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Michendorf Viel Beifall für die „Kleine Bühne“
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Viel Beifall für die „Kleine Bühne“
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17:41 14.10.2018
Gefeierte Premiere: Die „Kleine Bühne“ Michendorf löste mit ihrer Komödie „Das Sparschwein“ wahre Beifallsstürme aus. Quelle: Dieter Herrmann
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Michendorf

Schon bevor sich am Freitagabend in der „Kleinen Bühne“ Michendorf der Vorhang zur Premiere von Eugène Labiches Komödie „Das Sparschwein“ öffnete, wurde genüsslich ein erstes Klischee zelebriert. Vor dem quer über die komplette Vorbühne laufenden schneeweißen Vorhang stand ein Akkordeonspieler (Sergej Himera) unter einer doppelarmigen alten Straßenlaterne und intonierte mehr oder weniger bekannte stark französelnde Ohrwürmer. Es sollte an diesem Abend nicht der einzige Zugriff auf noch immer tief im deutschen Gemüt verankerte Bilder und Vorstellungen von unseren französischen Nachbarn bleiben.

Regisseur Kaspar von Erffa nutzte die zweieinhalb Stunden auf der Bühne, um möglichst viele vermeintlich „urfranzösische“ Phänomene zu servieren. Sein Publikum im fast ausverkauften Gemeindezentrum „Zum Apfelbaum“ honorierte es mit viel Zwischenapplaus, der besonders einem Cancan tanzenden und dabei Moritaten singenden Chor älterer Damen galt, die mit ihren unverkrampften Auftritten für einen permanent hohen Heiterkeitspegel sorgten. Labiches Stück ist, wie bei Komödien nicht unüblich, auch ein Stück, das mit einem sanften Lächeln auf die diversen kleinbourgeoisen Moraldefizite anspielt.

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Paris-Abstecher endet im Desaster

Das titelgebende Sparschwein wurde von einer kleinstädtischen Pokerrunde gemästet, die sich um den dominanten, etwas selbstgefälligen Vorsitzenden eines Sparvereins, Champbourcy (Marcus Hagen Heinemann), schart und deren Mitglieder allesamt ein kleines Geheimnis hüten. Champbourcys Tochter Blanche (Karina Lehmann) und den Notar Renaudier (Udo Herath) verbindet eine unausgesprochene Zuneigung und selbst Champbourcys Schwester Leonida (Ortrud Meyhöfer) ist trotz ihres reiferen Alters nicht frei von amourösen Begierden. Nachdem das Sparschwein geschlachtet ist, entbrennt ein Streit über die Verwendung des überraschend hohen Geldsegens.

Der mehrheitlich beschlossene Paris-Abstecher endet aber im Desaster, weil sich jede Menge Ungemach mit monetären und erotischen Ambitionen der Ausflügler scheinbar unlösbar verknotet. Der mit geheimen Hoffnungen überfrachtete Metropolenausflug führt bald zur Verhaftung der vom Pariser Lebenstempo völlig überforderten braven Provinzbürger. Die folgende stufenweise Desillusionierung der Reisenden nimmt mit dem Komplettverlust ihrer Barschaft dann endgültig den Charakter einer Katastrophe an.

Laute Lacher und rhythmisches Klatschen

Von Erffas Inszenierung kam anfangs nur langsam in Fahrt, steigerte sich aber nach der Pause stetig bis in das unverzichtbare Happyend. Dass etliche der Darsteller auf der Bühne dabei allzu jugendliche Rollen spielen mussten, störte allerdings weder das Publikum noch den Spielfluss dieses Schwanks. Ganz im Gegenteil: Immer wieder wurden gelungene Gags mit lauten Lachern und die zahlreichen Lieder mit rhythmischem Klatschen belohnt. Am Ende übertrug sich sogar die gespielte Erleichterung der Schauspieler über ihre finale Erlösung in Paris hörbar und fühlbar auf das heftig Beifall klatschende Publikum im Saal.

In den kollektiven Freudentaumel dieses Schlussapplauses hinein baten die überglücklichen Darsteller ihren Chef Kaspar von Erffa zum Verbeugen auf die Bühne und riefen anschließend voller Dankbarkeit im Chor: „Merci beaucoup Monsieur le Regisseur!“

Von Lothar Krone

Michendorf Michendorf/Nuthetal - Heide statt Halde
11.10.2018
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