Erweiterung der Michendorfer´Grundschule kostet sechs Millionen mehr als geplant
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Michendorf Michendorfer Schulcampus kostet sechs Millionen Euro mehr als geplant
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Erweiterung der Michendorfer´Grundschule kostet sechs Millionen mehr als geplant

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20:15 08.10.2020
Der Grundschulstandort (helle Bauquader) aus der Luft. Es entstehen ein weiteres Schulhaus, eine Turnhalle und eine Außensportanlage.
Der Grundschulstandort (helle Bauquader) aus der Luft. Es entstehen ein weiteres Schulhaus, eine Turnhalle und eine Außensportanlage. Quelle: Lutz Hannemann
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Die Erweiterung der Grundschule am Meisenweg wird sechs Millionen Euro teurer als geplant und damit zum größten finanziellen Kraftakt in der Geschichte der Gemeinde Michendorf. Der Ausbau des Schulstandorts zu einem modernen Campus kostet insgesamt 14 Millionen Euro, ursprünglich wurde mit acht Millionen gerechnet. Die Kommune will das Vorhaben über Kredite, aus eigenen Mitteln und mit Fördergeld finanzieren. Geplant ist, Kredite in Höhe von 5,5 Millionen Euro aufzunehmen, sagte Kämmerin Kristin Lachmann. Zuvor hatte sie drei Millionen Euro an Krediten für das Projekt vorgesehen. 2,25 Millionen Euro stellt der Bund aus seinem Förderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen“ zur Verfügung.

Planungsbüro erhielt den Zuschlag in europaweiter Ausschreibung

Die Gesamtkosten von 14 Millionen Euro nannte Architekt Christoph Galandi bei der Vorstellung der Planung am Mittwochabend in der Michendorfer Gemeindevertretung. Er ist Geschäftsführer eines Architektenbüros aus Berlin-Charlottenburg, das in einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag für die Ausbau-Planung erhalten hat. In der Gemeindevertretung stellte er das Konzept vor, wie die Grundschule, die arge Platzprobleme plagen, zu einer „zukunftsweisenden Schule mit Campus-Ambiente“ entwickelt werden soll. Der Plan kam im Saal gut an, über die Ursachen der Kostenexplosion wurde aber nicht gesprochen. Details darüber sollen im nächsten Bauausschuss dargelegt werden.

Bei der Kostensteigerung spielen mehrere Faktoren eine Rolle

„Es spielen mehrere Faktoren eine Rolle“, sagte Bürgermeisterin Claudia Nowka (BfM) auf Anfrage. Neben den gestiegenen Baukosten nannte sie auch die geänderte Schulbaurichtlinie, die höhere Anforderungen stelle. Zudem wird das Projekt gemäß der besagten Richtlinie jetzt auf einer größeren Baufläche realisiert. Und bei der zwei bis drei Jahre alten Schätzung wurden mit dem Mindestsatz die Baukosten berechnet. Das erfahrene Berliner Planungsbüro, das im Dezember 2019 den Zuschlag für das Michendorfer Projekt erhielt, hat die Baukosten mit dem Mittelsatz ermittelt. Galandi, der Architekt, sprach von einem ausgewogenen Standard.

Neubau und Bestandshäuser werden miteinander verbunden

Das von dem Büro vorgelegte Konzept sieht vor, zuerst ein neues Schulhaus zu bauen. Es soll zwischen das Hortgebäude und das vorhandene Schulhaus 2 gesetzt werden. Der Neubau und die Bestandsgebäude werden miteinander verbunden, so dass ein barrierefrei zugänglicher Gebäudekomplex entsteht.

Der flache, blaue Verbinder zwischen den beiden vorhandenen Schulhäusern soll abgerissen und durch einen neuen, bis oben aufgestockten ersetzt werden. . Quelle: Christel Köster

In zentraler Lage wird ein Mehrzweckgebäude mit Mensa platziert, das auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Auch dieses Mensa-Haus, das der Architekt als Herzstück bezeichnete, wird über ein Foyer mit dem Schulneubau verbunden sein.

Auf dem Areal entstehen auch Turnhalle und Außensportanlage

Auf dem Gelände am Meisenweg entstehen außerdem eine Zweifeld-Turnhalle und eine Außensportanlage mit Laufbahn und Weitsprunggrube. Der momentane Zeitplan sieht vor, die Vorplanung bis November 2020 abzuschließen und im Sommer 2021 den Bauantrag einzureichen. Mit den Arbeiten soll demnach im Januar 2022 begonnen werden. Bis 2024 soll der Grundschulcampus fertiggestellt sein.

Zeitplan muss wohl noch einmal geändert werden

Möglicherweise muss der Zeitplan noch einmal geändert werden. SPD-Fraktionschef Marin Kaspar machte darauf aufmerksam, dass die 2,25 Millionen Euro Fördermittel vom Bund, die für den Bau der Turnhalle zur Verfügung stehen, an einen „Maßnahmebeginn in 2021 gebunden seien. „Wir müssen den Zeitplan anhand der Förderbedingungen kritisch hinterfragen. Gegebenenfalls muss als erstes die Turnhalle gebaut werden oder wir bauen sie parallel zusammen mit dem Schulneubau“, sagte die Bürgermeisterin und fügte hinzu:. „Wir sind dankbar, dass wir wenigstens diese Förderung bekommen.“

Bürgermeisterin will neuen Beschlussvorschlag einbringen

Sie will für die Sitzung im November einen Beschlussvorschlag in die Gemeindevertretung einbringen. Es geht darum, von den Gemeindevertretern sich den Segen für die jetzt vorgestellte Planung mit den deutlich höheren Kosten zu holen. Den Grundsatzbeschluss, die Grundschule am Meisenweg zu erweitern, hatten die Gemeindevertreter im Juni 2018 gefasst.

Soll die Schule drei- oder gleich vierzügig ausgebaut werden?

Bei dem neuen Beschluss wird es auch um die Frage gehen, ob die Grundschule weiter wie bisher geplant dreizügig oder gleich vierzügig ausgebaut wird. Von SPD, Grünen, Linken und FDP liegt ein gemeinsamer Antrag vor, die Schule so auszubauen, dass sie vierzügig genutzt werden kann. Verwiesen wird dabei auf den steigenden Kitaplatz-Bedarf, der zeitversetzt auch in Schule und Hort zu einem höheren Platzbedarf führen werde. Die geplante Sporthalle und die vorhandenen Flächen am Standort im Meisenweg seien ausreichend für eine vierzügige Grundschule, sagte der Architekt.

Areal an alter Turnhalle wird für weiteren Bauabschnitt vorgehalten

Das Areal. auf dem die alte Turnhalle steht, ist „Vorhaltefläche“ für einen weiteren Bauabschnitt, falls die Schule vierzügig ausgebaut werden soll. Die alte Sporthalle wird abgerissen, sobald die neue Halle nutzbar ist, und würde dann für ein weiteres Haus weichen, in dem sechs Klassen Platz finden müssten.

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Die Bürgermeisterin schlägt vor, vor einer endgültigen Entscheidung über die Vier-Zügigkeit die weitere Entwicklung der Kinderzahlen abzuwarten. „Sollte der zusätzliche Bedarf bestehen, könnte der vierte Bauabschnitt so beantragt werden, dass wir bauen können, wenn die anderen Abschnitte fertig sind“, sagte sie. Vorher müsse aber entschieden werden, ob Mensa, Parkflächen und Blockheizkraftwerk, das den Campus mit Wärme und Strom versorgen soll, gleich so gebaut werden, dass sie auch für eine vierzügige Schule taugen.

Von Jens Steglich