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Michendorf Verein mit Ehrenkodex und legendärer Fischsuppe
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Verein mit Ehrenkodex und legendärer Fischsuppe
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14:04 30.07.2019
Jeanette und Frank Spahn mit der Angelrute am Lienewitzsee. Wobei sich die Frauen beim Angeln zurückhalten. Es gibt zwar einige Frauen, die Mitglied im Verein sind, aber nur eine aktive Anglerin – die Tochter der beiden. Quelle: Jens Steglich
Michendorf

Immer wenn das Fest vor der Tür steht, bekommen die Mitglieder des Michendorfer Anglervereins den Auftrag, im Lienewitzsee Fisch für die legendäre Fischsuppe zu angeln. Diese Suppe gehört zum Fest dazu wie das Wasser zum See. Sie ist der kulinarische Höhepunkt und das Rezept dazu ein Geheimnis, „das nur zwei Menschen auf dieser Welt kennen“, sagt Frank Spahn. Er ist einer davon: Der Jugendwart im Verein kümmert sich um den Nachwuchs und zum Anglerfest um die Fischsuppe. Für den kommenden Samstag wird er wieder einen Kessel ansetzen. Das 20. Anglerfest steht an – an der alten Fischerhütte am Ufer des Großen Lienewitzsees, dem Paradies der Michendorfer Angler. Dem kleinen Jubiläum lassen sie nächstes Jahr noch ein großes folgen: Dann feiert der Verein, der etwa 80 Mitglieder zwischen acht und 82 Jahren hat, 70-jähriges Bestehen.

Wer bei den Festen für die Fischsuppe und den Kuchen der Anglerfrauen oder fürs Bierkrugschieben und die Bootstouren Geld ausgibt, hilft automatisch dem Verein, eine Mission zu erfüllen. Die Erlöse werden genutzt, um das Grundstück am See abzuzahlen. Nach der Wende hatten Vereinsmitglieder zusammengelegt und das zu DDR-Zeiten genutzte Gelände der Treuhand abgekauft, um es langfristig für den Verein zu sichern. Der Verein hat es von diesen Mitgliedern gepachtet und will es in Vereinseigentum überführen. „Die Festerlöse werden zu 100 Prozent für den Kauf des Geländes verwendet“, sagt Vereinsvorsitzender Torsten Heidemann.

An der alten Fischerhütte hängen noch Trophäen aus früheren Zeiten. Quelle: Jens Steglich

Die versteckte Idylle am Lienewitzsee hatte 1904 ein Lehrer aus Potsdam für sich und seine Familie entdeckt. 1908 baute er die Fischerhütte. Danach wechselten die Mieter des schönen Holzfachwerkhauses mehrmals. Der erste Nachfolger war Fischer. „Im See gab es aber zu wenig Fisch, um als Fischer überleben zu können“, erzählt Heidemann. Die alten Zeiten sind aber noch sichtbar: An der Fischerhütte hängen Trophäen früherer Fischzüge: zum Beispiel Karpfen, die viele Jahrzehnte alt sein dürften und von denen heute keiner mehr weiß, wann sie gefangen wurden.

Das Paradies der Angler, das auch schon als Filmkulisse für den Usedom-Krimi „Winterlicht“ diente, ist nicht nur zum Angeln da. „Wenn man nach der Arbeit an den See fährt und die Natur genießt, dann entschleunigt das“, sagt Frank Spahn. Das Fleckchen Erde tut vor allem der Seele gut. Vereinschef Torsten Heidemann fährt zum Entspannen manchmal mit dem Boot raus, ohne zu angeln. Wenn er dann nach Hause kommt und seine Frau ihn fragt – „Und, haben wir Fisch“- antwortet er: „Nö, aber es war schön.“ Dann stellt sie die Bratpfanne wieder weg.

Die Fischerhütte aus Holz wurde 1908 von einem Lehrer aus Potsdam gebaut. Quelle: Privat

Niemals in der Bratpfanne landen Störe. Heidemann, der einmal einen 1,20 Meter langen Wels aus dem Lienewitzsee gezogen hat, nennt es den Ehrenkodex im Verein, dass Störe tabu sind. Jedes Jahr zum Anglerfest wird ein Stör eingesetzt. Nach dem 20. Fest am Samstag müssten sich dann 20 Störe im Lienewietzsee befinden, wenn sich alle Angler daran gehalten haben.

Bei den Anglerfesten wird Frank Spahn ab und an gefragt, was er in seine Fischsuppe hineintut. Für den Sud nimmt er Bleie, Güster und Karpfen. Als Fischstückchen landen Barsch, Zander, Hecht und Schleie im Suppenkessel. Wer dann noch nach der Würzmischung fragt, erntet Schweigen, bekommt aber erzählt, wie schwer es war, an das Rezept heranzukommen. Diese Geschichte ist im Verein so legendär wie die Fischsuppe selbst und geht in Kurzform so: Das Rezept befand sich gut versiegelt im Kopf eines Mitarbeiters des Seddiner Fischers. Spahn unternahm mehrere Anläufe, um es ihm zu entlocken. Man könnte auch sagen: Er hat ihn betrunken gemacht, um die Zunge zu lösen. Das entscheidende Biertrinken sei inzwischen schon 15 Jahre her, sagt er. Seither gibt es zwei Menschen, die das Rezept kennen und zum Anglerfest die legendäre Fischsuppe.

20. Anglerfest am 3. August

Das 20. Anglerfest findet Samstag, 3. August, am Anglerheim, Am Großen Lienewitzsee 2, statt.

Besucher können sich unter anderem auf die Fischsuppe und geräucherten Fisch sowie Würste und Steaks vom Grill freuen. Die Frauen der Angler backen Kuchen – 20 bis 25 Sorten.

Im Angebot sind auch Angelzielwurf, Bierkrugschieben oder eine Bootsfahrt auf dem See.

Hitze und
Trockenheit machen dem Großen Lienewitzsee derzeit arg zu schaffen. „In den vergangenen anderthalb Jahren hat er 90 Zentimeter verloren“, sagt Vereinsvorsitzender Torsten Heidemann.

Von Jens Steglich

Ursula Hundt kam vor knapp 60 Jahren nach Michendorf (Potsdam-Mittelmark) und wollte nicht lange bleiben. Heute ist sie im Ort die berühmteste Kindergärtnerin, auch wenn ihr wahrer Name weitgehend unbekannt ist. In Michendorf heißt sie Tante Ursel, selbst die Post erreicht sie so – und auch das Bundesverdienstkreuz.

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