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Michendorf Wohnpark in der Warteschleife
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Wohnpark in der Warteschleife
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00:22 15.12.2018
Wohnpark Naeve in Stücken: Die Bauschilder liegen am Boden. Auf dem Areal könnten 47 Wohnhäuser entstehen Quelle: Jens Steglich
Stücken

Wer genau hinschaut, kann sie noch lesen – die optimistische Ankündigung, dass auf diesem schönen Fleckchen Erde am Rande des kleinen Dorfes Stücken auf 47 Grundstücken Wohnhäuser entstehen, für die kein Gas und kein Öl gebraucht wird. „Hier heizen Sie mit Natur- Energie!“, steht da geschrieben. Die frohe Botschaft für den umweltbewussten Häuslebauer liegt schon lange im Dreck. Das Schild, das den Bau des Wohnparks Naeve in Stücken ankündigt, ist umgefallen und zerlegt, als hätte ein Orkan das Gelände heimgesucht. Das zerstörte Schild und zwei verlassene Baucontainer wirken wie ein Sinnbild dafür, dass dieses Wohnprojekt, das in den 1990er-Jahren realisiert werden sollte und für das es 20 Jahre später noch einmal einen neuen Anlauf gab, im Jahr 2018 in Trümmern liegt. Es ist die Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen.

Schwere Vorwürfe gegen Chefverkäufer

Ob auch Betrug im Spiel ist, darüber gibt es zwei sehr unterschiedliche Versionen. Gegen den Chefverkäufer der Wohnpark Naeve Grundstücksgesellschaft, Dieter Menzel, werden schwere Vorwürfe erhoben. Ein Kenner der Szenerie, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, spricht von mindestens fünf Familien, die Reservierungsgebühren an Menzel gezahlt haben, um sich ein Grundstück in der ländlichen Idylle zu sichern. Wie hoch die Dunkelziffer ist, könne er nicht sagen. Ihr Geld sollen sie nicht wiederbekommen haben, obwohl die Versprechungen, „in vier Wochen geht es los“, nie eingelöst wurden.

Die Betroffenen, die vierstellige Summen für eine Grundstücksreservierung gezahlt haben sollen, wollten sich nicht in die Öffentlichkeit wagen. Der MAZ liegt aber ein anonymisierter Zahlungsbeleg vor, aus dem hervorgeht, dass ein Interessent 3000 Euro in bar zahlte, um sich den Traum vom eigenen Heim am Stückener Ortsrand zu sichern. Die Summe wird beim Grundstückskauf voll angerechnet und die Reservierung gilt für ein Jahr, steht auf dem Papier. Die Frist ist allerdings längst abgelaufen, ohne dass sich auf dem Baufeld etwas getan hat.

Ein Erschließungsplan liegt der Gemeinde bis heute nicht vor

Bevor die Wohnhäuser gebaut werden können, muss das Gelände erst erschlossen werden. Das aber trauen Branchenkenner Dieter Menzel und der Grundstücksgesellschaft nicht zu. „Er hat gar nicht das Geld, um die Fläche zu erschließen, kassiert aber trotzdem Reservierungsgebühren“, heißt es. Die Höhe des Eigenkapitals der Wohnpark-Grundstücksgesellschaft wird mit einem Euro angegeben. Bereits in der Vergangenheit soll Menzel glücklos agiert haben. Die von ihm gegründete Merei Baukontor GmbH etwa verschwand nach wenigen Jahren wieder, wurde 2012 aus dem Handelsregister gelöscht.

Das brachliegende Bauprojekt in Stücken sorgt für Unmut. Seine Kritiker reden gar von arglistiger Täuschung, weil auf dem Baufeld vor einiger Zeit Erde bewegt und zu einem Berg angehäuft wurde – „so, als würden die Erschließungsarbeiten starten“. Danach zog indes wieder Ruhe ein. Ein Plan zur Erschließung des Geländes liegt der Gemeinde Michendorf bis heute nicht vor. Auch die 170 000 Euro, die Menzel als Sicherheit bei der Gemeinde zu hinterlegen hat, falls die Erschließung nur halb fertig werden sollte, sind noch nicht überwiesen worden.

Bauamt fordert Plan bis Ende Januar 2019

Den Erschließungsvertrag mit der Grundstücksgesellschaft, die noch den Namen des ursprünglichen Investors Naeve aus den 1990er-Jahren trägt, hatte die Michendorfer Gemeindevertretung allerdings erst Anfang 2016 beschlossen. Laut diesem Vertrag muss die Gesellschaft bis 2021 das Gelände erschlossen haben. Der Vertrag enthält sogar die Option, ihn um ein Jahr zu verlängern. „Solange die Möglichkeit besteht, den Vertrag zu erfüllen, wird die Gemeinde nicht aus dem Vertrag aussteigen“, so Michendorfs Bauamtsleiter Christopher Gerhardt. Ansonsten würde sich die Gemeinde schadenersatzpflichtig machen, sagte er.

Das Michendorfer Bauamt hat unterdessen eine Aufforderung an Menzel geschickt, bis zum 31. Januar 2019 zu erklären, wie es weiter gehen soll und einen Erschließungsplan vorzulegen. Die Gemeinde drängelt jetzt, „weil nächstes Jahr der Zeitpunkt ist, wo alle Genehmigungen für die Erschließung beantragt werden müssten, um sie bis 2021 bauen zu können“, sagte Gerhardt und fügte hinzu: „Es sei denn, er zieht die Verlängerungsoption.“

Chefverkäufer weist Betrugsvorwürfe zurück

Dieter Menzel, der in Schleswig-Holstein lebt, weist Betrugsvorwürfe zurück. Reservierungen würden aus seiner Sicht ohne Frist weiter gelten. „Ich darf und will nicht mit Geldern über den Deich laufen“, sagte Menzel in einem Telefongespräch der MAZ. Und: Er könne jenen die Reservierungsgebühr zurückzahlen, bei denen kein Grundstückskauf zustande kommt. „Anfang nächsten Jahres ist Geld dafür da“, meinte er. „Ich habe dann selbst die finanziellen Möglichkeiten, um mit der ersten Bauetappe zu beginnen, wenn man mich lässt.“ Bekommt er einen Kredit? „Ja“, antwortete Menzel.

Die Schwierigkeiten, den Wohnpark in Stücken zu realisieren, fasst er in dem Satz zusammen: „Es ist sehr ungünstig gelaufen.“ Der erste, der ein Grundstück kaufen wollte, sei auch der erste gewesen, der davon wieder zurückgetreten sei. Und manche Erben der Grundstückseigentümer hätten nach dem Tod der Eltern plötzlich mehr für ihre Flächen auf dem Areal haben wollen als ursprünglich vereinbart, sagte Menzel. Er erinnerte auch daran, wie Geld fürs Projekt verloren ging, als etwa in den 2000er-Jahren ein bereits errichtetes Musterhaus von unbekannten Tätern abgebrannt wurde.

Auch Behörden bekleckerten sich nicht mit Ruhm

Das Projekt stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Die Ur-Geschichte des Wohnparks Naeve, die Anfang der 1990er-Jahre begann, ist nur noch schwer zu rekonstruieren. Auch Behörden auf Kreis- und Landesebene bekleckerten sich nicht mit Ruhm. Der alte Bebauungsplan hatte damals bereits eine Genehmigung. Der Landkreis erteilte daraufhin die Baufreigabe für ein erstes Haus, zog diese aber kurze Zeit später – man schrieb das Jahr 1998 – wohl aufgrund von Interventionen von Landesbehörden wieder zurück.

Vorher hatte der damalige Investor allerdings schon mit dem Bau des ersten Hauses begonnen und damit die Vereinbarung des zu der Zeit geltenden Erschließungsvertrages aktiviert. Die damals noch eigenständige Gemeinde Stücken bekam daraufhin wie vereinbart 300 000 D-Mark vom Investor überwiesen. Das Geld floss in die Kita und den Ausbau von Beelitzer und Seddiner Straße. Der Investor aber durfte nicht bauen.

Totgeglaubter Bauplan tauchte in kleiner Version wieder auf

Im Jahr 2006 tauchte der totgeglaubte Plan vom Wohnpark in abgespeckter Version plötzlich wieder auf. Damals hatte die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg, die das Groß-Vorhaben einst ablehnte, signalisiert, mit einer reduzierten Bebauung leben zu können. Statt der 128 Wohnhäuser, die in den 1990er-Jahren auf sensiblem Terrain geplant waren, sollten nun 47 Häuser entstehen. Dass Gemeindevertreter und Behörden einen neuen B-Plan auf den Weg brachten und Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet ausgegliedert wurden, dürfte auch mit einer Bringe-Schuld zu tun haben, die einige Leute im Hinterkopf hatten, weil Investor Naeve damals in Vorleistung gegangen war.

Von Jens Steglich

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