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Michendorf Das war der 11. Michendorfer Nikolaus-Lauf
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13:21 09.12.2019
Der Nikolauslauf in Michendorf. Quelle: Fotos: Varvara Smirnova
Michendorf

Es ist laut. Ohne Unterlass spricht ein Mann in ein Mikrofon und liefert sich einen Lautstärke-Kampf mit der Musikanlage. Der Mann und sein Mikrofon stehen in der Potsdamer Straße in Michendorf. Es ist ein besonderer Tag in der kleinen Kommune. Und der Mikrofon-Mann ist Teil davon. 1130 Sportler, alle mehr oder weniger wie ein Nikolaus verkleidet, warten auf den Startschuss des 11. Michendorfer Nikolaus-Laufes.

Rotröcke soweit das Auge reicht: Der Nikolauslauf in Michendorf ist jedes Jahr nicht nur ein Breitensportevent, sondern auch ein aufs Weihnachtsfest einstimmender Hingucker. Hier die schönsten Impressionen.

Sie haben sich auf Höhe der Kegelbahn, wo sich die Läufer anmelden, gesammelt. So weit das Auge reicht, sind rot-weiß gekleidete Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder zu sehen. Es bleiben noch 20 Minuten bis das Startsignal die 2,5 Kilometer lange Route freigibt. Die Temperatur ist angenehm. Nicht zu warm. Wenn der Wind kräftig bläst, scheint es allerdings kälter zu sein, als es ist.

„Der Lauf passt zur Seele des Ortes“

Die Nervosität scheint zu steigen. Die Traube direkt vor der Startbegrenzung wird immer enger. Ralf Jechow (39) und seine Tochter Fenja (12) stehen etwas weiter hinten und machen einen gelassenen Eindruck. „Wir machen jetzt das fünfte Mal mit“, sagt Ralf Jechow. Der schlanke Mann mit einem Kinnbart muss gegen den Mikrofon-Mann anrufen, damit er gut zu verstehen ist. Seine Tochter lief die ersten Jahre noch beim Zipfelmützen-Lauf mit, den Lauf der kostümierten Kinder. „Dieser Lauf hat sich vor elf Jahren in Michendorf so festgebissen, dass er jetzt einfach zur Seele des Ortes passt“, sagt Ralf Jechow.

Das sind die schnellsten Nikoläuse

2,5-Kilometer-Strecke:

Frauen: 1. Leticia Killat (11,22), 2. Thekla Thielemann (12,35), 3. Luise Thielemann (12,35), Männer: 1. Jakob Hinkelmann (9,40), 2. Kylian Korjahn (10,25), 3. Jannis Hoffmann (10,30)

5-Kilometer-Strecke:

Frauen: 1. Luise Meißner, (24,30) 2. Eileen Gebhardt (24,38), 3. Lena Hohlfeld (24,43), Männer: 1. Daniel Naumann (17,27), 2. Nicolas Albl (18,01), 3. Benedikt Statt (18,03)

10-Kilometer-Strecke:

Frauen: 1. Laura Rütten (48,25), 2. Bärbel Heuschkel (49,58), 3. Jule Schäper-Kötter (50,20), Männer: 1. Dennis Heberer (34,04), 2. Chris Heinicke (34,25), 3. Jens Killat (36,38)

„Ich will dem inneren Schweinehund zeigen, dass ich die 2,5 Kilometer schaffe“, sagt der 39-Jährige und lacht. Vor allem geht es dem Vater-Tochter-Gespann aber um den Spaß. Vorbereitet haben sie sich deshalb nicht. „Vor zwei Jahren war ich Erster in meiner Altersgruppe“, sagt er zunächst mit Stolz – fügt aber mit lautem Lachen hinzu: „Von vieren.“

Glühwein entlang der Strecke

Ein weiteres Vater-Tochter-Team mit einer Freundin wartet auf einer Treppe direkt am Startpunkt. Volker Sperling (75) kommt aus Potsdam und ist regelmäßiger Läufer. Eine extra Vorbereitung war für ihn also nicht notwendig. Mit seiner Tochter, Grit Schmidt (50), läuft er zum zweiten Mal mit. Für die Familienfreundin Britta Küppers (50) ist es der dritte Lauf.

Sperling will fünf Kilometer laufen. Die beiden Frauen freuen sich vor allem auf die Gespräche mit den Familien entlang der Strecke, von denen einige Glühwein ausschenken. „Man kennt die Leute da eben schon und man trifft sich immer wieder. Das ist sehr schön“, sagt Grit Schmidt.

Mit mehr als 1100 Läufern am Limit

Die drei tragen, wie so viele der Läufer, ein leichtes Nikolaus-Kostüm. Selbstverständlich gehört die rote Zipfelmütze dazu. Viele der Teilnehmer haben das Kostüm bei der Anmeldung gekauft, vom Laufclub Michendorf, dem Organisator des Nikolaus-Laufes.

„Mit den mehr als 1100 Läufern sind wir am Limit angekommen“, sagt Udo Grötzner vom Laufclub. Er ist ein gefragter Mann an diesem Tag, als Kopf des Organisationsteams. Auch er ist passionierter Läufer. Eine Teilnahme in dem Nikolaus-Lauf sei für ihn aber nicht möglich, weil er zu viel zu tun habe, sagt er.

„Es geht ganz einfach um den Spaß der Läufer. Und die Strecke gibt nicht mehr her. Wir wollen bei dieser Rundstrecke mitten in Michendorf bleiben.“ Diese geht von der Potsdamer Straße über die Teltower Straße und die Langerwischer Straße zurück auf die Potsdamer Straße. Die Teilnehmer können sie einmal laufen, zweimal oder viermal. Die längste Strecke ist also zehn Kilometer.

Zu Hause warten Couch und Märchen

Ralf Jechow und seine Tochter Fenja haben sich für die kürzeste Variante entschieden. Nach etwa einer Viertelstunde kommen sie im Ziel an. Mit zwei Schoko-Weihnachtsmännern und zwei Teilnehmer-Urkunden im Arm sowie roten Wangen stehen die beiden in der Nähe des Zieleinlaufes.

Sie zeigen auf ihre Urkunden: „Ich habe die Strecke in 15,58 Minuten geschafft“, sagt Fenja, „aber ich habe ab und zu angehalten, um Luft zu holen.“ Ihr Vater ist dagegen durchgelaufen. „Ich habe 13,11 Minuten gebraucht“, sagt er, „jetzt freuen wir uns auf die Couch und das Märchen im Fernsehen“, sagt Jechow und grinst.

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Von Annika Jensen

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