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Michendorf Tunnel soll Michendorf vereinen
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Tunnel soll Michendorf vereinen
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19:49 22.11.2018
Der Westen Michendorfs ist vom Ortszentrum durch Schienen getrennt. Bewohner müssen weit laufen, um auf die andere Seite zu gelangen. Quelle: euroluftbild.de/Mario Hagen
Michendorf

Der westlich der Bahnschienen gelegene Teil von Michendorf soll langfristig direkt mit dem Ortszentrum verbunden werden – vorzugsweise mit einem Tunnel. So sieht es ein Maßnahmenkatalog vor, der Teil des sogenannten Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (Insek) ist, das ein Planungsbüro für die Kommune erarbeitet hat. Es soll am 26. November in der Gemeindevertretung beschlossen werden.

Der Westteil Michendorfs ist an zentraler Stelle durch die Bahnschienen von der Ortsmitte getrennt. Wer im Wohnpark an der Bahnstraße lebt, muss lange Wege in Kauf nehmen, um ins Zentrum zu gelangen, wo sich Geschäfte, das kommunale Gemeindezentrum, das Theater und anderes mehr befinden. Verbunden sind die beiden Teile Michendorfs nur an den Rändern über die Potsdamer und Flottsteller Straße. Eine direkte Verbindung des Westteils soll im Bereich des ehemaligen Teltomat-Geländes hergestellt werden, das auf der anderen Seite der Bahnschienen angrenzt und auf dem neue Wohnhäuser, ein Marktplatz und ein Rathaus geplant sind. Als idealer Standort der neuen Straßenverbindung gilt der Abschnitt an der Bahnstraße zwischen Falken- und Finkenweg.

Eine Brücke wäre schwerer umsetzbar

Ein Tunnel wird im Insek-Plan bevorzugt, „weil der Bau einer Brücke noch schwerer umzusetzen wäre“, sagt Bauamtsleiter Christopher Gerhardt. „Die Brücke müsste mit einem zusätzlichen Sicherheitsabstand über die Hochspannungsleitungen am Bahngelände geführt werden.“

„So ein Vorhaben wird nicht morgen fertig sein“, sagt Gerhardt, der hinzufügt: „Das wird viel Zeit in Anspruch nehmen und viel Kraft kosten.“ Er verweist darauf, dass sich die Anforderungen an solche Planungen in den Jahren immer mehr verschärft haben und die Kommune für einen Tunnelbau Partner auf Landes- und Bundesebene braucht. Ohne Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn hätte die Gemeinde keine Chance, das Vorhaben umzusetzen. Nach einer groben Schätzung würde der Tunnelbau etwa fünf Millionen Euro kosten. Zuschüsse könnte die Gemeinde zum Beispiel über das Förderprogramm „Aktive Zentren“ beantragen, braucht dafür aber bereits ein Baukonzept, das von den Gemeindevertretern abgesegnet ist.

Dorfläden in Stücken und Wildenbruch

Auch für andere Projekte aus dem Insek-Plan „braucht man einen langen Atem“. Gerhardt nennt die Verbesserung der Busverbindungen etwa für den kleinen Ortsteil Stücken. In Stücken und in Wildenbruch strebt die Gemeinde zudem die Einrichtung von Dorfläden an, um die Versorgung zu verbessern. Für solche Projekte gibt es im Land Brandenburg ein Förderprogramm. „Die Läden kann die Gemeinde nicht selbst betreiben. Sie braucht dafür private Partner oder einen Bürgerverein“, sagt Gerhardt.

Das Insek-Programm hat einen Zeithorizont bis zum Jahr 2030. Im Maßnahmenkatalog sind die Projekte in die Prioritäten eins bis drei eingeordnet. Für den größten Ortsteil Michendorf etwa steht der Tunnelbau in Priorität zwei. Erste Priorität hat die Erweiterung der Grundschule. Wie berichtet, sollen unter anderem ein neues Hort- und Schulgebäude und eine Turnhalle gebaut werden. Im Plan ist für Wilhelmshorst die energetische Sanierung von Schule und Turnhalle sowie die Herstellung von Barrierefreiheit am Bahnhof in Priorität 1 eingeordnet.

Gestaltung des Dorfteich-Umfeldes in Langerwisch

Für Wildenbruch steht an erster Stelle die Erarbeitung eines Quartierkonzepts, das aufzeigen soll, „wie die Ortsmitte trotz räumlicher Entfernung von anderen Siedlungsbereichen ihre Zentrumsfunktion erfüllen kann“. Oberste Priorität für Langerwisch hat eine Verbesserung der Radwegverbindungen, die „Aufwertung von Grünflächen“ und eine Gestaltung des Dorfteich-Umfeldes. Auch für Fresdorf haben Radwegverbindungen hohe Priorität, genauso die „Vernetzung des Ortes mit regionalen Kultur- und Tourismusangeboten“. Die Rede ist etwa von einer Anbindung an den Michendorfer Kunstwanderweg, der schrittweise entsteht.

Potenzial für weiteren Zuwachs um 2800 Menschen

Im Insek-Entwicklungskonzept wird für die Gemeinde Michendorf bis 2030 bei Ausnutzung der Möglichkeiten ein Bevölkerungswachstum um 2800 Einwohner gesehen.

Theoretisch gibt es ein Neubau-Potenzial von etwa 1300 Wohnungen.

Derzeit wohnen in der Gemeinde Michendorf gut 12 500 Menschen.

Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Insek) „ist eine Zusammenfassung des Ist-Bestandes, in dem alle Konzepte der Kommune vereint werden und das Handlungsempfehlungen für die Entwicklung der Gesamtgemeinde und der Ortsteile gibt“, sagt Bauamtsleiter Christopher Gerhardt.

Übergeordnete Ziele des Leitbildes der Gemeinde sind im Insek aufgenommen worden, das mit konkreten Projekten helfen soll, sie zu erreichen.

Michendorf wurde vorläufig in das Insek-Programm aufgenommen. Voraussetzung für eine vollwertige Mitgliedschaft und damit für die Nutzung von Förderprogrammen ist ein eigenes Insek-Konzept. Das soll am 26. November beschlossen werden.

Von Jens Steglich

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