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Potsdam-Mittelmark Mord ohne Mörder?
Lokales Potsdam-Mittelmark Mord ohne Mörder?
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07:05 26.07.2017
Quelle: dpa
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Potsdam/Glindow

Der Indizienprozess vor dem Landgericht Potsdam zum Mord an dem Glindower Joachim L. neigt sich dem Ende zu. An bislang zehn Verhandlungstagen sind mehr als 20 Zeugen angehört worden, fünf Sachverständige haben ihre Expertisen vorgestellt – und dennoch bleibt fraglich, ob es sich bei dem Mann auf der Anklagebank lediglich um den einstigen Geschäftspartner des mit einem Schuss in den Hinterkopf geradezu hingerichteten Brunnenbauers handelt oder auch um seinen Mörder. Zu viel Zeit scheint zwischen der Tat im Juni 2009, den zunächst in Tschechien und später auch in Deutschland geführten Ermittlungen und dem Prozessauftakt im Juni 2017 verstrichen zu sein. Wichtige Spuren wie die Tatwaffe fehlen oder sind verblasst, ebenso die Erinnerungen der Zeugen.

Staatsanwalt fordert, die Plädoyers am gleichen Tag zu hören

Bis auf ein paar Kleinigkeiten sei man aus Sicht des Gerichts mit dem angedachten Programm durch, konstatiert Richter Theodor Horstkötter, Vorsitzender der 1. Großen Strafkammer. Das Gericht wird die Beweisaufnahme voraussichtlich am morgigen Donnerstag schließen, hat aber bereits drei weitere Verhandlungstage im August für die Plädoyers und das Urteil anberaumt. Offen ist indes, wann genau die Plädoyers fällig sind. Auf Bitten Horstkötters hin, der Staatsanwalt möge sich für Donnerstag bereit halten, und der Verteidiger für den 7. August, intervenierte Staatsanwalt Jörg Möbius: Das Auseinanderreißen der Plädoyers verstoße gegen das Gebot der Fairness. Der Verteidiger hätte länger Zeit, sich auf die Schlussbemerkung vorzubereiten und könne sich direkt an den Ausführungen der Staatsanwaltschaft abarbeiten.

Verteidiger will dreiwöchige Verhandlungspause

Diese wirft dem Angeklagten Hans-Dieter V. (60) inzwischen nicht nur Mord aus Habgier vor, sondern auch Untreue. Möbius beantragte die Aufnahme des Vorwurfs während des laufenden Verfahrens, das Gericht gab dem statt. Verteidiger Hagen Wegewitz beantragte daraufhin, die Verhandlung wegen der geänderten Prozesslage für drei Wochen zu unterbrechen, um sich entsprechend präparieren zu können. Diesen Antrag wies das Gericht ab: Der Untreue-Vorwurf sei keine unvorhersehbare Wendung, da bereits in der Anklage von Betrug die Rede war.

Wie berichtet soll Hans-Dieter V. seinen damals 55-jährigen und durch eine Erbschaft zu Vermögen gekommenen Kompagnon Joachim L. auf einer Geschäftsreise erschossen und die Leiche in einem Wald in Tschechien versteckt haben. Der Angeklagte bestreitet die Tat. Sein Verteidiger wird auf Freispruch plädieren. „Wir haben es eindeutig mit einem Mord zu tun, aber wir haben keinen Mörder“, so Wegewitz. „Mein Mandant muss nicht seine Unschuld beweisen, sondern das Gericht seine Schuld – und das ist aus meiner Sicht völlig unmöglich.“

Von Nadine Fabian