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Michendorf Auf den Spuren des Großvaters
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Auf den Spuren des Großvaters
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20:37 25.04.2019
Nur die neu gepflanzten Obstbäumchen müssen noch etwas wachsen: Gerhild und Michael Böhnke am Hofladen „Block“. Zum Fest am Samstag kann sie wegen einer Erkrankung leider nicht mitwirken. Quelle: Jens Steglich
Stücken

Im Leben von Gerhild Böhnke (59) brauchte es drei Dinge, damit es gut werden konnte. Einen Zufallsfund, den richtigen Mann und einen kleinen „Geldregen“, der wie aus heiterem Himmel fiel. Diese drei Dinge kamen nicht alle auf einem Schlag in ihr Leben, aber doch so gedrängt, dass sie sich selbst wunderte: „So viele Zufälle auf einem Haufen gibt es selten. Wer weiß, wer da noch seine Hand im Spiel hatte“, witzelt sie und zeigt in den heiteren Himmel. Auch wenn es nicht ganz ernst gemeint ist, denkt sie in dem Moment an ihren Großvater, der da oben ein bisschen Schicksal gespielt haben könnte. Die Enkelin hat ihn nie kennengelernt und ist jetzt doch auf seinen Spuren unterwegs.

Was dabei herausgekommen ist, hat einen Namen: HofladenBlock“. Wenn die besagten drei Dinge nicht zusammengekommen wären, gebe es diesen Hofladen in Stücken heute wahrscheinlich nicht und am Samstag auch kein Hoffest auf dem dortigen Gartengrundstück in der heutigen Seddiner Straße 63, aber dazu später mehr.

Die Großeltern Franz und Emma Block boten Obst und Gemüse auf Märkten an. Das alte Foto, ein Geschenk einer Cousine, hängt heute im Hofladen. Quelle: Privat

Mit dem Hofladen hat Gerhild Böhnke die alte Familientradition aus Großvaters Zeiten wieder aufleben lassen. Angefangen hat alles mit einer Aufräumaktion auf dem großen Familiengrundstück. Das ist ungefähr neun Jahre her, Gerhild Böhnke heißt da mit Nachnamen noch Block. Viele aus der Familie packen mit an und einer findet in der Scheune ein altes Firmenschild, auf dem steht: „Obst- und Gartenbau Franz Block, Stücken b. Beelitz“. Das Schild ist der letzte Anstoß, die Idee in die Tat umzusetzen und den HofladenBlock“ aufzumachen.

Der Großvater führte vor mehr als 100 Jahren einen Obstbaubetrieb

Franz Block war ihr Großvater, der vor mehr als 100 Jahren einen Obstbaubetrieb führte und auf Märkten alles verkaufte, was in seinem einen Hektar großen Garten so gewachsen ist. Mit dem Pferdefuhrwerk fuhr er Obst, Gemüse oder frische Eier auf Märkte zum Beispiel nach Beelitz und Potsdam. Der Garten in der Seddiner Straße stand damals voller Obstbäume und Beerensträucher. Und so ähnlich sollte es wieder werden – gut 100 Jahre später. Der Zufall, oder wer auch immer, sorgte Ende 2010 noch dafür, dass die Enkelin Michael Böhnke – den richtigen Mann – traf, den sie 2013 heiratete. „Als er das Grundstück gesehen und von meiner Idee gehört hat, war er so begeistert, dass sich mich um fast nichts mehr kümmern musste“, erzählt die 59-Jährige.

Das alte Firmenschild von Großvater Franz Block wurde beim Aufräumen in der Scheune gefunden. Der Fund war Anstoß, den Hofladen „Block“ zu gründen. Quelle: Jens Steglich

Der alte, marode Stall wird abgerissen und durch einen niedlichen Neubau ersetzt, den heimische Firmen errichten. Vorher gibt es noch einen kleinen Geldsegen. Man könnte auch sagen, der Großvater sorgte indirekt für eine Anschubfinanzierung. Was die pure Wahrheit ist. Gerhild Böhnke erhielt damals plötzlich einen Brief von einem Anwalt, der ihr mitteilte, eine uralte Molkereigenossenschaft werde aufgelöst, an der Franz Block, der Großvater, Anteile hält. Seine Enkelin erbt die Genossenschaftsanteile aus dem 19. Jahrhundert zur rechten Zeit, um dem Opa lange nach seinem Tod noch einen Dienst zu erweisen. Der kleine Erlös aus dem Erbe des Großvaters fließt mit in den Bau des HofladensBlock“, der am 1. Dezember 2012 eröffnet wird und die Familientradition weiterleben lässt.

Nach dem Laden wollen Gerhild und Michael Böhnke jetzt auch noch ein neues Fest im schon veranstaltungsreichen Dorf begründen. Stückens „Hoffest im Frühling“ soll jeden letzten Samstag im April stattfinden. Morgen ab 14 Uhr steigt die Premiere. Unter anderem werden das Stückener Blasorchester am Hofladen aufspielen und ein Berliner Musikpoet singen.

Im Laden können die Dorfbewohner auch Pakete abholen

Die Böhnkes führen den kleinen Laden derzeit noch nebenher. Beide sind berufstätig, arbeiten in Berlin und der Hofladen ist deshalb nur abends und an den Wochenenden geöffnet. Was es dort gibt? Wie zu Großvaters Zeiten alles, was im großen Garten wächst – und noch einiges mehr. „Wir sind kein Supermarkt, aber man kann satt werden von dem, was es bei uns gibt“, sagt die Ladeninhaberin. Stückener, die abends noch vorbeischauen, wollen meist einen kleinen Schwatz beim Bierchen halten oder ein Paket abholen oder abgeben. Der HofladenBlock“ ist auch ein DHL-Paketshop, in dem es Briefmarken gibt und einen Paketservice. In Stücken muss seither niemand mehr dafür nach Michendorf fahren. Das brachte den Ladenbetreibern 2017 beim Festumzug zur 700-Jahrfeier Stückens ein Lob von höchster Stelle ein – zumindest von höchster Stelle auf lokaler Ebene. Als das kleine Hofladen-Team „Block“ mit Rasentraktor und Anhänger an der Festbühne vorbeifuhr, sagte Stückens Ortsvorsteher Udo Reich: „Wo kann man auf dem Dorf nach 18 Uhr noch Pakete abholen oder abgeben?“ Im HofladenBlock“.

Derzeit laufen dort die Vorbereitungen fürs Hoffest am Samstag. „Es ist unser erster Versuch, wir haben noch keine Erfahrungen mit Festen“, sagt Michael Böhnke und fügt noch hinzu: „So hat man die Möglichkeit, jedes Jahr besser zu werden.“

Hoffest am 27. April

Das erste Hoffest in Stückens HofladenBlock“ wird am Samstag, dem 27. April, von 14 bis 21 Uhr gefeiert.

Mit dabei ist das Blasorchester Stücken, das von 14 bis 16 Uhr aufspielt.

Ab 17 Uhr tritt der Berliner Gitarrist und „Musicpoet“ Peter Robin auf.

Auf Besucher wartet am Hofladen in der Seddiner Straße auch ein kleiner Markt unter anderem mit Keramik und ein Imbiss. Eine Berliner Malerin zeigt im Garten am Laden in einer Ausstellung ihre Bilder.

Von Jens Steglich

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