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Michendorf Webers privates Heimatmuseum
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Webers privates Heimatmuseum
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21:13 19.10.2018
Richard Wolfgang Weber in seinem Keller, der einem kleinen Heimatmuseum gleicht. Quelle: Jens Steglich
Michendorf

Wenn Richard Wolfgang Weber die Uhr zurückdrehen könnte, er würde gern in einer Zeit landen, als sein Vater noch lebte. Das Wissen und die Erfahrung von heute würde er gern mitnehmen, um dem Vater Fragen zu stellen. Der Sohn hat in seinem Keller viele Feldpostkarten und Fotos vom Ersten Weltkrieg, aber fast keine Erzählungen dazu. Das meiste davon hat er entdeckt und wahrgenommen, „als ich meinen Vater nicht mehr fragen konnte“. Vor 100 Jahren, in den letzten Monaten des Ersten Weltkriegs, war Webers Vater (1896-1977) als Telegrafist eingesetzt. Und er hatte an der Front eine Kamera dabei und dürfte damit einer der Wenigen gewesen sein, die damals Bilder des Ersten Weltkriegs eingefangen haben. Die Kamera war freilich ein großer Holzkasten von 30 mal 30 Zentimetern mit Stativ und langen Belichtungszeiten, die für Gruppenfotos taugte, nicht aber für Szenen aus dem Gefecht. Etwa 150 Glasplatten, die damaligen Negative, aus dem Ersten Weltkrieg und einige Fotos, die der Vater vor Ort entwickelt hatte und als Postkarten in die Heimat schickte, hat der heute 85-jährige Sohn in seinem Keller aufbewahrt.

August 1918: Frontfotograf Richard Weber hat sich auf dem Foto mit einem Kreuz markiert. Quelle: Privat

Der Keller von Weber ist nicht das, was man sich unter einem Keller vorstellt. Es ist eine Fundgrube. Man könnte auch sagen: In Michendorf gibt es zwei Heimatmuseen – die Mühle auf dem Wolkenberg und den Keller von Weber. Schon an der Treppe, die in die Schatzkammer führt, wird der Gast mit archäologischen Fundstücken überrascht, die bei Grabungen entdeckt wurden, als am Haus der Familie ein Anbau entstand. Alte Scherben, ein Werkzeug aus der Steinzeit, Patronenhülsen aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs und eine Geschosskugel, „die aus dem Dreißigjährigen Krieg stammen könnte“, hat Weber am Treppengang platziert.

Der Vater, ein leidenschaftlicher Fotograf und Tüftler, der später das ortsbekannte Geschäft Elektro-Weber führte, hatte schon in jungen Jahren vor seiner Einberufung an die Front Michendorfer fotografiert, die in den Krieg ziehen sollten. Er fotografierte sie in Zivil und danach in Uniform. „Ich habe viele Fotos mit Michendorfern in Uniform, von denen man nicht weiß, wer sie sind“, sagt Richard Wolfgang Weber, der auch einen 100 Jahre alten Feldfernsprecher aus dem Krieg und Teile aus dem einstigen Elektro-Geschäft des Vaters im Keller stehen hat.

1915: Vater Richard Weber per Drahtauslöser in einem Selbstporträt. Quelle: Privat

Der Sohn, ein studierter Diplom-Ingenieur für Fernmeldetechnik, ist selbst zum Unikum geworden. Wie aufs Stichwort kramt er passende Dokumente oder Geschichtsstücke hervor und kann sogar mit einer Stasi-Akte dienen, die das Ministerium für Staatssicherheit zu DDR-Zeiten über den Kirchengänger angelegt hatte. Ein Stasi-IM schrieb über ihn, er sei „pinselig wie ein preußischer Beamter“. „Das ehrt mich“, hat Weber später dazu gesagt.

In den 1950er Jahren war er Begründer der Michendorfer Kapelle „Blau-Weiß“ und saß am Klavier. Sie spielten „Westschlager, die auf Rias liefen“, und hatten über die Ortsgrenzen hinaus Fans. Der Name „Blau-Weiß“ war Zufall: Als sich die Bandmitglieder Krawatten im „Kleintextilien-Geschäft“ am Kreuzpunkt kaufen wollten, waren gerade noch sieben – alle in blau-weiß – vorhanden, „die wir uns dann um die Hälse banden“. Die Geschichte formulierten die jungen Musiker in Reimform: „Und bald pfiff’s von jedem Zaune, blau-weiß steht für gute Laune.“ Ausflüge in die Musik unternahm Weber später auch, spielte zwischen 1997 und 2013 Orgel in der Michendorfer oder Wildenbrucher Kirche.

1951: Die Kapelle „Blau-Weiß“ mit Sohn Richard Wolfgang Weber am Klavier. Quelle: Privat

Gäste empfängt Weber, der 2017 den ersten Platz beim Nikolauslauf in der Altersklasse Ü 80 belegte, am liebsten in seinem Keller. Die Besucher und sich fotografiert er dann im Stile seines Vaters mit Selbstauslöser und klebt die Fotos in die 16 Besucheralben ein, die bereits zusammengekommen sind. Mit Foto und Widmung sind dort etwa Judith Granzow vom Potsdam-Museum oder die Kunsthistorikerin Saskia Hüneke verewigt. Wenn man ihn um eine Widmung bitten würde, Weber würde diesen Rat ins Album schreiben: „Unterhaltet euch rechtzeitig zu Lebzeiten mit den Eltern und Verwandten, um die eigene Geschichte richtig kennenzulernen.“

Von Jens Steglich

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