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Michendorf Die Okkupation der Dorfstraße
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Die Okkupation der Dorfstraße
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19:04 15.08.2018
Die Stückener Dorfstraße wird immer häufiger von Filmteams in Beschlag genommen. Quelle: Privat
Stücken

Man könnte es den Fluch der schönen Kulisse nennen, der in Stücken gerade die Dorfidylle ein bisschen kaputt macht. Im beschaulichen Ort geben sich in letzter Zeit die Filmproduzenten im wahrsten Sinne des Wortes die Türklinke in die Hand. Das kleine Dorf gilt schon länger als beliebter Drehort. Vor allem die gepflasterte Dorfstraße und die Höfe dort haben es den Filmleuten angetan. Doch jetzt ist das Maß offenbar für viele Anwohner voll.

„Über Jahre erfolgten Dreharbeiten in einem gesunden, ausgewogenen und für die meisten Anwohner vertretbarem Ausmaß“, sagt Andreas Wicklein und fügt hinzu: „Im Jahr 2018 hat sich die Situation signifikant verändert.“ Wicklein, der in der Dorfstraße wohnt, spricht von acht zum Teil unterschiedlichen Produktionsfirmen, die allein in den vergangenen vier Monaten die Dorfstraße in Beschlag genommen haben, um zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten zu drehen.

„Eine rote Linie ist überschritten“

Lärmpegel, Nächte, die zum Tag gemacht werden, und Straßensperrungen führten dazu, „dass die große Mehrheit der Anwohner den Umstand in zunehmenden Maße als große Belastung wahrnehmen“, sagt er und sieht eine rote Linie überschritten. Auch Landwirte könnten bei Filmarbeiten die Dorfstraße nur eingeschränkt nutzen, „manchmal ist sie ganztägig okkupiert“ – zuletzt am 8. August, als nach Angaben der Filmleute vor Ort Werbung für eine Süßware gedreht wurde. „Es entwickelt sich quasi eine ’Set-Industrie’, ein ’Villagewood’ in der Stückener Dorfstraße“, so Wicklein, der eine Eigendynamik beobachtet, die Begriffe wie „Landleben“ oder „Lebensqualität in der Natur“ in einem „ganz neuen Licht erscheinen lassen“, sagt er und zeigt auf ein Foto, auf dem ein großer Schweinwerfer zu sehen ist, der für nächtliche Aufnahmen die Dorfstraße ausleuchtet.

„Es hat in letzter Zeit arg zugenommen. Es ist nicht mehr verträglich“, sagt auch Ortsvorsteher Udo Reich. Die Beschwerden würden sich häufen. Reich sieht auch die denkmalgeschützte Dorfstraße unter den häufigen Dreharbeiten leiden und verweist auf Straßenschäden. „Wir wollen, dass es reduziert wird, um wieder mehr Ruhe in den Ort zu bekommen“, sagt er und warnt vor der Gefahr, dass der Dorffrieden Schaden nehmen könnte.

Maßvolle Genehmigungspraxis wird gefordert

„Auf seinem eigenen Hof kann jeder machen was er will“, sagt Wicklein: „Es geht hier um die Nutzung des öffentlichen Straßenlandes, die auf ein verträgliches Maß beschränkt werden muss.“ Diese Art der Fremdbestimmung sei so nicht mehr hinnehmbar. „Es muss einen Weg zurück zur Zumutbarkeit für die dort lebenden und arbeitenden Bürger geben“, so Wicklein, der eine maßvolle und klar limitierte Genehmigungspraxis der Gemeindeverantwortlichen fordert.

Auch Landwirt und Stückens Gemeindevertreter Jens Schreinicke plädiert für eine Beschränkung. „Die großflächige Belagerung der Dorfstraße sollte nicht so oft passieren.“ Er denkt, auf zwei bis vier Filmproduktionen im Jahr könne man sich im Ort einigen. Ansonsten habe er nichts dagegen, wenn auf privaten Höfen zusätzlich gedreht werde. „Dann muss aber auch dort das Film-Set mit untergebracht werden.“ Ende August befasst sich der Ortsbeirat mit der Problematik.

Gemeinde will Belastung reduzieren

Wenn Straßen für Dreharbeiten in Beschlag genommen werden, ist die Verkehrsbehörde des Landkreises zuständig, sagt Michendorfs Bau- und Ordnungsamtsleiter Christopher Gerhardt: „Die Gemeinde wird in diesen Fällen angehört.“ Laut Ortsvorsteher Udo Reich hat die Kommune für Stücken bisher immer positive Stellungnahmen abgegeben. Das wird sich für die nächste Zeit aber ändern. Aufgrund der aktuell hohen Anzahl an Drehanfragen hat Gerhardt angewiesen, „für Stücken vorübergehend negative Stellungnahmen abzugeben, um die Belastung für Anwohner zu reduzieren“. Anwohner Andreas Wicklein regt einen runden Tisch an, an dem sich die Stückener auf ein Maß verständigen, „mit dem alle in der Dorfstraße leben könnten“.

Er spricht sich für ein zurück zu den Anfängen aus, als Stücken als Filmlocation für die Kinderserie „Spuk in der Gruft“ (1999) entdeckt wurde, Dorfidylle und Dreharbeiten keine Gegensätze waren und der Ort ein bisschen stolz darauf war, von Filmleuten geliebt zu werden.

Von Jens Steglich

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