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Michendorf Maler in der vierten Generation
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf

Malermeister Jens Jaretzke

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16:37 04.09.2021
Jens Jaretzke war unter anderem Tierpfleger, bevor er zum Malerberuf gefunden hat.
Jens Jaretzke war unter anderem Tierpfleger, bevor er zum Malerberuf gefunden hat. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Michendorf

Oma Frieda wäre wohl sehr stolz auf ihren Enkel: Jens Jaretzke aus Stücken, einem Ortsteil von Michendorf (Potsdam-Mittelmark), hat im Schnelldurchlauf seine Lehre zum Maler hingelegt und nahezu parallel bei der Handwerkskammer Potsdam die Meisterausbildung absolviert. Seine Meisterarbeit bekam bravouröse 92,5 von 100 Punkte – ein „Sehr gut“.

Urgroßvater Paul begründet die Tradition

Der Maler-Beruf hat bei den Jaretzkes eine lange Tradition. Schon Urgroßvater Paul hatte bereits lange vor dem Krieg seine Brötchen mit Malerarbeiten verdient. Oma Frieda ist später mit eingestiegen und im Ort und den benachbarten Dörfern tätig gewesen, bis sie in einen staatlichen Betrieb gehen musste. Vater Alfred erlernte dann auch den Beruf des Malers. Mitte der 90er Jahre machte er seinen Meister und gründete 1997 die Firma „Malermeister Alfred Jaretzke“, die im kommenden Jahr 25 Jahre besteht.

Eigentlicher Berufswunsch: Tierarzt

Auch wenn ihm das Malern in die Wiege gelegt scheint und er mittlerweile die vierte Generation der Maler-Dynastie Jaretzke stellt, hat Jens doch eigentlich etwas anderes gewollt – und seine Eltern haben ihm wie auch seiner Schwester alle Freiheiten gelassen. „Ich wollte immer Tierarzt werden, aber dafür hätte ich in der Schule besser aufpassen müssen“, sagt der 36-Jährige schmunzelnd. Zum Tierpfleger aber – genauer zum Veterinärmedizinisch-technischen Assistenten – hat es locker gereicht. Nach der Lehre hat er sechs Jahre lang in der Forschungsabteilung der Berliner Charité mit Versuchstieren gearbeitet.

Abitur nachgeholt, Biologie studiert

„Weil es dort für mich keine Aufstiegsmöglichkeiten gab, habe ich mich entschieden, das Abitur nachzuholen“, erzählt Jens Jaretzke. Von 2011 bis 2014 hat er also noch einmal die Schulbank gedrückt, an der Schule des Zweiten Bildungsweges „Heinrich von Kleist“ in Potsdam, und danach ein Biologie-Studium aufgenommen. Irgendwann habe er gemerkt, dass ihm das zu theoretisch sei, er doch mehr mit den Händen arbeiten wolle. Was lag also näher, als in der Firma des Vaters anzufangen!? „Spaß gemacht hat es mir ja schon immer“, versichert Jens Jaretzke, der schon zu Schulzeiten beim Vater gejobbt und sich von ihm viel hatte beibringen lassen. Aber auch von den Kollegen, die schon lange dabei sind: „Die alten Hasen kennen Tricks und Kniffe, die stehen in keinem Lehrbuch“, sagt Jens Jaretzke voller Anerkennung.

Er hätte es einfach haben und nach dem Studienabbruch in der Firma des Vaters losarbeiten können. „Das kam für mich nicht infrage, ich wollte mein Handwerk von der Pike auf lernen“ – und auch gleich den Meister machen. Am 6. Mai dieses Jahres bekam er das Meisterprüfungszeugnis ausgehändigt.

Was Oma Frieda wohl zum Meisterstück ihres Enkels gesagt hätte? Das Los entschied, dass Jens Jaretzke die Decke eines Esszimmers im Stile des Historismus zu gestalten habe. Freihändig gemalt. Entstanden ist ein floraler Traum in Erdtönen, die so mondän klingende Namen wie Grenadine, Amazonas und Gobi tragen. Die 1,80 mal 1,30 Meter große, kunstvoll verzierte Spanplatte ist nun so im Haus angebracht, das sie auch nach Jahren noch von Gästen der Familie bestaunt werden kann.

Familienbetrieb mit neun Mitarbeitern

Die Arbeitsteilung in dem Familienbetrieb Jaretzke sieht nun so aus: Der Vater kümmert sich um die Auftrags- und Materialbeschaffung und betreut die Kunden, die Mutter ist Betriebswirtin des Handwerks und erledigt alles Kaufmännische, der Sohn ist auf der Baustelle. „Ich habe großen Respekt vor dem, was meine Eltern aufgebaut haben“, sagt Jens Jaretzke. Zu zweit haben sie angefangen, aktuell beschäftigt die Firma neun Mitarbeiter. Einen Lehrling hat die Firma derzeit nicht – es fand sich bis jetzt kein geeigneter Bewerber. „Ich würde mir wünschen, dass sich wieder mehr junge Leute fürs Handwerk interessieren“, so Jens Jaretzke.

Als Umweg will der 36-Jährige seinen beruflichen Werdegang nicht verstanden wissen. „Ich konnte mich ausprobieren und viele Erfahrungen sammeln, die ich nicht missen möchte und auf die ich auch aufbauen konnte“, betont er. Jetzt und für die nächsten Jahre will Jens Jaretzke mit Verstand und Leidenschaft Maler sein. Aber dass dies seine letzte berufliche Station ist, will er nicht versprechen. Er könne sich vorstellen, sich weiterzubilden, zum Beispiel zum Sachverständigen.

Von Maria Kröhnke