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Potsdam-Mittelmark Mit Bleistift und viel Liebe zum Detail
Lokales Potsdam-Mittelmark Mit Bleistift und viel Liebe zum Detail
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20:23 31.08.2017
Ralf Wilhelm Schmidt arbeitet ausschließlich mit Bleistiften unterschiedlicher Härtegrade.
Ralf Wilhelm Schmidt arbeitet ausschließlich mit Bleistiften unterschiedlicher Härtegrade. Quelle: Edith Mende
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Caputh

Einen Bartkauz porträtiert Ralf Wilhelm Schmidt gerade. Überlebensgroß und aufmerksam schaut der Vogel von der Staffelei in die Welt. Fein und flauschig wirkt sein Gefieder. Dem scharfen Schnabel möchte man nicht direkt begegnen. Allein mit Bleistiften unterschiedlicher Härtegrade arbeitet Schmidt. Tausendfache feine Linien lassen das Bild entstehen. Wer in der Ateliergalerie des Künstlers in der Caputher Straße der Einheit 91 vor den bereits fertigen Werken steht, glaubt auf den ersten Blick, es seien Schwarz-Weiß-Fotografien. So dicht und detailreich sind die Zeichnungen. Der heimischen Natur gehört Schmidts besondere Aufmerksamkeit. Seine Baumriesen haben Würde und Charakter. Den Vögeln, Insekten oder Schnecken kommt man in Schmidts Darstellung ganz nahe. So, als habe der Künstler seine Vertrautheit mit ihnen auf den Betrachter übertragen.

Sein „bestes Pferd im Stall”, wie er es selbst bezeichnet, ist eine großflächige Wasserlandschaft, in deren Vordergrund ein Eisvogel auf einem Ast sitzt. Etwa ein halbes Jahr hat er daran gezeichnet. Das Motiv fand er ganz in der Nähe am Wentorfgraben. Trotz mehrerer Angebote kam ein Verkauf dieser Arbeit für ihn bisher nicht infrage. Dafür bietet der Künstler limitierte Fine Art Prints in verschiedenen Größen an.

Es begann mit einem Kräuterbüchlein

„Wenn mir Besucher sagen, dass sie so etwas noch nie gesehen haben, freut mich das”, sagt Ralf Wilhelm Schmidt. „Das ist eine schöne Bestätigung.“ Schmidt ist Autodidakt. Eigentlich erlernte der gebürtige Luckenwalder den Beruf des Tischlers, arbeitete fast zwei Jahrzehnte in der Forstwirtschaft. Als das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ging und er sich neu orientieren musste, fiel ihm ein altes Kräuterbüchlein in die Hände. „Es war mit Bleistiftzeichnungen illustriert, die ich nachzuzeichnen versuchte”, erinnert er sich. So schlecht kann dieser Versuch nicht ausgegangen sein, denn Kurse an der Volkshochschule sowie einer privaten Kunstschule in Berlin folgten.

Ralf Wilhelm Schmidt bei der Arbeit. Quelle: Edith Mende

Sein eigentliches Studium habe er jedoch direkt in der Natur absolviert, erklärt Schmidt. Die Freude am Beobachten, der Kontakt zu den Tieren, das sei für ihn wie eine Kommunikation. „Ich jage nicht, ich warte”, beschreibt er seine Methode. Vor Ort entstehen Skizzen und auch Fotos, die dann in seinem Atelier in fein ziselierte Zeichnungen umgesetzt werden. Die Eulen und Greifvögel, die ihm Modell saßen, fand er im Falkenhof in den Potsdamer Ravensbergen. Schon mehrfach sei er gefragt worden, ob er nicht auch Zeichenkurse geben könne, berichtet Schmidt. „Dafür habe ich weder den Platz noch die Zeit”, bekundet er bestimmt. „Ich möchte mich nicht von meiner eigentlichen Arbeit ablenken lassen. Wenn man sich auf ein Ziel fokussiert, müssen die Türen für andere Sachen eben verschlossen bleiben.”

Farbige Bilder zu zeichnen, reizt ihn nicht

Er habe sich auch schon in farbigen Arbeiten versucht, erzählt der Künstler, der seit sieben Jahren in Potsdam lebt. Aber nein, das reize ihn nicht. „Das Zeichnen mit dem Bleistift, das hat so etwas Ursprüngliches.” 2014 eröffnete Ralf Wilhelm Schmidt seine Ateliergalerie in Caputh. Nur wenige Schritte von der Fähre entfernt. Ein idealer Platz, findet er noch immer, da hier im Sommer sogar internationales Publikum entlangflaniert und hineinschaut. Allerdings wünscht er sich allmählich etwas mehr Platz. Schwierig an so exponierter Stelle. „Ich möchte meine Arbeiten ja zeigen und sie nicht irgendwo deponieren müssen.” So nutzt er gerne geräumige Ausstellungsmöglichkeiten. Erst vor wenigen Tagen schloss eine Schau mit seinen Tierzeichnungen im Naturkundemuseum Potsdam.

Dorthin hätten die Arbeiten nicht nur ganz wunderbar gepasst, er habe auch großartige Publikumsresonanz bekommen, berichtet Schmidt. Ab 17. September kann man in der Schinkelkirche Petzow eine Auswahl seiner Zeichnungen sehen. Und auch in seiner Heimatstadt Luckenwalde stellt er noch regelmäßig aus. Selbstverständlich steht die Tür seiner Galerie zur Caputher Kunsttour am Wochenende einladend offen.

Info: www.ralfwilhelmschmidt. de

Von Edith Mende

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