besonders beschmierten Hinterseite sind gereinigt und von Graffiti befreit worden. Auch in der Eingangshalle laufen Sanierungsarbeiten. Die äußere Hülle des denkmalgeschützten Stationsgebäudes und die Vorhalle sollen bis Ende Juli fertig sein. „Die Sanierung des gesamten Bahnhofs wollen wir bis Frühjahr 2019 abschließen“, sagte Thomas Drechsel.

Der Berliner hatte den Michendorfer Bahnhof am 24. März 2017 für 313 000 Euro ersteigert. Er geht davon aus, dass die Sanierung in etwa noch einmal so viel kosten wird. Am Donnerstag informierten Drechsel und Architekt Hajo Mattern mit Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU) bei einem gemeinsamen Pressetermin über den Stand der Arbeiten.

Tauziehen um die Frage, wer zuständig ist

Drechsel, der für Sanierungen alter Gebäude ein eigenes, bei ihm angestelltes Handwerkerteam aufbieten kann, wäre eigentlich schon weiter vorangekommen. Verzögert wurde der Sanierungsakt vor allem durch ein langes Tauziehen um die Frage, wer für Baugenehmigungen am Bahnhof zuständig ist. Die Bauaufsicht des Kreises fühlte sich nicht zuständig, weil die Deutschen Bahn den Bahnhof nicht entwidmet hat. Die Bahn aber entwidmet das Stationsgebäude nicht, weil der Fußgängertunnel am Haus Bahneigentum bleibt und die Stromtrasse vom Bahngelände über das Dach des Gebäudes führt.

„Hier hat uns die Gemeinde geholfen“, sagte Drechsel. Bei einem Gespräch zwischen Bürgermeister und Landrat sei die Sache aus der Welt geschafft worden. Die Bauanträge liegen inzwischen auf dem Tisch der mittelmärkische Baubehörde. „Wir warten jetzt auf die Baugenehmigungen für die Gewerberäume und für den Kiosk“, so Drechsel. Der etwa 20 Quadratmeter große Kiosk mit Toilette entsteht in der Vorhalle – mit Fließen an den Außenwänden nach dem Vorbild eines Kioskes im Berliner Bahnhof Nikolassee. Für die Vorhalle in Michendorf wurden die historischen Fließen nachgebaut, um Lücken originalgetreu zu schließen. Wer den Kiosk betreibt, ist noch nicht entschieden. Eine Anwärterin könnte Jennifer Henke sein, die das Bahnhofslokal „Schneiders“ betreibt. „Ich wäre gesprächsbereit“, sagte sie. Für ihre Gaststätte hat sie bereits einen neuen Mietvertrag erhalten.

Die gemeinnützige Kubus GmbH zieht in den Bahnhof mit ein

Außerdem wird die Kubus gGmbH in den Bahnhof einziehen. Sie will alle Gewerbeeinheiten in den oberen Etagen auf der rechten Bahnhofsseite mieten. Die gemeinnützige GmbH arbeitet unter anderem mit dem mittelmärkischen Jobcenter Maia zusammen und fördert zum Beispiel Langzeitarbeitslose.

Dass Thomas Drechsel den Michendorfer Bahnhof erworben hat, bezeichnete Bürgermeister Mirbach als Glücksfall für die Gemeinde. Mit seinem Handwerkerteam könne er den Bahnhof auch kostengünstiger sanieren als die Gemeinde, die jede Maßnahme hätte ausschreiben müssen.

Historische Postkarte von 1932: Solche Motive vom Bahnhof Michendorf sollen das Stationsgebäude innen verschönern. Quelle: Mattern

Drechsel, der in den 1980er Jahren in Westberlin die Currywurstkette „Wurstmaxe“ gründete und dessen Hauptgeschäft inzwischen die Entwicklung von Immobilien ist, bewies unter anderem am Bahnhof Mexikoplatz seinen Sinn für Details. Den Michendorfer Bahnhof will er innen mit historischen Postkarten vom Stationsgebäude verschönern. Die Karten aus alten Tagen sollen auf 1,60 mal 1,80 Meter vergrößert und wie Tapeten an den Wänden verewigt werden. Auch ein gelbes Schild, das er auf dem Trödelmarkt entdeckte, will er in Absprache mit den Denkmalschützern am Bahnhof anbringen. Darauf steht: „Das Geld des Dorfes dem Dorfe.“

Teile des Bahnhofs wurden bereits 1879 gebaut

Laut dem Architekten Hajo Mattern sind Teile des Michendorfer Bahnhofs bereits 1879 gebaut worden. Seine jetzige Gestalt erhielt er 1915.

Der Architekt arbeitet schon länger mit Thomas Drechsel zusammen. Gemeinsam haben sie unter anderem die Berliner Bahnhöfe Mexikoplatz, Humboldthain und Nikolassee saniert.

In noch zu vergebende Gewerberäume im linken Seitenbereich des Michendorfer Bahnhof könnte eine Hebamme einziehen. Gespräche hätten bereits stattgefunden. Zwei Wohnungen im Bahnhof genießen Bestandschutz und sind vermietet.

Von Jens Steglich