Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Michendorf Die Feiermeister
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Die Feiermeister
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:29 31.07.2019
Bereit fürs nächste große Fest: Andreas Block, Jens Schreinicke, Annette Schreinicke, Ortsvorsteher Udo Reich, Eric Fechner, Tino Heinicke und Heiko Wüstenhagen. Quelle: Jens Steglich
Stücken

Sie haben ein eigenes Blasorchester, feiern im Jahr zehn Feste und haben vermutlich den einzigen Heimatverein in der Bundesrepublik, der zur 80er-Jahre-Disko einlädt. Was sich wie eine Meldung aus dem Reich der Kuriositäten anhört, ist in Stücken Brauchtumspflege, aber dazu später mehr. Nun schicken sich die Stückener an, für ganz Potsdam-Mittelmark eine Feier auszurichten.

Im nächsten Jahr wird das kleine Dorf im Mittelpunkt der Mittelmark stehen und erstmals das Kreiserntefest austragen. Die Entscheidung ist jetzt gefallen. Als die Anfrage dazu kam, haben sie in den Vereinen darüber abgestimmt, ob Stücken es wagen soll. „Die Vereine haben mehrheitlich zugestimmt. Das ist Demokratie“, sagt Landwirt Jens Schreinicke. „Die dagegen waren, müssen sich aber beim Kreiserntefest am Bierstand hinten anstellen“, sagt Tino Heinicke, der Blogger von Stücken.de. Humor haben sie auch – im Ort mit den 500 Einwohnern, der acht Vereine und Institutionen wie den 11-Uhr-11-Club zu bieten hat und in dem seit 90 Jahren im Winter ein Bär geschlachtet wird. Ja, zur Fastnachtsfeier, wenn der Winter vertrieben wird, fließt Blut, das in Stücken hohen Alkoholgehalt hat. Der Bär hat Rotwein in den Adern.

Stückens Skyline beim Sonnenuntergang. Quelle: Jens Steglich

Zu den Festen in Stückens Kulturkalender gehören auch die weniger bekannten Rentner- und Frauentagsfeiern, die es aber in sich haben. Es gibt nicht nur Kaffee und Kuchen. Zur Frauentagsfeier bedienen die Männer und einmal zogen sich auch welche aus – Striptease zum 8. März. Die Stripper kamen freilich von auswärts und wurden bezahlt – vom Ortsbeirat. Geplant war es als Dankeschön-Veranstaltung. Gegen die Stripp-Einlage gab es indes Protest in der Ü-80-Generation.

Warum aber ist Stücken der richtige Ort fürs Kreiserntefest? „Weil Stücken zusammenhält“, sagt Annette Schreinicke, Chefin des Feuerwehrfördervereins. „Und weil wir es können“, so Heimatvereinsvorsitzender Heiko Wüstenhagen. Bewiesen haben sie es zuletzt in Großversion zur 700-Jahrfeier 2017 oder als sie 2015 ihr Blasorchester hochleben ließen – zum 50. Geburtstag der Kapelle, in der Feuerwehrmänner, Heizungsmonteure Lokomotivführer und ein Schmied unter anderem die Amboss-Polka spielen.

Die muskalischen Botschafter: Stückens Blasorchester wird weit über die Ortsgrenzen hinaus gern gebucht. Hier sind die Musiker beim Festumzug zum 700jährigen Bestehen von Stücken zu sehen.. Quelle: Jens Steglich

Das Blasorchester war 1989 für einen Augenblick Teil der großen Weltgeschichte. Kurz nach dem Mauerfall im November 1989 sind die Musikanten eigentlich für den Karnevalsumzug in Beelitz gebucht, entscheiden dann aber spontan, in den Westen zu marschieren. Sie tun das nicht irgendwo. Die Musiker laufen in Karnevalskostümen und mit Pauken und Trompeten über die Glienicker Brücke. Beim Marsch in den Westen spielen sie den Song „In die weite Welt“ und werden bejubelt. „Wir hatten alle Gänsehaut“, erzählt Andreas Block, heute Vorsitzender des Orchesters. 2020 wird es 55 Jahre alt. Damit das Kreiserntefest eine Stückener Note bekommt, wird das Schnapszahl-Jubiläum mit Blasmusikfest gleich mit gefeiert. Und weil aller guten Dinge drei sind, planen die Stückener noch ein Oktoberfest. Das Feste-Trio geht am 19. und 20. September 2020 über die Bühne.

Stückens legendäre Uschi-Party, die 80er-Jahre-Disko, findet weiter im Mai statt. Seit 2006 lädt der Heimatverein dazu ein, die Wiederauferstehung der Party zu feiern, die nach Uschi Liebzeit benannt ist, die von Ostberlin nach Stücken kam und eine Disko begründete, die zu DDR-Zeiten Massen anzog.

Stückens Landwirt Jens Schreinicke mit Kuh Karla, die beim Weideabtrieb die Herde anführen sollte, ihre Aufgabe aber nicht ganz erfüllte. Quelle: Jens Steglich

So ein Revival wünscht sich mancher auch vom historischen Weideabtrieb. Es ist der 18. November 2017: Die Stückener und ihre Gäste fiebern dem ersten Weideabtrieb in der 700-jährigen Ortsgeschichte entgegen. Es ist alles angerichtet für ein großes Fest, nur die Tiere spielen nicht mit, büxen aus und rennen auf ihre Sommerweide zurück. Die Stückener feiern trotzdem – den ersten Weideabtrieb ohne Kühe.

Von Jens Steglich

Die seit vielen Jahren geplante Erweiterung des evangelischen Friedhofes in Wilhelmshorst hat begonnen. Künftig können Bewohner der Waldgemeinde ihre letzte Ruhe auch unter Bäumen finden. Bei der Neugestaltung des Friedhofes kann die Kirchengemeinde auf tatkräftige Hilfe der weltlichen Gemeinde bauen.

31.07.2019

Sie haben einen Ehrenkodex, eine legendäre Fischsuppe und ein traditionelles Fest zu bieten – Michendorfs Petrijünger laden am 3. August zum 20. Anglerfest ein. Die Feier dient auch zur Erfüllung einer Mission und ist Vorspiel für eine große Fete im nächsten Jahr.

30.07.2019

Ursula Hundt kam vor knapp 60 Jahren nach Michendorf (Potsdam-Mittelmark) und wollte nicht lange bleiben. Heute ist sie im Ort die berühmteste Kindergärtnerin, auch wenn ihr wahrer Name weitgehend unbekannt ist. In Michendorf heißt sie Tante Ursel, selbst die Post erreicht sie so – und auch das Bundesverdienstkreuz.

30.07.2019