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Michendorf „Grundsolide und ein wichtiges Korrektiv“
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf „Grundsolide und ein wichtiges Korrektiv“
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20:49 21.05.2019
Die Gemeinde Nuthetal ist erst 16 Jahre alt, hat aber schon eine eigene Hymne und eine CD mit eigenen Liedern. Quelle: Jens Steglich
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Nuthetal

Vielleicht ist es ja ein großer Vorteil, einen kleinen Fluss wie die Nuthe zu haben, der sich sanft durch die Kommune schlängelt und alle irgendwie miteinander verbindet. Nuthetal gilt im Vergleich zu direkten Nachbarkommunen jedenfalls als ein ziemlich friedlicher und freundlicher Ort – mit Gemeindevertretern, die ihren Meinungsstreit in der Regel hart, aber sachlich austragen, die fähig sind zum Kompromiss und die auch bei gravierenden Meinungsverschiedenheiten danach das Kriegsbeil wieder begraben können, um miteinander ein Bierchen zu trinken.

„Von geltungsbedürftigen Effekthaschern blieb Nuthetal bislang verschont“, sagt Ingo Zeutschel, der Anwalt aus Bergholz-Rehbrücke, der sich mit Streitigkeiten jeglicher Art auskennt. Für ihn wirkte die Nuthetaler Gemeindevertretung in der jetzt zu Ende gehenden Legislaturperiode jedenfalls „stets grundsolide und konstruktiv“. Für den Wasser- und Abwasserzweckverband Mittelgraben sei es sogar ein Segen gewesen, dass es die Nuthetaler Gemeindevertretung gab, sagt er und fügt hinzu: „Sie hat ihre Kontrollfunktion sehr ernst genommen und dem Verband und seinem Geschäftsbesorger MWA kritisch auf die Finger geschaut. Sie war hier ein wichtiges Korrektiv.“ Gezeigt hat sich das zum Beispiel beim Streit um die Altanschließer-Beiträge, der in Nuthetal bereits 2016 zu den Akten gelegt werden konnte.

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Kompromiss im Streit um Wohnbebauung

Wie schmal der Grat zwischen Sachstreit und unproduktiven Feindseligkeiten sein kann, erlebte die Gemeinde 2018 ausgerechnet bei einem Frauenduell um das Bürgermeisteramt, als zwischen den beiden Wahlkampflagern von Amtsinhaberin Ute Hustig (Linke) und ihrer Herausforderin Katrin Krumrey (SPD) kurzzeitig bislang ungekannte Frontstellungen entstanden waren. „Streit gehört dazu, sie haben sich aber schnell wieder eingekriegt“, sagt Zeutschel, der sich von seinem Lob fürs Nuthetaler Gemeindeparlament nicht abbringen lässt. „Wir können froh sein, dass wir solche Gemeindevertreter haben, die sich abends in ihrer Freizeit hinsetzen und konstruktiv um Lösungen ringen“, sagt er.

Im Streit um eine Bebauung der letzten großen Freifläche im Rehgrabengebiet rangen sie auch mit einer Anwohnerinitiative wochenlang um eine Lösung. In einer etwas abgespeckten Variante wurde schließlich ein gemeinsam getragener Kompromiss gefunden, den freilich nicht alle Anwohner mittragen können, der letztlich aber eine Eskalation und Unfrieden vermieden hat.

„Wo es nötig ist, muss man dem Siedlungsdruck widerstehen“

Für Gerhard Kruspe, der 15 Jahre lang bis 2008 den Ortsentwicklungsausschuss leitete, bleibt für die am 26. Mai neu zu wählenden Gemeindevertreter eine alte Aufgabe weiter erhalten. Nämlich darüber zu wachen, dass der Ortscharakter nicht verloren geht. Dort, wo es nötig ist, „muss man dem Siedlungsdruck widerstehen“, sagt er. „Wir wollen ja das, was wir lieben, nicht kaputt machen“, so Kruspe, für den Nuthetal eine Gemeinde mit viel Grün und Natur ist. Und das soll auch so bleiben.

Einmal im Jahr findet in Nuthetal eine Familienkonferenz statt. Für diese Art der Einbeziehung der Bürger erhält das Nuthetaler Mehrgenerationenhaus als Veranstalter einen Bundespreis, der am 28. Mai übergeben wird.. Quelle: Martin Siegert

Etwas geschehen muss hingegen auf dem früheren Rehbrücker Spezialbaugelände, findet Kruspe. Für das ewige Sorgenkind war schon zu seiner Zeit keine Lösung in Sicht. „Bis auf den Neubau von ATU ist dort nichts passiert. Es ist nach wie vor eine Räubergegend“, sagt Kruspe. Dass auch in den vergangenen fünf Jahren kein Durchbruch erreicht wurde, lastet er nicht der eigenen Gemeinde an, die mit einem Arealeigentümer einen neuen Toom-Baumarkt auf dem Gelände ansiedeln wollte. „Es ist ein Skandal, dass die vom Wähler nicht legitimierte Landesentwicklungsplanung den Baumarkt verhinderte, den die Leute und die Gemeinde wollten und dem auch Potsdam zugestimmt hat“, sagt er.

Radwegverbindungen zwischen den Ortsteilen fehlen noch

Was vermisst er in Nuthetal? „Auffällig ist, dass in Nuthetal immer noch Radwege fehlen.“ Radwege, die alle sechs Ortsteile miteinander und die Gemeinde mit den Nachbarkommunen verbinden. Die Planung für einige Radwege ist auf den Weg gebracht, der Abschnitt zum Bahnhof Saarmund auch schon gebaut worden. Trotzdem: „Hier darf nicht gekleckert, hier muss geklotzt werden“, sagt Kruspe, der Nuthetal ansonsten eine liebens- und lebenswerte Heimat nennt.

„Die älteren und die ganz jungen Nuthetaler sind sehr aktiv und stellen viel auf die Beine“, findet Anwalt Ingo Zeutschel und fügt noch hinzu: „Die Frage ist, wie man künftig auch die dazwischenliegenden Generationen begeistern kann, sich mit ähnlichem Elan für den Heimatort einzusetzen.“

Von Jens Steglich