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Michendorf Wie die Anglerjugend für Fischnachwuchs sorgt
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Wie die Anglerjugend für Fischnachwuchs sorgt
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18:09 14.12.2019
Junge Angler wie Sebastian Dürrhauer (l.) und Eric Lausch haben am Lienewietzsee mehr gelernt als angeln. Quelle: Jens Steglich
Michendorf

Wenn der Laie ans Angeln denkt, hat er Menschen im Blick, die am See sitzen und ab und an Fische aus dem Wasser ziehen. Das aber ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Beim Anglerverein in Michendorf jedenfalls sieht die Sache komplexer aus. Und die Frage, was ein Anglerverein mit dem Schutz von Flora und Fauna zu tun hat, beantwortet Frank Spahn, der Jugendwart, kurz und bündig: „Viel!“

Vereinsmitglieder kümmern sich zum Beispiel darum, dass es dem See gut geht, räumen den Müll weg, den Badende am Ufer hinterlassen, und der Anglernachwuchs hilft den Fischen dabei, ihrerseits für Nachwuchs zu sorgen. Die neueste Idee der Geburtshelfer: Sie wollen einen Aluminiumrahmen bauen und ihn mit Tannengrün versehen. Diese Konstruktionen sollen dann im Großen und im Kleinen Lienewitzsee platziert werden. Frank Spahn, der Jugendwart, spricht lieber von Laichnestern, die die Anglerjugend baut, um es den Fischen zu erleichtern, Junge zu bekommen. „Bei Vögeln würde man es den Bau von Nisthilfen nennen.“

Vom Prämiengeld soll ein Wasserbelüfter angeschafft werden

Für seine Umweltprojekte hat der Michendorfer Anglerverein jetzt einen Preis der Allianz Umweltstiftung „Blauer Adler“ bekommen. 2100 Euro übergab der Allianz-Generalvertreter Stefan Kowalski den Michendorfer Anglern für ihren Beitrag zur Erhaltung von Flora und Fauna am Großen und am Kleinen Lienewitzsee. „Das Geld verwenden wir für die Weiterentwicklung unserer Projekte und für einen neuen Wasserbelüfter“, sagt Frank Spahn. Der Wasserbelüfter wird gebraucht, wenn die beiden Seen und deren Bewohner in Not geraten sollten. Das kann zum Beispiel im Sommer bei großer Hitze passieren oder im Winter, wenn unter einer Eisschicht sozusagen die Luft für die Fische knapp wird. „Es geht darum, Sauerstoff in den See zu bringen. So ein Wasserbelüfter verursacht einen großen Strudel und sorgt für Sauerstoffzufuhr“, erklärt Spahn. „Wir setzen solche Belüfter vor allem im Winter ein, wenn viel Laub von den Bäumen in den See gefallen ist. Verfallendes Laub senkt den Sauerstoffgehalt“, sagt er. Einsetzbar ist der Wasserbelüfter auch bei Eis im Winter. „Man braucht nur ein kleines Loch von einem mal einem Meter, in das der Belüfter dann eingesetzt werden kann“, weiß Spahn.

Tannengrün als Befruchtungshilfe

Wie aber funktioniert die Geburtshilfe für kleine Fische? „Die weiblichen Fische streifen Eier über dem Tannengrün ab und dann kommen männliche Fische und hinterlassen dort eine Samenwolke. Die Eier werden befruchtet und wenn man Glück hat und Fressfeinde alles in Ruhe lassen, kommen später kleine Babyfischchen“, sagt der Coach des Michendorfer Anglernachwuchses.

Im nächsten Jahr will sich der Verein auch sogenannte Laichbürsten anschaffen, die ähnlich funktionieren wie das Tannengrün. „Vorstellen muss man sich das wie eine Klobürste, nur dass die Bürsten viel länger sind“, sagt Spahn. Letztlich soll mit den Projekten der Angler-Jugend im Verein verständlich gemacht werden, „warum wir das machen“. Großes Ziel: „Die jungen Menschen sollen eine Ahnung bekommen vom Zusammenspiel von Flora und Fauna und verstehen, dass man das Große und Ganze im Blick haben muss“, sagt Spahn.

Waschbären werden für Mandarinenten zur Gefahr

Dass gut ausbalancierte Öko-Systeme das Gleichgewicht verlieren können, zeigt ein kleines Tier, das eigentlich in Nordamerika zuhause ist. Der Waschbär, von dem die Rede ist, bereitet gerade am Großen und Kleinen Lienewitzsee Probleme. „Wir hatten hier relativ viele Mandarinenten. Sie sind wirklich rar geworden. Ich habe im letzten Jahr nur noch ein Pärchen gesehen – ohne Junge“, erzählt Spahn. Der Waschbär plündert gern Gelege von Brutvögeln oder holt sich die Küken. „Auch für Sumpfschildkröten wird er gefährlich. Waschbären fressen alles und haben bei uns keine natürlichen Feinde“, sagt Spahn.

Mit seinen derzeit 18 jungen Leuten, die zwischen acht und 18 Jahren alt sind, geht er manchmal auch in die Turnhalle – für Trockenübungen. Die werden beim Anglerverein auch Casting genannt. „Da geht es nicht darum, auf dem Laufsteg zu bestehen“, sagt Spahn. Beim Casting der Angler steht anderes auf dem Programm: Zielübungen. Man könnte es auch Trockenangeln nennen. „Wir werfen mit der Angelrute 7,5 Gramm schwere Wurfgewichte auf eine Arenbergscheibe“, sagt der Jugendwart. Das ist eine Zielscheibe mit Ringen, die bestimmte Punktzahlen einbringen, wenn der Trockenangler sie mit dem Wurfgewicht erreicht. „Nach unseren selbst festgelegten Regeln ist der Zielpunkt in der Mitte kleiner, aber dafür gibt es 50 Punkte, wenn man ins Zentrum trifft.“

Von Jens Steglich

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