Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Michendorf Großer Andrang bei Debatte zum Flüchtlingseinzug
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Großer Andrang bei Debatte zum Flüchtlingseinzug
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:52 08.05.2019
Anfang Juni ziehen die ersten 100 Asylsuchenden in das Haus Polygon ein, wie das frühere Sensconvent-Hotel in Michendorf jetzt heißt. Quelle: Varvara Smirnova
Michendorf

So voll war es an diesem Ort schon lange nicht mehr: 243 Menschen waren am Dienstagabend in das einstige Michendorfer Hotel gekommen, um mehr über die geplante Unterbringung von Flüchtlingen zu erfahren und Fragen loszuwerden. Am Einlass wurden die Personalausweise kontrolliert, um sicher zu stellen, dass wirklich Einwohner der Gemeinde Michendorf die knapp 200 Plätze im Saal und die Stühle davor einnehmen, wie es Bernd Schade, Sozialdezernent des Kreises, ausdrückte. Das Geschehen im Saal wurde mit Lautsprechern nach draußen übertragen.

Schade begründete den Einzug der Flüchtlinge mit den Verpflichtungen des Kreises zur Aufnahme von 841 Asylsuchenden in diesem Jahr. Für etwa 500 werden noch Unterkünfte gesucht. „Wenn wir Eigentümer eines solchen Objektes sind“, so Schade, „dann besteht die Notwendigkeit, Flüchtlinge hier unterzubringen.“

Bis Ende des Jahres ziehen insgesamt 240 Asylsuchende ein

Anfang Juni sollen die ersten 100 Menschen einziehen, laut Schade zehn Familien und 70 Einzelpersonen. Sie werden aus Brück herziehen. Für die Containerhäuser, in denen sie dort noch wohnen, läuft 2019 die Nutzungsgenehmigung aus. Schade betonte: „Wir wollen eine gesunde Mischung aus Familien und Einzelpersonen unterbringen“. Bis Ende des Jahres sollen alle 240 Plätze im Haus Polygon, wie das Ex-Hotel jetzt heißt, belegt sein.

Betreut werden die 240 Asylsuchenden von drei Sozialarbeitern, zudem gibt es einen Heimleiter und zwei Wachleute, die rund um die Uhr vor Ort sind. Der Träger der Einrichtung steht immer noch nicht fest. Grund sei eine notwendige europaweite Ausschreibung, die kurz vor dem Abschluss stehe. „Es wird ein Träger mit langjähriger Erfahrung sein“, so Schade. Zusätzlich will der Kreis eine halbe Stelle für einen Sozialarbeiter im Michendorfer Familienzentrum finanzieren, der Kontakte zwischen Heimbewohnern und Einwohnern organisieren soll.

Zu wenig Kita-Plätze: Kinder werden im Haus Polygon betreut

Frage aus dem Zuschauerraum: „Selbst unsere Kinder warten drei Jahre auf einen Kita-Platz. Wenn wir hier 200 Leute unterbringen – wie soll das gehen?“ Laut Schade wird es in Abstimmung mit dem Schulamt für jedes Kind aus dem Haus Polygon einen Schulplatz geben. Ältere Kinder besuchen weiter ihre bisherige Schule, den Schulverkehr organisiert der Kreis. Wegen des Kitaplatz-Mangels in Michendorf wird der Nachwuchs der Asylsuchenden nicht die Kindergärten der Gemeinde besuchen. Geplant ist eine Kinderbetreuung im Haus Polygon.

Gefragt wurde auch nach der Wirtschaftlichkeit des Unterfangens, wenn das Haus, das der Kreis für 4,3 Millionen gekauft und für 500 000 Euro saniert hat, nur drei Jahre als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden kann. Das Haus wurde für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet, sagte Landrat Wolfgang Blasig (SPD), der den damaligen Mietvertrag „grauenerregend“ nannte. Der Kauf sei dann die kostengünstigere Lösung gewesen. Über die Nutzung danach sei der Kreis im Gespräch mit der Gemeinde.

Dreijährige Nutzung kann nicht verlängert werden

Die dreijährige Nutzungsgenehmigung, die bis 31. Mai 2022 gilt, kann nicht verlängert werden, sagte Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU). Die Kommune hat für die Zeit danach die Planungshoheit. Im Bebauungsplan ist eine Nutzung als Hotel festgelegt. Wenn das Haus anders verwendet werden soll, müsste sie den Plan ändern. Die Rede war etwa von Studentenquartieren oder preisgünstigen Mietwohnungen.

Mitstreiter der AG Flüchtlinge riefen dazu auf, die neuen Bewohner kennenzulernen und sich selbst ein Bild zu machen. Dass eine Menge Leute den Einzug ablehnen, kam an dem Abend vor allem unterschwellig zum Ausdruck – in Kommentaren, die ohne Mikrofone gesprochen wurden. Pfarrerin Juliane Rumpel fand, dass der Kreis die drei Jahre Vorbereitungszeit nicht allzu gut genutzt hat. Der Kreis hätte die Ideen vor Ort einbeziehen und das Haus vorher für die Michendorfer öffnen und nutzbar machen können, um bereits im Vorfeld Schwellenängste abzubauen.

Ins Haus Polygon ziehen auch 44 Kinder mit ein

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark hat derzeit etwa 1400 Asylbewerber in acht Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Diese befinden sich in Bad Belzig, Brück, Kuhlowitz, Neuseddin, Stahnsdorf, Werder und zwei in Teltow.

Weitere 250 Flüchtlinge mit Aufenthaltsgenehmigung leben in Wohnungen im Landkreis.

Dieses Jahr hat der Kreis 841 Asylsuchende aufzunehmen. Die genaue Übersicht, wer in Michendorf einziehen wird, will der Landkreis demnächst auf seine Homepage stellen.

Nach Angaben des Kreissprechers Kai-Uwe Schwinzert werden voraussichtlich 44 Kinder zwischen null und 17 Jahren mit einziehen, davon 19 im Alter bis sechs Jahren.

Knapp 100 Menschen sind aus Afrika (vor allem aus Kenia und Kamerun) geflohen, mehr als 130 stammen aus Ländern der Krisenregionen im Mittleren Osten (etwa Iran und Pakistan) sowie aus Russland (Tschetchenien), sagte Schwinzert.

Etwa zehn Prozent dieser Menschen habe eine Aufenthaltserlaubnis, 70 Prozent eine Aufenthaltsgestattung und 20 Prozent ein Duldung, sagte er.

Zur Furcht vor steigender Kriminalität sagte Bernd Schade vom Landkreis: „Wir erwarten überhaupt nicht, dass es zu einer Erhöhung kommt. Das war weder in Werder so noch in Bad Belzig.“

Von Jens Steglich

Fresdorfs Cheerleader-Weltmeister Maurice Kammholz ist in seiner Heimat mit einer besonderen Ehrung ausgezeichnet worden. Der Junge Mann trug sich ins Goldene Buch der Gemeinde Michendorf ein.

03.05.2019

Gerhild Böhnke führt in Stücken einen Hofladen mit besonderer Geschichte, der jetzt auch Schauplatz für ein neues Fest wird. Den kleinen Laden würde es so nicht geben, wenn da nicht drei Zufälle zusammengekommen wären.

25.04.2019

Er ist wieder da, Alfred, das Ekel: Der Held der TV-Kultserie der 1970er Jahre wütet an der Volksbühne Michendorf. Freunde der TV-Legende können Ekel Alfred im Theaterstück zu Ostern und im Mai erleben.

18.04.2019