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Michendorf Bürgermeister-Kandidaten im Rededuell
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Bürgermeister-Kandidaten im Rededuell
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19:31 16.08.2019
Martin Kaspar (SPD) und Claudia Nowka (Bündnis für Michendorf). Das Bild entstand nach der Debatte. Quelle: Jens Steglich
Michendorf

So voll hat man den Saal des Michendorfer Gemeindezentrums selten gesehen: Gut 250 Menschen kamen am Donnerstagabend, um das Rededuell der Kandidaten fürs Bürgermeisteramt, Claudia Nowka (Bündnis für Michendorf) und Martin Kaspar (SPD), zu verfolgen. In Fragerunden wurden mehrere Themenkomplexe abgearbeitet. Was auffiel: In den meisten Punkten waren die Kontrahenten inhaltlich nahe beieinander. Kontroverses kam aus dem Publikum.

In der Frage, wie es auf dem früheren Telekom-Gelände am Ortsrand Michendorfs weitergehen soll, sind die Positionen nahezu identisch: Beide lehnen zum jetzigen Zeitpunkt die Entwicklung eines Wohngebietes genauso ab wie ein Gewerbegebiet auf der waldreichen Fläche. Eine Berliner Immobilienfirma hat das Gelände gekauft und diese Optionen ins Spiel gebracht. Wohnbebauung finde derzeit an der Bahnstraße und bald auf dem Teltomat-Gelände statt und für eine Gewerbeansiedlung fehle ihm wegen der problematischen Anbindung des Gebietes die Fantasie, wie das funktionieren soll, sagte Kaspar.

Kandidaten-Debatte im vollen Saal des Michendorfer Gemeindezentrums. Quelle: Dieter Herrmann

Beide betonten auch, dass die Gewerbesteuer eine wichtige Einnahmequelle ist. Aktuell liegen die Gewerbesteuereinnahmen laut Kaspar bei 2,2 Millionen Euro. „Wichtig ist, dass wir ein Gesamtkonzept entwickeln, um auszuloten, wo wir Ansiedlungsmöglichkeiten haben“, sagte Nowka. Kritisch sieht sie den Bau des Kreisverkehrs in Michendorf an der Potsdamer und Luckenwalder Straße. Wenn sie Bürgermeisterin werden sollte, will sie das Projekt prüfen lassen. Der Kreisverkehr sei aus ihrer Sicht „nicht zwingend notwendig zur Entwicklung des Gewerbegebietes in der Feldstraße“. Kaspar hält den Kreisel für sinnvoll, um das Nadelöhr übersichtlicher zu machen. Er ist dafür, „wenn man es schafft, die Zufahrt zu Edeka mit zu sortieren“.

Beide wollen keine Deponie in der Fresdorfer Heide

Einig waren sich die Bewerber in ihrer Ablehnung der geplanten Deponie in der Fresdorfer Heide. Sie wollen sich dafür einsetzen, dass das Versprechen, den Kiessandtagebau dort zu renaturieren, eingehalten wird. Es gibt in der Frage einen mit fast allen Fraktionen abgesprochenen SPD-Antrag, um die Deponie-Ablehnung im Gemeindeparlament zu bekräftigen. Aus dem Publikum wurde Kaspar gefragt, warum die AfD ausgeklammert wurde. „Ich gehe nicht auf einen gemeinsamen Briefkopf mit der AfD. Das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren“, sagte er und fügte hinzu: „Sie sind aber herzlich eingeladen, das Anliegen zu unterstützen.“

Souveräne Antworten auf heikle Fragen

Beide reagierten recht souverän auf heikle Fragen. Claudia Nowka, die von 2012 bis 2015 Kämmerin in der Gemeinde war, wurde gefragt, was sie mit dem Skandal um die SRS Hausverwaltung und dem 1,5-Millionen-Verlust der Gemeinde zu tun hatte. Im Unterschied zu ihren Vorgängern und Nachfolgern sei sie als Kämmerin nicht für die Liegenschaftsabteilung zuständig gewesen. Sie habe aber sehr wohl bemerkt und angesprochen, dass Einnahmen aus Mieten und Pachten zurückgingen. Der damalige Leiter der Liegenschaftsabteilung habe dies mit Sanierungsinvestitionen und Leerstand begründet. Sie verwies auf das Problem, dass sie keinen Einblick auf Mietbuchungen hatte, weil diese nicht auf Konten der Gemeinde, sondern auf SRS-Konten erfolgten. Das war in Verträgen mit der SRS festgelegt, die lange vor ihrer Zeit abgeschlossen wurden.„Wenn ich Bürgermeisterin werden sollte, würde ich alle bestehenden Verträge prüfen und mir alle Arbeitsweisen in der Verwaltung erläutern lassen“, sagte sie.

Kaspar wurde auf seine Versuche angesprochen, in anderen Kommunen Bürgermeister zu werden. „Bürgermeister ist mein Traumberuf.“ Er habe in Erbach Platz zwei bei sechs Kandidaten belegt. „Dass ich das nicht ganz vorn auf Plakate drauf schreibe, dafür haben Sie sicher Verständnis.“ Er bleibe Michendorf auch erhalten, wenn er nicht gewählt werde. „Ich habe hier ein Eigenheim gebaut. Die Gemeinde ist mir in zweieinhalb Jahren sehr ans Herz gewachsen.“

Nowka und Kaspar wollen mehr Bürgerbeteiligung wagen, sprachen sich für ein Bürgerbudget aus, über dessen Verteilung die Einwohner entscheiden, und räumten in komplizierten Fällen wie der Frage, was sie gegen den Wasserverlust im Seddiner See tun, ein, dass sie keine fertigen Lösungen in der Schublade haben.

Prognose: 14 000 Einwohner leben in acht Jahren in der Gemeinde

Und wie viele Einwohner hat die Gemeinde am Ende der Amtszeit in acht Jahren? Antwort von beiden: etwa 14 000 Einwohner. Derzeit sind es 12 800. 14 000 entspreche dem Ziel im Leitbild der Kommune, das ein behutsames Wachstum von ein Prozent pro Jahr vorsieht, so Nowka. Das Wachstum der vergangenen Jahre habe bei sechs Prozent gelegen. Bei diesen Dimensionen „war zu merken, dass wir an unsere Grenzen stoßen bei der Mitentwicklung der Infrastruktur“. Neue Baugebiete sollten Schritt für Schritt über Jahre entwickelt werden. „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für Ältere und Jüngere, um sie in der Gemeinde zu halten“, sagte sie.

Kaspar verwies auf den Flächennutzungsplan. „Dort sind Wohngebiete ausgewiesen, die bestehenden Flächen sollten wir erst einmal nutzen.“ Kaspar will den Flächenplan neu angehen und dabei eine Diskussion darüber starten, „wie viel und wo wir wachsen wollen“. Volker Wiedersberg (Grüne), Vorsitzender der Gemeindevertretung, gab dem Publikum am Ende noch die Empfehlung: „Gehen Sie am 1. September wählen und wählen Sie einen der beiden Kandidaten.“

Bürgermeisterwahl am 1. September – Biografisches

Martin Kaspar (SPD) ist in Dornstadt bei Ulm aufgewachsen, ist 37 Jahre alt, verheiratet und hat einen 15 Monate alten Sohn.

Er zog 2017 in die Gemeinde Michendorf und lebt mit seiner Familie im Ortsteil Wildenbruch.

Er studierte Politik- und Verwaltungswissenschaften. Derzeit ist Kaspar Wissenschaftlicher Mitarbeiter des SPD-Bundestagsabgeordneten Martin Gerster und in der Gemeindevertretung Michendorf SPD-Fraktionsvorsitzender.

Claudia Nowka (BfM) wurde 1977 in Berlin-Mitte geboren, wuchs in Berlin-Pankow, Cottbus und Frankfurt (Oder) auf. Sie ist verheiratet und hat zwei Söhne (11 und 15 Jahre). Nach Michendorf zog sie mit ihrer Familie im Jahr 2009.

Sie studierte Rechtswissenschaften und ist Volljuristin. Sie arbeitet derzeit als Referatsleiterin im Bundespolizeipräsidium in Potsdam und ist in der Gemeindevertretung Michendorf Fraktionsvorsitzende vom Bündnis für Michendorf.

Von Jens Steglich

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