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Potsdam-Mittelmark Landrat will Verwaltung nach Beelitz umsiedeln
Lokales Potsdam-Mittelmark Landrat will Verwaltung nach Beelitz umsiedeln
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18:32 13.08.2018
Landrat Wolfgang Blasig will die Verwaltung viel stärker an einen Standort konzentrieren, als bisher bekannt. Quelle: Frank Bürstenbinder
Mittelmark

Autos, die sich selbst zulassen. Bürger, die mit ihrem Sachbearbeiter skypen, statt Wartenummern zu ziehen. Online total, wenn es um Anträge und Genehmigungen geht. Egal, wo ein Sachbearbeiter gerade den Laptop aufklappt. Mit der fortschreitenden Digitalisierung, erwartet Landrat Wolfgang Blasig (SPD) einen Paradigmenwechsel in der Kommunikation mit seinen inzwischen über 210 000 Mittelmärkern.

Doch derzeit spricht einiges gegen zukunftsfähige Arbeitsabläufe aus einem Guss. 25 Jahre Potsdam-Mittelmark sind auch 25 Jahre Wanderzirkus. Umzüge waren lange Zeit an der Tagesordnung. Während Landrat Blasig mit seinem Stab am Kreissitz Bad Belzig Dienst tut, verteilen sich wichtige Fachbereiche wie ein Flickenteppich über Brandenburg an der Havel, Werder (Havel) und Teltow. Zwischen vier Verwaltungsstandorten mit noch mehr Dienstgebäuden ist viel Platz für stille Post, statt schnelles Internet. Bad Belzig ist weit.

Abschied von der Fläche

Bad Belzig soll im Zuge der Verwaltungskonzentration seinen Status als Kreisstadt behalten. Vom historischen Landratsgebäude in der Niemöllerstraße wird sich Potsdam-Mittelmark nicht trennen. Unklar ist, was aus dem nach der Wende errichteten Bürokomplex im Papendorfer Weg wird.

Untersuchungen über die Zusammenlegung von Behörden sind so neu nicht. Die Entwicklung der Standorte war schon Thema im Kreistag. Neu an den Plänen der Verwaltungsspitze ist der radikale Abschied von der Fläche. Ausnahmen sind für das Jobcenter Maia denkbar.

Mit fast 2600 Quadratkilometer ist Potsdam-Mittelmark einer der größten deutschen Landkreise. Neben Bad Belzig gibt es Dienstsitze in Brandenburg an der Havel, Werder (Havel) und Teltow. In Beelitz-Heilstätten betreibt der Landkreis das Feuerwehrtechnische Zentrum (FTZ)

Weil die Zukunft der Verwaltung als moderner Dienstleister auf dem Spiel steht, holt die Verwaltungsspitze jetzt zu einem Befreiungsschlag aus. An diesem Dienstag trifft sich Landrat Blasig in Bad Belzig mit den im Kreistag vertretenen Fraktionen. Das Thema Standortentwicklung ist für die Abgeordneten nicht neu. Schon lange wird über einen Bau in Beelitz-Heilstätten geredet. Was sie nicht wissen sind bislang zurückgehaltene Pläne, die eine völlig neue Qualität in die Diskussion um die räumliche Zusammenlegung von Behörden bringen wird.

Grundstücke schon gesichert

Wie aus gewöhnlich gut informierten Quellen durchsickerte, will Blasig den Fraktionen mit einem Paukenschlag den radikalen Rückzug der Verwaltung aus der Fläche verklickern. Im Kern geht es dabei tatsächlich um den lange angekündigten Neubau auf einem 2,7 Hektar großen Grundstück in Beelitz-Heilstätten, das der Landkreis schon vor längerer Zeit neben dem Feuerwehrtechnischen Zentrum (FTZ) erworben hat. Ein weiteres Grundstück in der Nachbarschaft für ein Parkhaus ist bereits ebenfalls gesichert.

Seit 1828 ist Bad Belzig Kreisstadt. Dabei soll es auch in Zukunft bleiben. Wenn auch nur noch mit einer Rumpfverwaltung. Quelle: Frank Bürstenbinder

Wenn sich die bislang unbestätigten Informationen am Dienstag verdichten, soll der künftige Neubau die Arbeitsplätze aus Brandenburg an der Havel, Werder (Havel) und Teltow aufnehmen. Damit wären die Mitarbeiter der Fachbereiche Landwirtschaft und Veterinärwesen sowie Sicherheit, Ordnung und Verkehr sowie Recht, Bauen, Umwelt und Kataster unter einem Dach.

Auch aus Bad Belzig soll eine große Mehrzahl der rund 450 Büroarbeitsplätze nach Beelitz-Heilstätten abgezogen werden. Der Kreissitz würde mit vielleicht noch 50 Leuten zur Alibifunktion schrumpfen. Dies wäre eine deutliche Abkehr vom bisherigen Kurs. Der Kreistag soll sich aber auch in ferner Zukunft im historischen Landratsgebäude in der Niemöllerstraße zusammenfinden.

Gewinner und Verlierer

Widerstand ist vorprogrammiert. Landrat Blasig wird Standhaftigkeit und diplomatisches Geschick brauchen, um Rückendeckung vom Parlament für seine Pläne zu bekommen. Vor allem Bad Belzig wäre ein großer Verlierer des Abzugs.

Der Landrat wird Bürgermeister Roland Leisegang etwas bieten müssen für den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen und Kaufkraft. Bad Belzigs Stadtoberhaupt mag sich indes nicht an Spekulationen beteiligen: „Wenn es in der Sache etwas zu bereden gibt, mache ich das zuerst mit meinen Stadtverordneten.“ Auch Werders Bürgermeisterin Manuela Saß dürfte nicht in Jubel ausbrechen, sollte der Kreis ernst mit dem letzten aller Umzüge machen. Bis zur Schlüsselübergabe in Beelitz-Heilstätten dürften freilich noch ein paar Jahre vergehen.

Von seinen radikalen Plänen muss Landrat Blasig die Kreistagsabgeordneten erst noch überzeugen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Abwegig wäre eine Zusammenziehung fast der kompletten Verwaltung in Beelitz-Heilstätten nicht. Wegen der zentralen Lage hätten alle Mitarbeiter die gleichen Freuden und Leiden eines neuen Standortes zu tragen.

Die Feuerwehrleute zwischen Pritzerbe und Treuenbrietzen leben seit Jahren mit dem geografischen Kompromiss, wie er bei einem Großkreis unvermeidlich ist. Zu den Sitzungen ihrer Fachausschüsse kommen die Kreistagsabgeordneten längst wie selbstverständlich im FTZ zusammen. Über die Autobahnen 2 und 9 ist Blasigs Wunschstandort gut zu erreichen. Es gibt eine Bahnstation, erste Plusbus-Linien wurden eingeführt. Vor allem spart Potsdam-Mittelmark kommenden Generationen Millionen Euro an Miete. Parkplatzsorgen würden der Vergangenheit angehören. Ausnahmen in der Fläche könnte es für das Jobcenter Maia geben.

Funktionalreform fällt aus

Ein Grund für die Dynamik, die in die Standortdebatte kommen wird, ist auch die vom Land abgesagte Funktionalreform. Eigentlich hatte der Landkreis damit gerechnet mehrere hundert Landesbedienstete im Zusammenhang mit der Übertragung neuer Aufgaben in Beelitz-Heilstätten unterbringen zu müssen. Doch weil daraus nichts wird, bleibt in den Neubauplänen Platz genug für eigene Büroarbeitsplätze von morgen.

Von Frank Bürstenbinder

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