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Michendorf Der Raub der Sabinerinnen- wie die Premiere war
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21:11 27.11.2019
Volksbühne Michendorf präsentiert: Der Raub der Sabinerinnen Quelle: L. Reimann
Michendorf

„Der Raub der Sabinerinnen“ von Franz und Paul von Schönthan ist ein Klassiker der deutschsprachigen Komödie. Seit der Uraufführung 1883 in Stettin hat das Stück ganze Generationen von Theaterbesuchern vor Lachen aus den Sitzen geschüttelt. Nimmt man den heftigen Premierenapplaus in Michendorf als alleinigen Maßstab, so waren die Besucher der Volksbühne zum Schluss auch diesmal begeistert. Dabei kam die Inszenierung von Steffen Löser nur langsam in Fahrt und wirkte mitunter wie im Probenmodus laufend. Das Bühnenbild von Martin Riedl passte sich in seiner historischen Unentschiedenheit diesem Befund an. Erschwerend kam hinzu, dass dieses in die Jahre gekommene Stück weit entfernt ist vom heutigen Sprachgebrauch.

Die Fabel ist schnell erzählt. Gymnasialprofessor Gollwitz (Ulrich Seffen) hatte sich in der Studienzeit zum Dichter einer „Der Raub der Sabinerinnen“ getitelten Römertragödie aufgeschwungen, die mit dem Auftauchen eines Wandertheaters in der Stadt eine wundersame Auferstehung erlebt. Der Prinzipal dieser Bühne, Emanuel Striese (Hartmut Guy) ist durch das Stück und die Aussicht auf volle Theaterränge völlig euphorisiert. Er sichert dem zögerlichen Professor Anonymität als Autor zu und der geht das Aufführungsrisiko ein, zumal er seine Frau Friederike (Monika Disse) und Tochter Paula (Julenka Werkmeister) zur Kur in Heringsdorf wähnt. Komödientypisches Chaos entsteht, als Gattin und Tochter unangekündigt heimreisen und die ohnehin instabilen Beziehungsgerüste der Protagonisten nun bedenklich zu wackeln beginnen. So knabbert an der Ehe der Tochter Marianne (Tina-Nicole Kaiser) mit dem Arzt Dr. Neumeister (Hartmut Kühn) ein fetter Eifersuchtswurm und zeitgleich sprühen zwischen Paula und dem Schauspieler Sterneck (Tobias Grabowski) erste Liebesfunken. Eine finale Katastrophe am Sabinerinnen-Premierenabend scheint programmiert. Zu Katalysatoren dieser explosiven Gemengelage werden noch Sternecks Vater und der Diener des Professors (beide Rollen Thorsten Reimann), sodass einem zünftigen Totalschaden scheinbar nichts mehr im Wege steht.

An Ingredienzien für ein Spektakel war also kein Mangel. Trotzdem wollte das von der Volksbühne gewohnte Bühnenfeuerwerk oft nur flackernd zünden. Auffällig war, wie Disse als Professorengattin durch permanent grellen Stimmeinsatz vielen ihrer Auftritte die Wirkung nahm. Dabei war ihr komisches Talent durchaus erkennbar, wenn Maß und Timing stimmten. Strieses berühmte Verteidigungsrede für das Schmierentheater schwelgte dafür unerwartet in einem über die ganze Bühne gegossenen pathetischen Scheinwerferrot und wurde von Guy fast gehaucht. Nach der Pause wurde es lebhafter. Das große Strahlen aber blieb aus.

Von Lothar Krone

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